Eklat bei 1860 München "Ich hoffe, dass er zurücktritt"

"Zum zweiten Punkt: Was eine offensivere Strategie angeht, haben wir Ismaik gebeten, auch dazu Sicherheiten zu geben. Das hat er abgelehnt", setzte Schneider fort. Und dann Punkt drei: Ismaik habe "personelle Entscheidungskompetenzen gefordert, die weit über das von der DFL erlaubte Maß hinausgehen". Als einer fragte, welche, murmelte Maget im Hintergrund: "Alle." Und Schneider ergänzte: "Da wäre es um die höchste Ebene gegangen." Man habe Ismaik nahegelegt, sich einmal bei der DFL nach den Regeln zu erkundigen, ergänzte der Vizepräsident - was der Investor ja nun auch tun will.

Dass der Abend die Eskalation bringen würde, hatte sich schon am Vormittag am Flughafen angedeutet. "Persönlich gibt es kein Problem mit Dieter Schneider", flötete Ismaik nach seiner Ankunft noch kurz vergnügt, "aber was das Business angeht, möchte er in etwas involviert sein, das er nicht liefern kann." Das sei "das Problem", sagte er, um dann zu verkünden: "Ich hoffe, dass er zurücktritt. Wir werden sehen."

Das Geld, sein Druckmittel

Deutlicher als je zuvor erhob Ismaik, der in Besitz von 49 Prozent der stimmberechtigten Anteile des Klubs ist, den Anspruch, den basisdemokratisch gewählten Präsidenten des Mehrheitsgesellschafters 1860 e. V. aus dem Amt zu drängen. Oder zu erpressen. Wie man es auch sehen mag. Mit seinem Geld, dem Druckmittel, das er zur Verfügung hat.

Aber Ismaik war ja längst noch nicht fertig, er sprach weiter. Sein Oberkörper bebte. Ob es eine gute Idee sei, weiter in 1860 zu investieren? "Mit dem selben Aufsichtsrat? Nein." Was er eigentlich ändern möchte? "Alles in Ordnung bringen." Was er für ein Problem mit Dieter Schneider habe? "Wenn ich ihn frage, warum er etwas gesagt hat, dann sagt er: ,Habe ich nicht.' Und wenn ich dann frage, wer hat das gesagt, dann sagt er nichts. Und wenn ich dann frage: Warum hast du das gemacht, dann sagt er: ,Das war ich nicht.' Er ist nicht ehrlich zu mir."

Es war nicht leicht, seiner Gedankenwelt zu folgen, daher fiel die Frage: Gibt es konkrete Belege, was er meine? Ja, sagte er: "Beim letzten Spiel hat er (Dieter Schneider; d. Red.) Robert Schäfer in eine Ecke gedrückt und ihm gesagt: ,Hasan Ismaik will dich raus haben.' Und dann hat er die Geschichte den Medien erzählt. Ich habe einen Zeugen." Am Abend zeigte sich endgültig, dass der Investor aus Abu Dhabi mit dieser Geschichte inhaltlich weit weg, sehr weit weg war von dem eigentlichen Knackpunkt, um den es in dem Streit zwischen ihm und 1860 München geht.