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Fußball:Leroy Sanés Abflug ins Abenteuerland

Für 50 Millionen Euro wechselt Sané zu Manchester City. Der FC Bayern ist darüber nicht glücklich - aber für die Münchner war der Spieler zum falschen Zeitpunkt auf dem Markt.

Selbst in England ist das Wetter manchmal relativ. Zwar hatte sich der Himmel über Manchester erwartungsgemäß nicht extra hübsch gemacht, um den jungen Mann zu empfangen, auf den Fotos von Leroy Sanés Ankunft sind mehrere erstklassige Wolken zu erkennen. Aber was wäre die Alternative gewesen? Mittersill im Bundesland Salzburg, 800 Meter über dem Meeresspiegel: Gemeldet wurden am Montag 18 Grad und Regen.

Wenn Leroy Sané am Montag mit der Mannschaft im Flieger ins Trainingslager nach Österreich sitze, dann bleibe er Spieler von Schalke 04: Das hatte der neue Sportchef Christian Heidel am Sonntag gesagt - hübsch, aber als falsche Fährte nutzlos. Nicht mal in diesen aufgeregten Transfertagen, in denen alles sowie auch das Gegenteil davon möglich ist, hat irgendwer an eine Wende geglaubt. Am Dienstag gegen 11 Uhr bestätigte Manchester City die lange erwartete Einigung, der 20-Jährige wechselt sofort nach England.

Es war ja seit Tagen nur noch darum gegangen, welche Summen in diesem Vertrag stehen. Sanés Wechsel zählte zum Grundwissen der Branche, seit der neue City-Coach Pep Guardiola kürzlich das Interesse am Spieler bestätigte.

Gut 75 Millionen haben Guardiolas deutsche Jahre seinen neuen Arbeitgeber jetzt schon gekostet. Sein in München erworbenes Herrschaftswissen hat der katalanische Coach bereits zum zweiten Bundesliga-Transfer genutzt: Nach Dortmunds Ilkay Gündogan hat Guardiola nun auch Schalkes Sané überredet, seinen heimischen Kultklub für jene globalisierte Fußball-Firma zu verlassen, die Guardiola in den nächsten drei Jahren trainieren wird. Rund 50 Millionen Euro Basis-Ablöse kassiert Schalke von dem Klub, der von Scheich Mansour bin Zayed al Nahyan und vom englischen TV-Vertrag unterstützt wird. Mit diesem Geld kommt man in Mittersill vermutlich ein paar Tage durch.

Der Reiz des englischen Marktes zeigt sich im Fall Sané so klar und rein wie kaum bei einem Transfer zuvor. Offenkundig haben sich der 20-Jährige und seine Ratgeber nicht wehren wollen gegen diese neue Art von Eigendynamik, sie haben sich gerne mitreißen lassen von der Goldgräberstimmung auf dem Markt.

Sané wollte den Wechsel, und er wollte ihn jetzt, obwohl er nach Branchenlogik auch gute Gründe gefunden hätte zu warten. Im vertrauten Schalker Umfeld hätte er noch ein Jahr reifen können, um dann eben im Sommer 2017 zu verschwinden - für eine vereinbarte Summe von 35 Millionen, die ihn angesichts seines Marktwertes fast zum Sonderangebot gemacht hätte. Und derlei unverbindliche Preisempfehlungen werden auf dem Markt gerne mit recht begrüßenswerten Extra-Handgeldern honoriert.