Felix Magath ist ab und an Besucher im Sportpark und sieht sich Partien der SpVgg Unterhaching in der dritten Fußball-Liga an, vor allem dann, wenn Alexander Leuthard mitspielt. Bei dem 18-jährigen Linksaußen handelt es sich nämlich um den Neffen von Werner Leuthard. Der wiederum arbeitete viele Jahre als Magaths Konditionstrainer, im Meisterjahr des VfL Wolfsburg 2009 ebenso wie 2022, als die beiden Hertha BSC über die Relegation zum Bundesliga-Verbleib quälten. Man kennt sich eben in Fußball-Bayern, und als dem SpVgg-Präsidenten Manfred Schwabl klar wurde, dass er möglicherweise schon wieder einen neuen Trainer braucht, da lag die Idee im Wortsinn recht nah, den wohl bekanntesten verfügbaren Trainer zu fragen, wenn er schon regelmäßig zu Gast ist.
Nach SZ-Informationen wurde über mehrere Tage verhandelt, Schwabl soll zwischenzeitlich auch recht optimistisch gewesen sein, den 71-Jährigen verpflichten zu können. Jetzt aber hat Magath dann doch abgesagt, wie zuerst die Bild-Zeitung berichtete; dem Vernehmen nach auch deshalb, weil die Wahrscheinlichkeit, den Drittliga-Letzten Unterhaching retten zu können wie seinerzeit die Hertha, ungleich niedriger ist. Hachings finanzielle Nöte bieten auch keine Perspektive für eine nachhaltige Kaderverbesserung. Es dürfte also sehr schwer werden, die Mannschaft vor dem erneuten Gang zurück in den Amateurfußball zu bewahren.
Als die Verhandlungen bekannt wurden, fragten sich viele Fans: Warum Magath? Denn das mag ja nicht zusammenpassen: dass ein Verein, dessen wichtigste Einnahmequelle der Verkauf der eigenen Talente ist, jetzt einen Trainer alter Schule holt; zumal sich die Hachinger ja auch aufs Wappen geschrieben haben, ebenso gerne junge Trainer ausbilden zu wollen. Der sogenannte „Hachinger Weg“ wäre demnach für einen Routinier wie Magath ein Trampelpfad, von dem er gar nicht weiß, wo er denn hinführt. Doch zum einen hat Schwabl ein Faible für erfahrene Ex-Profis, zuvor waren etwa Arie van Lent oder Christian Ziege schon Trainer in Unterhaching.
Außerdem wollte Schwabl auch keinen Alibi-Lizenztrainer verpflichten, um mit dem lizenzlosen Sven Bender weiterarbeiten zu können. „Das wäre ja eine Mogelpackung“, sagt Schwabl dazu. Am Montag war der 58-Jährige schwer zu erreichen, er führte nach eigenem Bekunden sehr viele Gespräche, offenkundig war er nach Magaths Absage gleich wieder auf der Suche. Schwabl teilte mit, er sei „in verschiedene Richtungen in Gesprächen“.
Die Weihnachtszeit gilt auch in der Fußballbranche als heilig. Vieles spricht allerdings dafür, dass Schwabl schon vor oder um Weihnachten an Magath herangetreten war, nachdem er vom Deutschen Fußball-Bund erfahren hatte, dass man den Verein hart sanktionieren werde, wenn Bender Cheftrainer bleiben sollte. Der 71-jährige Magath ließ sich mit der Absage einige Tage Zeit, und das bringt Schwabl in die Bredouille, weil bereits Ende der Woche das Training wieder beginnt. Am Sonntag hatte Schwabl gesagt, dass bis dahin auch ein Trainer gefunden sein werde. Am 18. Januar starten die Vorstädter mit einem Heimspiel gegen den Tabellen-Elften Borussia Dortmund II in die Rückrunde, Anfang Februar reist der Vorletzte VfL Osnabrück an – wenn die Mannschaft noch eine Chance auf den Ligaverbleib haben möchte, sind Siege in diesen Partien unerlässlich.
