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Magnus Carlsen bei der Schach-WM:Carlsen will es allen zeigen - immer

Carlsen hat in den vergangenen Jahren das Schachspiel in der Weltspitze neu justiert. Lange dachte man, ein Spieler könne den Gegner praktisch nur noch mit einer perfekt vorbereiteten Eröffnung überlisten und sich so einen Vorteil verschaffen. Sonst enden Partien eben Remis. Das Spiel schien mit Hilfe von Computern fast ausgereizt zu sein. Doch der Norweger brachte einen anderen Stil mit. Die ersten Züge sind zumeist nur dazu da, den Nachteil zu verhindern. Erst wenn das Spiel am Laufen ist, sucht Carlsen die Schwächen des Gegners. Hat er sie gefunden, beißt er sich grimmig fest und lässt nicht mehr los. Denn bei aller Coolness, die dem Mozart des Schach zugeschrieben wird: Gerade der biografische Film zeigt, dass Carlsens Erfolg vor allem darauf beruht, es sich und der Welt richtig zeigen zu wollen. Und zwar immer. Dieser Ehrgeiz treibt ihn enorm an.

"Er wird so wütend auf sich, wenn er verliert", erzählt eine seiner drei Schwestern, "er erwartet so viel von sich, er will dann mit niemandem mehr reden." Je mehr er sich in der Kindheit als Außenseiter fühlte, desto mehr übte er sein Schachspiel. Hier erhoffte er sich Anerkennung und Selbstvertrauen. Als er schon berühmt war, ließ er sich darauf ein, gegen die zehn besten Schachspieler der Harvard Elite-Universität gleichzeitig anzutreten. Mit verbundenen Augen und dem Rücken zu den Brettern. Nur aus dem Gedächtnis heraus setzte er einen nach dem anderen Matt, lächelte kurz und statt danach Autogramme zu geben, schrieb er den Gegnern die Zugfolge der Partien mit einem Kugelschreiber auf ein Blatt Papier. Den Leuten stand sprichwörtlich der Mund offen.

Carlsen, die Weltmarke

Die Eigenheiten, weshalb er früher von den Mitschülern gehänselt wurde, sind heute Merkmale eines bestaunten Schachspielers. Aus dem seltsam in sich gekehrten Kind mit komischen Begabungen ist eine Weltmarke geworden. Die gut vermarktet wird und laut Manager Espen Adgestein zwei Millionen Dollar Jahresgehalt einspielt. Carlsen hat nun genug Geld, sich für alle Bereiche Helfer zu engagieren. Diese Konstellation ist die vielleicht einzige Chance von Herausforderer Karjakin: Der Druck liegt allein bei Carlsen. Das kennt er so noch nicht und sollte Karjakin seine bekannte Schwäche zu Beginn eines Turniers nutzen und in Führung gehen - wer weiß, wie der Weltmeister reagiert.

Wie viel auf dem Spiel steht für den Norweger, zeigt eine Warnung seines Managements. Das Carlsen-Lager erklärte vor einigen Tagen öffentlich, es fürchte Hacker-Angriffe auf die Computer. Angeblich soll Carlsens persönlicher Sponsor Microsoft eingeschaltet worden sein. Manager Agdestein sprach von "Pentagon-Sicherheit" für die Rechner, denn es "ist natürlich ganz entscheidend, dass kein Fremder Zugang zu unseren Analysen bekommen kann". Die Zeiten, in denen irgendwelche Jungs Magnus Carlsen ärgern, wo sie nur können, sollen endgültig vorbei sein.

Verfolgen Sie ab Freitag die Partien der Schach-WM im Liveticker bei SZ.de.

Großmeister Stefan Kindermann analysiert alle Partien der Schach-WM tags darauf im Video bei SZ.de. Sehen Sie hier bereits seine Vorschau.

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