Tennisspielerin Eva LysGegen alle Widerstände

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„Es wird nicht von heute auf morgen gehen“:  Eva Lys meldet sich in Stuttgart nach einem Sehnenriss zurück.
„Es wird nicht von heute auf morgen gehen“:  Eva Lys meldet sich in Stuttgart nach einem Sehnenriss zurück.
Marijan Murat/dpa
  • Eva Lys kehrt nach dreimonatiger Pause wegen eines Sehnenrisses im Knie beim Tennis-Grand-Prix in Stuttgart zurück und gewinnt gegen die ehemalige Nummer zwei der Welt Paula Badosa.
  • Die 24-jährige Hamburgerin leidet an der rheumatischen Autoimmunerkrankung Spondyloarthritis, die ihre Karriere täglich beeinflusst und längere Heilungsprozesse zur Folge hat.
  • Das deutsche Frauentennis ist nach dem Abstieg in die Regionalgruppe II beim Billie-Jean-King-Cup nur noch drittklassig, nachdem das junge Team drei Niederlagen kassierte.
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Im ersten Spiel des Jahres verletzt sich Eva Lys am Knie. Drei Monate später besteht sie den ersten Belastungstest beim hochklassigen Tennis-Grand-Prix in Stuttgart. Ihre Gesundheit, sagt sie, hat immer Priorität.

Von Barbara Klimke, Stuttgart

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Tennisspielerinnen kennen eine Reihe guter Gründe, ihren persönlichen Auftakt zur Sandplatzsaison nach Stuttgart zu verlegen. Im Südwesten Deutschlands lässt sich auch an kühlen Apriltagen die Rutschfestigkeit des roten Ziegelmehlbelags ohne Daunenweste unter dem Hallendach ausprobieren. Nicht unwichtig ist auch der Hauptpreis, der am Kopfende der Centre Courts geparkt ist: in diesem Jahr ein Cabriolet in Zitronenfaltergelb. Weltklassespielerinnen wie Iga Swiatek oder Elena Rybakina haben ein ähnliches Exemplar bereits in ihrer Garage stehen. Auch Eva Lys, 24, aus Hamburg wirkte nach ihrer Auftaktpartie kurzfristig so beglückt, als hätte sie zumindest schon den gelben Außenspiegel ergattert. Dabei hatte sie gerade erst ihr zweites Tennismatch der Saison gewonnen. Im sechsten Spiel seit Jahresbeginn.

„Es ist nicht einfach gewesen“, sagte sie danach lakonisch. Diese Feststellung fasste sowohl das zähe Vierteljahr, das hinter ihr liegt, als auch die Begegnung mit Paula Badosa aus Spanien am Dienstagabend zusammen. Denn das letzte Match im Vollbesitz ihrer Kräfte hatte Eva Lys im Dezember zuvor bestritten. Dann zog sie sich im ersten Match des Jahres beim United Cup eine Beinverletzung zu. Sie quälte sich „mit dickem Knie“, wie sie sagte, durch eine Erstrundenniederlage bei den Australian Open; laut anfänglicher Diagnose war das Gelenk überstreckt. Erst drei Wochen später machten weitere Untersuchungen in Hamburg klar, dass die Sehne im Knie keineswegs nur gedehnt, sondern durchgerissen war. Vier bis sechs Wochen Ruhe wurden Lys verordnet. „Und es ist kein Geheimnis“, sagte sie in Stuttgart, „dass bei mir alle Prozesse etwas länger dauern.“

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Eva Lys leidet an einer rheumatischen Autoimmunerkrankung, Spondyloarthritis. Es ist eine Erkrankung, die sie täglich beeinflusst, wie sie unlängst in einem Gespräch mit der SZ erklärte. Sie muss auf Ernährung, Ruhe und Erholung achten, es gibt Phasen, in denen sie beschwerdefrei ist, und andere, in denen sich möglicherweise eine Turnierabsage nicht vermeiden lässt. Als Profisportlerin hat Lys gelernt, mit dem Unabdingbaren zu leben. Aber akute Verletzungen sind ein Faktor zusätzlicher Unwägbarkeit.

Die Ärzte bereiteten sie darauf vor, dass die Heilung Zeit erfordern würde. Deshalb hat sie, als sie sich schmerzfrei fühlte, zunächst Belastungstests unter Wettbewerbsbedingungen unternommen. Für ihre „Generalproben“ flog sie im März nach Miami, dann nach Charleston, wo sie zwar jedes Mal gleich verlor. Danach aber hätten ihr Ärzte in Hamburg Entwarnung gegeben. „Jetzt geht es darum, wieder die Form zu finden. Es wird nicht von heute auf morgen gehen“, sagte Lys, auf Platz 78 der Weltrangliste notiert, beim Porsche Tennis Grand Prix.

In ihrer ersten Stuttgarter Partie gegen Paula Badosa übertraf sie ihre eigenen Erwartungen  – denn gegen die ehemalige Nummer zwei der Welt, die, ihrerseits lange gesundheitlich angeschlagen, nur per Wildcard zum Turnier zugelassen wurde, lag Eva Lys zunächst 2:6 und 1:4 zurück. Dann wurde das Publikum auf den Rängen Zeuge, wie sich eine Profitennisspielerin nach langer Pause die Anspannung aus den Gelenken schüttelte, Tempo und Risiko steigerte, Schlag für Schlag an Selbstbewusstsein zulegte und schließlich noch 2:6, 7:6, 6:4 gewann. Dass Badosa beim Aufschlag 15 Doppelfehler fabrizierte, spielte Lys zusätzlich in die Karten.

So beweglich auf den Beinen wie vor der Knieverletzung aber sei sie noch lange nicht, warnte Lys vor dem nächsten Match, der Zweitrundenpartie gegen die Ukrainerin Elena Switolina. 24 Stunden später stand sie wieder auf dem Platz, und das druckvolle Spiel Switolinas, der Halbfinalistin von Melbourne, machte Lys' fehlende Spielpraxis nun bei der  1:6, 0:6-Niederlage deutlich. Eva Lys fühlt sich trotzdem auf dem richtigen Weg.

„Wir hätten es schaffen können“, sagt Ella Seidel selbstkritisch nach dem Abstieg des Tennis-Nationalteams

Mit Lys im Team, auch dieser Eindruck drängte sich in Stuttgart auf, hätte sich der klägliche Auftritt der deutschen Tennis-Nationalmannschaft vorige Woche beim Billie-Jean-King-Cup samt Abstieg in Regionalgruppe II wohl vermeiden lassen. Nach drei Niederlagen eines jungen, unerfahrenen Ensembles (gegen Portugal, Schweden und Litauen) ist das deutsche Frauentennis nun – offiziell – nur noch drittklassig. Lys hatte mit Bundestrainer Torben Beltz in Kontakt gestanden, ihre Teilnahme an den Relegationsspielen in Portugal aber mit Rücksicht auf ihre Knie abgesagt. „Es tat mir leid, dass ich nicht dabei war“, sagte sie. Aber ihr fehlte die Spielpraxis, und sie habe vermeiden wollen, dass sich der Heilungsprozess weitere Wochen oder Monate verzögere: „Das konnte ich nicht riskieren.“

Ohnehin hat sich das Gesamtbild aus Oeiras in Stuttgart nicht verstärkt: Die 21-jährige Ella Seidel, Nummer 87 der WTA-Rangliste, die in Portugal gegen Gegnerinnen jenseits Weltranglistenposition 200 nicht hatte gewinnen können, hat in Stuttgart der erfahrenen Belgierin Elise Mertens ordentlich Gegenwehr geboten, ehe sie ihre Partie 3:6, 4:6 verlor. Womöglich war sie beim Auftritt im Nationaltrikot von der Wucht des Moments ausgehebelt worden: „Vielleicht hätte ein bisschen Erfahrung geholfen“, gab sie in der Porsche-Arena zu, um selbstkritisch zu ergänzen: „Trotzdem hätten wir das auch so als Team schaffen können.“

Ihre 38-jährige Kollegin Laura Siegemund sieht eher ein strategisches Versäumnis: Es wäre förderlich gewesen, die Talente früher ins Team einzubinden, sagte sie – auch um die Nervosität abzulegen: „In der Vergangenheit ist das zu wenig passiert.“ Auch die letztjährige Wimbledon-Viertelfinalistin hatte der DTB-Auswahl ausnahmsweise gefehlt; in Stuttgart verlor sie am Mittwoch in der zweiten Runde 2:6, 3:6 gegen Iga Swiatek. Dafür, dass die Besten immer zur Verfügung stehen, gibt es keine Garantie. Auch bei Eva Lys nicht. „Mein Knie und meine Gesundheit werden immer die oberste Priorität sein“, hat sie in Stuttgart gesagt.

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