bedeckt München 22°
vgwortpixel

ManU wirft Mourinho raus:Die Schatten der Vergangenheit reichen nicht mehr

Premier League - Manchester United vs West Bromwich Albion

Erst das Zerwürfnis mit Topspieler Paul Pogba (links), dann der Rauswurf aus dem Klub: José Mourinho muss Manchester United verlassen.

(Foto: REUTERS)

Als die Menschen bei Manchester United wussten, wer dem Klub im Achtelfinale der Champions League gegenüber stehen würde, da hatten sie gleich eine ermutigende Statistik gefunden. Im Februar geht es gegen Paris Saint-Germain, so ergab es die Auslosung am Montag. Gegen die Mannschaft von Thomas Tuchel also, ausgestattet mit Profis wie Kylian Mbappé oder Neymar. Ein ziemlich schwieriges Los. Die gute Nachricht aber konnte Manchester United unter Verweis auf den Manager verkünden: José Mourinho, so schrieb man, kenne den Gegner gut. Er habe bloß eines seiner jüngsten sechs Spiele gegen PSG verloren.

Diese Statistik aber wird Manchester United nicht mehr helfen. Am Dienstag verkündete der Klub, dass Mourinho nicht länger das Team betreut. Der 55-jährige Portugiese habe den Klub "mit sofortiger Wirkung verlassen", hieß es auf der Vereins-Homepage. Man danke ihm und wünsche ihm alles Gute für die Zukunft - routinierte und zugleich emotionslose Worte am Ende einer Beziehung, die zuletzt alles andere als harmonisch war.

Champions League Liverpool wirkt restlos komplett
Gegner des FC Bayern

Liverpool wirkt restlos komplett

Beim Bayern-Gegner in der Champions League überrascht der frühere Münchner Xherdan Shaqiri in neuer Rolle. Seine Gegner legt sich das Team nüchtern zurecht.   Von Sven Haist

Spätestens nach dem jüngsten 1:3 beim FC Liverpool kam die Trennung auch nicht mehr überraschend. Auf der Pressekonferenz nach dem Schlusspfiff hatte Mourinho seine Spieler noch gelobt, wobei dieses Lob vergiftet ausfiel. Die Spieler hätten "alles gegeben", sie kickten nun mal "in Beziehung zu ihren Qualitäten". Mourinho lobte den Liverpool-Profi Andrew Robertson, um dann die physischen Mängel seiner eigenen Spieler zu beklagen. Er sprach über Verletzungsprobleme, die es schon unter seinen Vorgängern gegeben habe. Schließlich kam Mourinho erneut zu dem Fazit: "Sie haben alles gegeben."

Die Kritik an Mourinho zieht sich durch die Saison

Es ist noch nicht so lange her, da galt Mourinho - Spitzname: The Special One - als Trainer, dem die Spieler vertrauen. Als ein Trainer, der sich immer schützend vor seine Profis stellt, oft auch mit harschen Methoden. Doch schon vor einigen Monaten zeigte sich, dass die Dinge in Manchester nun anders liegen. Etwa, wenn es um sein offenbar schlechtes Verhältnis zu Mittelfeldspieler Paul Pogba ging, der 2016 für 105 Millionen Euro von Juventus Turin zu Manchester United kam. Deutlich wurde das, als Mourinho den Franzosen nach dem Ligapokalaus gegen Zweitligist Derby County im September als Ko-Kapitän absetzte. Zuvor hatte Pogba unter anderem Mourinhos Taktik in einem Ligaspiel hinterfragt, das Ganze wirkte wie eine Bestrafung.

Englische Medien halten die Dinge nun nicht viel anders, als es seinerzeit Pogba tat. Der Guardian kommentierte erst am Montag "dass es nicht weitergehen könne" und zeichnete nach, wie Mourinho sich zu einem Trainer entwickelt habe, der allein defensive Konzepte im Angebot habe. Zumindest habe dies beim 0:0 vor einem Jahr in Liverpool gegolten. Das jüngste 1:3 gegen Liverpool und 29 Gegentore in 17 Spielen aber ließen die Zeitung zum Fazit kommen: "Das ist kein Mourinho mehr, der eine Defensive organisieren kann." Als sei Mourinho nur noch ein Schatten dessen, was ihn immer ausgemacht hat.

Die Kritik am Portugiesen, der den schlechtesten Saisonstart des Premier-League-Klubs seit 28 Jahren zu verantworten hat, zieht sich durch die aktuelle Premier-League-Saison. Nach einem 0:3 gegen Tottenham Ende August sah sich Mourinho gar zu einer Verteidigungsrede in eigener Sache veranlasst. Den Journalisten rief er in er Pressekonferenz zu: "Ich habe mehr Meistertitel gewonnen als alle anderen 19 Trainer zusammen. Ich drei, die zwei." Schließlich forderte er "Respekt, Respekt, Respekt."

Michael Carrick soll zunächst übernehmen - und dann?

Die von Mourinho angeführten Statistiken haben noch immer Bestand, aber implizit gestand er damit auch dies ein: dass er sich gegenwärtig nur über seine Vergangenheit profilieren kann. Mourinho war lange der größte Antagonist von Pep Guardiola. Anders im Spielstil und anders im Auftreten. Aber eben auch: ähnlich erfolgreich. Zweifacher Champions-League-Sieger (mit dem FC Porto und Inter Mailand), Meister in Portugal, Spanien, England. Doch seine größten Erfolge - jene in der Champions League - liegen inzwischen schon Jahre zurück, eine ganze Fußballer-Generation fast. Mit Manchester United konnte er immerhin die Europa League (2017) und den Ligapokal (ebenfalls 2017) gewinnen. In der Liga reichte es dagegen nur zu den Plätzen 6, 2 und derzeit erneut 6. Zur Einordnung: In seinen drei Spielzeiten mit Mourinho gab der Klub umgerechnet knapp 465 Millionen Euro an Ablöse für neue Spieler aus.

In Liverpool sagte Mourinho nun, dass es weiterhin die Möglichkeit gebe, in der zweiten Saisonhälfte mehr Punkte zu holen als in der ersten. Dies allerdings wird nun die Aufgabe eines neuen Trainers sein. Der Klub teilte mit, dass zunächst ein Interimscoach übernehme, Michael Carrick gilt laut Sky als Kandidat auf den Posten. Man werde sich zudem "gründlich" nach einem Ersatz umsehen. Der könnte Mauricio Pochettino (aktuell bei Tottenham Hotspur) heißen. Oder, es wäre die ganz große, prominente Lösung: Zinédine Zidane.

Champions League Manchmal zu spursy

Tottenham Hotspur

Manchmal zu spursy

Dortmunds Champions-League-Gegner Tottenham hat im Sommer keinen Spieler verpflichtet und steht auf Platz drei der Premier League - doch der Klub stößt an Grenzen.   Von Thomas Hürner