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Krise bei Mainz 05:Ideenlos auf Ideensuche

FC Augsburg v 1. FSV Mainz 05 - Bundesliga

Daniel Brosinski (links) wählte nach dem Spiel deutliche Worte.

(Foto: Alexandra Beier/Getty Images)

Der Tabellenletzte Mainz verliert auch das sechste Spiel der Saison, spielt nach eigenem Bekunden "Schlafwagenfußball" - und zeigt wenig, was Hoffnung auf Besserung macht.

Von Maik Rosner, Augsburg

Levin Öztunali flankte von der rechten Seite, doch in der Mitte, wo ein Adressat hätte stehen müssen, befand sich nur Rafal Gikiewicz. Ohne Mühe konnte Augsburgs Torwart den Ball fangen. Dennoch klatschte der Mainzer Trainer Jan-Moritz Lichte: Immerhin, eine Offensivkation. Es war eine Szene, die viel erzählte über das Spiel der Mainzer beim FCA und über die Gemengelage beim FSV insgesamt.

Am Ende mussten die Mainzer bilanzieren, dass sich ihre Situation noch weiter verschlechtert hat. Die 1:3 (0:1)-Niederlage bei den Augsburgern führte zur Einstellung von gleich zwei Negativrekorden: Jenem aus der Vereinsgeschichte, saisonübergreifend sieben Mal hintereinander verloren zu haben - und dem schlechtesten Saisonstart in der Bundesliga-Geschichte, den mit sechs Niederlagen an den ersten sechs Spieltagen bislang Fortuna Düsseldorf aus der Saison 1991/92 alleine in der Chronik führte.

"Schlafwagenfußball" habe man in der ersten Halbzeit gezeigt, kritisierte hinterher Daniel Brosinski erkennbar angefasst, "da hätte man alle elf auswechseln können." Der Routinier, 32, der seit sechs Jahren für Mainz spielt, bezeichnete diese Passivität als "unerklärlich". Hinzu kam ein weiterer alarmierender Befund. "Wir haben nicht das gemacht, was der Trainer uns gesagt hat", sagte Brosinski bei Sky, "das müssen wir intern aufarbeiten." Lichte bestätigte die Sichtweise seines Linksverteidigers später in der Pressekonferenz, und auch die Aussagen des Trainers gerieten durchaus besorgniserregend. "Wir haben uns nicht an die Ideen gehalten", begründete er, warum das Offensivspiel in der ersten Halbzeit kaum stattgefunden hatte. Manche Spieler hätten "eigene Ideen" gehabt. Vor dem Heimspiel am kommenden Samstag gegen den Vorletzten FC Schalke müsse man nun "weiter daran arbeiten, dass wir auf dem Platz eine Idee haben", befand Lichte. Verheißungsvoll klang das eher nicht.

Ruben Vargas hatte Augsburg mit einem hübschen Fallrückzieher in Führung gebracht (40.), ehe Karim Onisiwo ausglich (64.). Doch aus dem ersten Punktgewinn wurde nichts, weil André Hahn noch zwei Mal (80./90.+1) zum verdienten Augsburger Sieg nach zuletzt zwei Niederlagen traf. Der FCA steht mit zehn Punkten aus sechs Spielen gut da. Das Positive aus Mainzer Sicht ist derzeit wohl nur, dass auch die Konkurrenz am Ende der Tabelle kaum punktet.

Heiko Herrlich, Augsburgs Trainer, hatte vor dem Spiel anklingen lassen, dass es schwer werden könne, in der ungewohnten Favoritenrolle gegen den Tabellenletzten nachzuweisen, ob sich der FCA in seinem Ballbesitzspiel verbessert hat - das gehört zu den Lernzielen, die er selbst ausgerufen hat. Erschwerend hinzu kam für den FCA, dass Stürmer Florian Niederlechner wegen eines Faserrisses in der Bauchmuskulatur nicht zur Verfügung stand. Für den ehemaligen Mainzer rückte Vargas in die Startelf. Er lief auf dem linken Flügel auf, als Stürmer fungierte Hahn, sonst eher auf dem rechten Flügel zu finden.

Beim 1:0 bediente sich der FCA einer Mischung aus Spielgestaltung und Konterstil: Nach Jeffrey Gouweleeuws langem Diagonalpass wurde Iagos Abschluss geblockt, den Abpraller nutzte Vargas aus fünf Metern zu einem Fallrückzieher, der als Aufsetzer ins Mainzer Tor sprang. Kurz danach kamen die Gäste zu ihrer ersten Chance, bei der Robin Quaison den Ball sieben Meter vor dem Tor aber nicht richtig traf, was sich ins Bild des bis dahin sehr überschaubaren Mainzer Auftritts fügte.

In der zweiten Halbzeit waren die Mainzer um mehr Aktivität bemüht. Aggressiver störten sie nun den Augsburger Aufbau und versuchten, ihre Spielanteile zu erhöhen und die Offensive zu beleben. Es blieb zunächst beim Versuch. Das änderte sich erst, als Öztunali erneut einen Ball in die Mitte schlug. Diesmal fand er im kurz zuvor eingewechselten Onisiwo einen Abnehmer. Zentral vor dem Tor kam der Stürmer an den Ball und schob ihn Gikiewicz zum 1:1 durch die Beine. Als Onisiwo mit einem weiteren Abschluss kurz darauf Gikiewicz zu einer Parade zwang, verstärkte sich der Eindruck, wonach der FCA ein klar kontrolliertes Spiel zunehmend aus der Hand gegeben hatte.

Erst gegen Ende rafften sich die Augsburger auf, dies zu korrigieren. Michael Gregoritsch verpasste noch das 2:1, als er knapp vorbeischoss. Hahn machte es zehn Minuten vor dem Abpfiff besser, nachdem Iago geflankt und der eingewechselte Alfred Finnbogason mit dem Kopf abgelegt hatte. Die Mainzer ließen die Köpfe hängen, und diese sanken noch ein bisschen tiefer, als der eingewechselte Noah Sarenren Bazee die gesamte Mainzer Abwehr überlief und für Hahn auflegte, der mit seinem zweiten Tor des Nachmittags zum Endstand traf. "Wir wollen so schnell wie möglich den Klassenerhalt fix machen", sagte Hahn später zum guten Saisonstart. Die Mainzer hoffen eher, dass ihnen der Ligaverbleib überhaupt gelingt.

© SZ/schm
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