Maccabi-Spiele in Berlin:Enkel von verbannten Sportlern der Hitler-Spiele treten an

Nicht nur für die jüdische Gemeinde in Deutschland war die Entscheidung, diese Spiele nach Berlin zu geben, von großer Bedeutung. Osterer erzählt von der großen Ungeduld und Vorfreude vieler amerikanischer Sportler. Sie nehmen, wie die Australier, an den Spielen als Gäste teil. Als Athleten sind auch viele Enkel von jenen Sportlern dabei, die sich in den USA für die Spiele von 1936 qualifiziert hatten, aber nicht mitfahren durften. Die Amerikaner, erinnert Osterer, hatten damals ihre jüdischen Sportler nicht mit nach Berlin genommen - eine Konzession an die Nazis, die auf Avery Brundage zurückging, den damaligen Präsidenten des Olympischen Komitees der USA und späteren Chef des IOC.

Als die Spiele nach Berlin vergeben wurden, dachte man bei Makkabi auch an die Überlebenden des Holocausts, die noch am Leben sind und für die dieses Ereignis etwas besonderes sein würde. "Es ist sicherlich ein Zeichen, dass diese Spiele an diesem Ort sein werden", sagt Osterer. Der Präsident von Makkabi Deutschland, Alon Meyer, sprach nach der Vergabe von einem "starken Symbol, am früheren Ort des Schreckens das größte jüdische Sportereignis seit dem Krieg durchzuführen".

Die Spiele in diesem Sommer werden von der Bundesregierung finanziell unterstützt, auch das Land Berlin will sich beteiligen. Eine befremdliche Enttäuschung jedoch erlebten Osterer und sein Team bei der Suche nach Sponsoren. Sie haben ein umfangreiches Sponsoren-Konzept entwickelt für ihre Großveranstaltung. Die Firmen konnten sich aussuchen, ob sie Platin-, Gold-, Silber- oder Bronze-Sponsoren sein wollten. Viele Angebote stehen in der langen Broschüre. Große Unternehmen, deutsche Banken, Sportartikelhersteller, Fluglinien wurden angefragt. Es half nichts. Nur wenige Unternehmen wollten sich überhaupt als Sponsoren beteiligen - darunter nicht ein einziges Dax-Unternehmen.

Der Gesamtetat muss nach unten korrigiert werden

Osterer musste seinen Etat von sieben Millionen Euro auf etwa fünf herunterfahren. Ein Großteil kommt von den Teilnehmern, die ihre Anreise und einen Beitrag von rund 900 Euro pro Person zahlen. Osterer musste unter anderem beim Bildungsprogramm für die jugendlichen Teilnehmer der Makkabi-Spiele sparen. Die Eröffnungsfeier wird allein durch private Spenden finanziert, die bei einem "Fundraising"-Dinner der Jüdischen Gemeinde gesammelt wurden.

Es ist ein ziemlich bunter Strauß an Sportarten, den die Berliner bei diesen Spielen erleben können. Bridge gehört dazu, eine Domäne ungarischer Sportler. Auch Futsal, die kleinere und etwas virtuosere Form Fußball zu spielen, und Bowling. Einige attraktive Freundschaftsspiele gegen Profimannschaften sind auch geplant. Eine Auswahl der Makkabi-Fußballer trifft auf die "DFB All Stars", eine Auswahl ehemaliger Nationalspieler. Die Basketballer treten gegen Alba Berlin an.

Alle Spiele sollen offen für alle Zuschauer sein. Das ist ein wichtiges Teil des Konzepts. "Jeder kann sie besuchen", sagt Osterer, der von einem Team erfahrener Sicherheitsleute unterstützt wird. "Es ist falsch zu sagen, dass wir Angst haben", sagt er. "Aber wir machen uns die richtigen Gedanken." Er lobt die Offenheit der Berliner Polizei. Zuletzt in Wien habe die Polizei festgelegt, was alles nicht möglich sei - hier habe der Veranstalter erst sein Konzept präsentiert, dann sei geprüft worden, was man sicher umsetzen könne. So wird der Halbmarathon im Olympia-Park ausgerichtet. Osterer sagt: "Ich hätte keinen Spaß daran, wenn ich wüsste, die Veranstaltung findet hinter Mauern statt." Wie sollte das auch passen zu dem Enthusiasmus, mit dem sein Team in Kreuzberg auf diese Spiele hinarbeitet.

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