ManCity in der Premier LeagueGuardiola ist nervös

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Da steht er und kann nicht anders: Pep Guardiola.
Da steht er und kann nicht anders: Pep Guardiola.
David Klein/Reuters

Beim 2:2 gegen Tottenham ereifert sich der Trainer von Manchester City und kassiert die vierte gelbe Karte. Weil der Klub zuletzt nur eines von sechs Ligaspielen gewann, reißen Spekulationen über einen vorzeitigen Abschied Guardiolas nicht ab.

Von Sven Haist, London

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Pep Guardiola stürmte zum Schiedsrichter-Assistenten an der Seitenlinie und deutete mit dem linken Arm auf den schräg gegenüberliegenden Videomonitor unter dem Stadiondach. Während des Premier-League-Duells zwischen Tottenham Hotspur und Manchester City wurde dort überraschend das soeben gefallene 1:2-Anschlus­stor der Gastgeber durch Dominic Solanke eingeblendet. Die Entstehung versetzte City-Trainer Guardiola in Rage – von seinen Lippen war unmissverständlich abzulesen: „Foul! Foul!“

Der Treffer leitete Tottenhams Aufholjagd zum 2:2-Endstand ein, den Ausgleich erzielte wieder Solanke. Der Stürmer traf mit einem sogenannten „Skorpion-Kick“, indem er akrobatisch eine Flanke in der Luft mit der rechten Ferse über City-Torwart Gianluigi Donnarumma ins Kreuzeck lupfte. Zuvor hatten Rayan Cherki und Antoine Semenyo in der ersten Halbzeit den Spitzenklub aus Manchester in Führung gebracht. Das Remis gegen den Angstgegner Tottenham kostete City am Ende erneut Punkte im Titelrennen, der Rückstand auf Tabellenführer Arsenal wuchs auf sechs Zähler.

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In der besagten Szene aus der 53. Minute hatte Manchesters Verteidiger Marc Guéhi seinen Körper am Fünfmeterraum noch rechtzeitig zwischen den Ball und den einschussbereiten Solanke gestellt. Der Spurs-Torjäger spitzelte den Ball dennoch im Fallen von hinten durch Guéhis Beine ins Tor, erwischte dabei aber auch dessen Standbein. Der Videoreferee überprüfte die Szene und bestätigte letztlich die Entscheidung des Feldschiedsrichters Robert Jones. Kurz darauf wurde – auf dem Stadionbildschirm – offiziell verlautbart, dass Solankes Aktion kein Foul gewesen sei, da dieser „den Ball gespielt“ habe.

Diese Erklärung beruhigte den aufgebrachten Guardiola allerdings nicht. Nach der Partie äußerte er sich empört: „Schon wieder“, schnaubte er beim Sender Sky, nachdem er bereits bei den vergangenen zwei Ligaspielen die Schiedsrichterleistungen scharf kritisiert hatte. Am Sonntagabend hätte er das Interview beinahe abgebrochen, ging dann aber doch ebenso genervt wie lakonisch auf eine Nachfrage ein: „Was soll ich sagen? Marc hat den Ball, er wird von hinten getreten, und es ist ein Tor“, sagte Guardiola spitz. Später legte der Katalane bei der BBC nach: Würde man so gegen einen Angreifer im Strafraum vorgehen, gäbe es Elfmeter. „Faszinierend, in der Premier League“, schloss er resigniert. Sein Trainerkontrahent Thomas Frank stufte den Zweikampf als „Graubereich“ ein.

Noch deutlicher offenbarte Guardiolas Mittelfeldspieler Rodri seinen Frust, der unterstellte, nicht näher von ihm definierte „Leute“ wollten angeblich verhindern, dass City gewinne. „Der Schiedsrichter muss neutral sein“, betonte der Spanier und stellte damit indirekt die Unparteilichkeit der Unparteiischen infrage: „Für mich ist das nicht fair. Es ist nicht fair.“ Unerwähnt ließ er in diesem Zusammenhang, dass er selbst nur knapp einem Platzverweis entgangen war. Im ersten Durchgang hatte Rodri nach einem taktischen Foul Gelb gesehen – kurz vor Schluss erwischte er zudem Tottenhams Conor Gallagher am Schienbein und touchierte mutmaßlich im Laufduell auch noch den dadurch aus dem Tritt geratenen Wilson Odobert.

Guardiola wechselte Rodri in der vierten Minute der Nachspielzeit gegen Offensivspieler Omar Marmoush aus. Eine Vorsichtsmaßnahme? Nein, das sei nicht der Grund gewesen, wiegelte der Trainer säuerlich ab. Er habe vielmehr „einen weiteren Spieler mit anderer Energie, Phil Foden, im letzten Drittel einsetzen“ wollen, um den Siegtreffer zu erzwingen. Kürzlich war der erfahrene Rodri in der Champions League bei der 1:3-Niederlage gegen Bodö/Glimt nach zwei Fouls innerhalb von 53 Sekunden des Feldes verwiesen worden.

Die angespannte Lage bei City dürfte das Resultat einer schwachen Ergebnisserie sein: Von sechs Ligaspielen seit Jahresbeginn gewann man nur eines. Nach der enttäuschenden Vorsaison fehlen der kostspielig hochgerüsteten Mannschaft vor allem Souveränität und Spielkontrolle. Guardiolas Team verfügt nicht mehr über die jahrelang bekannte Dominanz – auch weil der dafür unentbehrliche zentrale Ballverteiler Rodri nach seiner Kreuzbandverletzung im Herbst 2024 weiterhin seine Bestform sucht. Seit seiner Rückkehr am vergangenen Saisonende wird der Weltfußballer des Jahres 2024 immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen; zwischen Mitte Oktober und Jahresende bestritt Rodri wegen einer Oberschenkelverletzung lediglich eine Pflichtspielminute.

Neben den sportlichen Sorgen reißen auch die Spekulationen über einen vorzeitigen Abschied von Pep Guardiola aus Manchester nicht ab. Dessen Vertrag gilt bis Juni 2027, doch der Klub bereitet sich laut englischen Medienberichten bereits auf eine Nachfolgersuche vor. Der Trainer selbst wirkt derzeit nervös: Für seine Proteste gegen Tottenham kassierte Guardiola bereits die vierte gelbe Karte dieser Saison. Nach der dritten hatte er zuletzt das gewonnene FA-Cup-Spiel gegen einen Drittligisten von der Tribüne verfolgen müssen.

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