Mainz 05 Gekommen als Glücklichmacher

Aufstieg innerhalb des Vereins: Sandro Schwarz, bisher Trainer der Mainzer U23-Auswahl, betreut nun das erste Team.

(Foto: Andreas Arnold/AFP)

Sandro Schwarz, 38, hat für Mainz 101 Zweitliga-Spiele bestritten - jetzt wurde er vom U23-Coach zum Bundesliga-Cheftrainer befördert.

Von Tobias Schächter, Mainz

Horst Hülß, 78 Jahre alt, war am Mittwoch dabei, als Sandro Schwarz als neuer Trainer des FSV Mainz 05 vorgestellt wurde. Hülß trainierte früher Nullfünf in der Oberliga, ist jetzt im Ältestenrat des Klubs und war einst am Schlossgymnasium in Mainz ebenso Sportlehrer von Schwarz wie das Mainzer Präsidiumsmitglied Hubert Friedrich. Schwarz, 38, kennt also die Menschen seiner Geburtsstadt. Für Nullfünf absolvierte er im Mittelfeld 101 Spiele in der zweiten Liga - jetzt wurde er vom U 23-Coach zum Bundesliga-Cheftrainer befördert.

Schwarz nennt die Säulenheiligen des Mainzer Fußballs seine Trainer-Vorbilder: den verstorbenen Wolfgang Frank, Jürgen Klopp und Thomas Tuchel. "Sandro ist Mainz und verkörpert Mainz 05", sagt Sportdirektor Rouven Schröder .

Nach einer schwachen Rückrunde, in der Mainz nur aufgrund des besseren Torverhältnisses gegenüber Wolfsburg die Relegation vermeiden konnte, trennte sich 05 von Trainer Martin Schmidt. Schröder fordert Aufbruchsstimmung: "Wir brauchen Leidenschaft und taktische Finesse." Schmidt wurde am Ende vorgeworfen, dem Mainzer Umschaltfußball keine neue Komponente hinzuzufügen. Schwarz soll Kraft seiner Mainzer Vita und seines in der Branche anerkannten Trainertalents die neue Identifikationsfigur des Klubs werden, er sagt: "Wir haben die Verpflichtung, die Menschen glücklich zu machen."

Mainz 05 soll Mainz 05 bleiben - und muss sich doch ein Stück weit neu erfinden. Bald wird ein neuer Präsident gewählt, Harald Strutz tritt zurück. Und mit dem leidenschaftlichen Schwarz soll der 05-Fußball mehrdimensionaler werden. Der Coach bezeichnet sich als "absoluten Teamplayer, sehr kommunikativ und brutal ehrgeizig". Er will mit der Mannschaft einen "Wiedererkennungswert schaffen- und Spiele gewinnen".

Dass Schwarz gerade mit der U 23 aus der dritten Liga abgestiegen ist, kratzt nicht an seiner Reputation, schon im vergangenen Jahr stand er in Leipzig oder Kaiserslautern auf der Trainer-Kandidatenliste. Nach Stationen in Wehen, Eschborn und im Nachwuchs des FSV sieht er sich gewappnet für das große Scheinwerferlicht. Neben seinem bisherigen Co-Trainer Michael Falkenmayer und Video-Analyst Daniel Fischer wird ihm auch Moritz Lichte assistieren. Lichte, 37, arbeitete unter anderem schon bei Bayer Leverkusen unter den Trainern Sascha Lewandowski und Sami Hyppiä und kommt von Hannover 96, wo er zuletzt als Nachwuchs-Chef tätig war.

Der impulsive Schwarz stand zwar 2004 in der ersten Erstliga-Aufstiegself unter Trainer Klopp, wechselte danach aber nach Essen und Wehen. Jetzt kann er als Trainer sein Mainzer Erstliga-Debüt nachholen.