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ManCity-Einspruch vor dem Cas:Ein Urteil mit drastischen Folgen

FILE PHOTO: Champions League - Manchester City Press Conference

Freut sich weiterhin auf die Champions League mit City: Pep Guardiola.

(Foto: Action Images via Reuters)

Die Aufhebung der Sperre für Manchester City ist ein spektakulärer Entscheid des Sportgerichtshofes. Er gewährt Superklubs im Fußball freie Hand.

Kommentar von Thomas Kistner

Manchester City, teures Spielzeug der Herrscherfamilie in Abu Dhabi, wird trotz erdrückend wirkender Beweislast für Verstöße gegen das Fairplay-Reglement der Uefa quasi nicht sanktioniert - die bloß zehn Millionen Dollar Strafe, die der Oberste Sportgerichtshof Cas dem britischen Superklub aufbürdete, zahlen die Eigner vom Golf aus der Portokasse. Dieses Cas-Urteil ist spektakulär. Und es wird Folgen haben, das lässt sich prognostizieren.

Im Februar hatte die Europäische Fußball-Union Manchester City für zwei Jahre aus den Europapokal-Wettbewerben verbannt, aufgrund "schwerwiegender Verstöße" gegen das Financial Fair Play (FFP). Die Uefa-Finanzfahnder hatten ermittelt, dass ManCity zwischen 2012 und 2016 mit Sponsorengeldern getrickst haben soll. Einkünfte, die in Wirklichkeit aus den Taschen des Klub-Besitzers Scheich Mansour gekommen seien, habe der Klub als Werbeeinnahmen deklariert - etwa als Zahlungen von Etihad Airways. Citys Hauptsponsor ist die Fluggesellschaft der Vereinigten Emirate; völlig klar, dass solche Zahlungen zumindest als äußerst eigentümernah zu bewerten sind. Klubinterne E-Mails und Dokumente, enthüllt über die Plattform Football Leaks, zeigten dann, wie klubintern Werbeverträge höher bewertet und teilweise zurückdatiert wurden; auch Klauseln wurden im Nachhinein eingefügt.

Besondere Brisanz erhielt dieser Komplex durch die Verwicklungen von Gianni Infantino, des heutigen Fifa-Präsidenten. Der war bis Februar 2016 Uefa-Generalsekretär und dealte nach Aktenlage an den eigenen FFP-Ermittlern vorbei mit den ManCity-Granden aus, was der Klub der Uefa-Kontrollkammer präsentieren sollte. Stille Treffen und entlarvende Mails nähren den Verdacht, dass der superreiche Klub um jeden Preis im Big Business gehalten werden sollte.

Nun passt das Cas-Urteil in die Landschaft. Dass sich der Superklub locker durchgesetzt hat, weil die Sportrichter das Gros der von der Uefa erkannten Verstöße als "entweder nicht festgestellt oder verjährt" betrachtet, obwohl klare Hinweise auf Verschleierungen, Absprachen und Tricksereien vorliegen - das klingt einmal mehr wie eine klassische Exit-Strategie im Interesse des organisierten Sports.

Dieser erwählt die Richter des Cas. Die Rechtsprechung des Sportgerichtshofs wird von Juristen betrieben, die im Vergleich zur staatlichen Justiz mehreren Interessenskonflikten ausgesetzt sind. Zum einen sind viele am Cas zugelassene Anwälte auch in Privatkanzleien tätig. Das ermöglicht vermögenden Sportklienten, diese in anderen rechtlichen Belangen beauftragen zu können. Zum anderen wirken die Cas-Schiedsrichter an ihren Urteilen faktisch mal als Parteivertreter, mal als Richter mit. Die Konstruktion könnte dazu verleiten, eigene Rechtsansichten fortzuentwickeln, auf die man sich immer wieder berufen kann.

Die Uefa ist nicht amüsiert über das Urteil. Dabei ist gerade sie in der Zeit nach Infantino erkennbar bemüht, nach den Regeln zu spielen. Insofern könnte das ManCity-Urteil auch etwas Gutes haben: Es bräuchte ja nur eine Statuten-Änderung, um derlei politisch umwölkte Machtkämpfe künftig vor staatlichen Gerichten auszutragen - und nicht vor einer vergleichsweise luftigen Sportinstitution.

© SZ/jbe

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