Zum Auftakt des Winterspieljahres 2026 hat Johan Eliasch eine beruhigende Botschaft verschickt. „Wir wissen, dass wir irgendwie alles rechtzeitig fertigstellen werden“, sagte der Präsident des Ski-Weltverbandes Fis. Die Frage sei bloß: „Was genau?“ Denn was immer in Mailand und Cortina auf den letzten Drücker zurechtgeschustert werde, müsse halt „gewisse Qualitätsansprüche für Zuschauer, Fans und Athleten erfüllen“ – sonst werde das Ganze kein Erfolg.
So ist es. Und kein Erfolg, das wäre nicht nur der Albtraum für die Alpenregion, sondern auch für die neue Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).
Bisher hat Kirsty Coventry, aus Simbabwe stammend und die erste Frau an der Spitze des Ringe-Konzerns, ganz gut von diesem Setting zehren können. Es überdeckte die mysteriöse Erstrunden-Kür der Wunschkandidatin des scheidenden Olympia-Bosses Thomas Bach im März mit einer Stimme Vorsprung, und auch die jähe Trennung des IOC von Dauerpartner Saudi-Arabien innerhalb des ambitionierten olympischen E-Sports-Projekts. Hier wabern wieder mal Korruptionsgerüchte, rund um die familiären Drähte eines IOC-Schwergewichts aus Singapur ins Gaming-Business. Schockwellen der Affäre reichten bis zum nationalen Olympia-Komitee am Golf und zum Weltverband Global E-Sports Federation. Wo übrigens Coventrys simbabwischer Ehegatte einige Jahre im Vorstand saß, neben einem Vizepräsidenten und Landsmann aus dem offenbar höchst E-Sports-affinen Staat im südlichen Afrika.
Irgendwie wird auch diese Sache abgeräumt, doch Schnee von gestern ist sie so schnell nicht. Dabei bereitet der Schnee von morgen schon genug Probleme. Seit Wochen knattern von Bormio bis Livigno die Schneekanonen, für die Fertigstellung der neuen Eishockey-Arena in Mailand dürfte bald ein Konvoi aus Bettel- und Betbrüdern des Organisationskomitees Richtung Canossa aufbrechen. Und die schleppende Spiele-Finanzierung wird Veranstalter und Italiens Politik noch lange nach der Schlussfeier am 22. Februar in Atem halten.
Kürzlich empfahl der IOC-Vorstand, Nachwuchsathleten sollten wieder unter russischer Flagge starten
Aber irgendwie werden sie, frei nach Fis-Boss Eliasch, die Spiele schon hinwursteln. Brisanter erscheint deshalb für die neue IOC-Präsidentin bei ihren Debüt-Spielen eine andere Wanderbaustelle: Was passiert mit den Athleten aus Russland und Belarus, wie sieht das Teilnehmerfeld am Ende aus?
Vielleicht zwei Dutzend Athleten aus diesen Staaten, verbannt wegen der russischen Invasion in die Ukraine, sind nach aktuellem Stand dabei. Als neutrale Athleten, ohne Flagge und heimisches NOK. Aber Coventry bleibt hier flexibel, auch hat sie ja die persönlichen Feindseligkeiten zwischen den einstigen Männerfreunden Wladimir Putin und Thomas Bach, ihrem Mentor, nicht übernommen. Unlängst empfahl ihr IOC-Vorstand, Nachwuchsathleten mit (bela-)russischem Pass sollten bei internationalen Jugendwettbewerben wieder unter ihrer Landesflagge starten, im Einzel- wie im Mannschaftssport. Und sogar die ganz große Vision hält sie offen: Falls in den laufenden Verhandlungen doch noch ein Friedensabkommen erzielt wird, könnte Milano/Cortina 2026 die monumentale Bühne für ein Comeback Russlands sein – das schließt sie jedenfalls nicht aus: „Wir müssen abwarten, was passiert!“
Auch das IOC wird sich für Trump wohl irgendein Friedenstrumm zusammenfrickeln können
Dass schon ein solches Gedankenspiel in manchen Weltregionen verurteilt wird, im Gros der europäischen Staaten, muss sie wenig kümmern. Es gibt so viele, die das anders sehen, und vorneweg einen, den sie unbedingt gewogen halten will: US-Präsident Donald Trump. Denn in Los Angeles finden schon 2028 Coventrys erste wirklich große Spiele statt. Und ein ausgewiesener Polit-Clown namens Gianni Infantino, der nicht nur Chef des Fußball-Weltverbandes, sondern auch Mitglied des IOC ist, lebt der Präsidentin ja seit Jahren vor, wie man Trump effizient begegnet: in Bauchlage, aus der Bodenperspektive reiche Opfergaben darreichend. Also: Irgend so ein Friedenstrumm wird auch das IOC zusammenfrickeln können!
Ob das Kalkül mit der totalen Unterwerfung aufgeht, auch das kann Coventry im neuen Jahr studieren, bei der Fußball-WM im Sommer in den USA. Und falls sie zuvor die Sache mit den Russen in Mailand/Cortina gut über die Bühne bringt, braucht es 2028 vielleicht nur noch einen olympischen Friede-Freude-Eierkuchen-Orden, um den Boss gnädig zu stimmen.
Los geht’s! Es warten spannende Lehrjahre.


