Magdalena Neuners Karriereende Training bei den Gebirgsjägern

Magdalena Neuner

Glamourgirl, Vorbild, Freigeist

Krölls Trainingsgruppe ist eine besondere Gemeinschaft, vielleicht deshalb, weil sie nicht funktionieren würde, wenn nicht wirklich alle zusammenhelfen. Unten in Kaltenbrunn zum Beispiel befindet sich die Winter-Trainingsanlage. Und wie alle anderen seiner Biathlon-Schüler hat dort auch Neuner, auch als sie schon Junioren-Weltmeisterin war, im November die Zäune, Übergänge und Schießrampen von Hand zusammengeschraubt. Denn im Sommer ist das eine Kuhweide. "Der Sportler", sagt Kröll, "baut sich hier seine Trainingsstätte selber, er kriegt damit vermittelt, was alles dahinter steckt, um erfolgreich zu sein."

Die Winteranlage ist schon recht putzig, und die Sommer-Schießanlage oben bei den Gebirgsjägern kann es erst recht nicht mit der gewaltigen Felskulisse aufnehmen. Ein Umkleidecontainer (Kröll: "Standardmaß: sechs mal zwei Meter fünfzig"), keine Toiletten und acht Scheiben sind zu sehen, sechs davon elektronisch, aber ohne Stromversorgung. Kröll schließt daher vor Trainingsbeginn zwei Autobatterien an.

Nach dem Schießen kann der Schütze nicht wie üblich geradeaus weiterskaten, sondern muss scharf kehrt machen, sonst landet er im Graben. Kurvt er dann auf der Rollerbahn durch die Buckelwiesen, muss er aufpassen, denn leichtere oder schwerere Armeefahrzeuge können entgegenkommen. "Aber wenn er dann mitten im Tempo bremsen muss?" - "Dann bremst er halt", sagt Kröll. - "Dann kommt er doch aus dem Rhythmus?" - "Schon, aber es nutzt ja nix!" - Kröll klingt nicht wie jemand, der sich für die bizarrste Trainingsstätte Deutschlands entschuldigen würde.

Die Buckelwiesen erklären aber letztlich auch nicht das Geheimnis Wallgau, denn die schnelle Biathletin wird nach ihrem Rücktritt schon bald nicht mehr da oben trainieren. Nach ihrem Rücktritt wird sie unten in einem recht durchschnittlichen Dorf mit 1440 Einwohnern leben, das sich in den vergangenen Jahren im Vergleich zu anderen Gemeinden kaum entwickelt hat.

In Wallgau gibt es kein Gewerbegebiet, keine Großprojekte, keine Wellness-Hotels, fast nur Fremdenzimmer-Tourismus. Die Lüftlmalerei an den Gasthöfen hat schon graue Patina, das Ortszentrum muss geordnet und erneuert werden. Die Heimat, die die Rückkehrerin meint, muss irgendwie innen liegen. "Heimat", hat sie mal gesagt, "ist nicht nur ortsbezogen, das hat mit den Menschen zu tun."

Sie hat dann die vielen Möglichkeiten des Brauchtums aufgezählt, ihre Liebe zu Vereinen erwähnt, zur Gemeinschaft, die sonntags immer noch in großer Zahl in die Kirche geht, die Traditionen halt. Verstehen kann das ein Außenstehender immer noch nicht richtig. Klar, Maitanz, Fronleichnamsprozession, Almabtrieb mit Pfarrer und geschmückten Kühen, Weihnachten auf dem Bauernhof - das schaut alles gut aus, aber für die meisten Menschen, die keine Dorfgemeinschaft kennen, bleiben die Bilder abstrakt, als würde man sie durch ein geschlossenes Autofenster betrachten.

Magdalena Neuner

Glamourgirl, Vorbild, Freigeist