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Rassismus in der Serie A:Beispielloser Sermon aus der Kurve

Romelu Lukaku wurde in Cagliari beschimpft.

(Foto: AP)

Der Umgang der Inter-"Ultras" mit den Anfeindungen gegen Romelu Lukaku zeigt, dass immer noch weiße Anführer unter den Fans bestimmen wollen, was Rassismus ist.

Romelu Lukaku, 26, ist in der Fußballwelt schon ganz schön herumgekommen. Erst in seiner Heimat Belgien, dann bei Chelsea, Everton und Manchester United. Neuerdings spielt Lukaku für Inter Mailand, einen Klub, der einst unter faschistischer Diktatur seinen Namen in "Ambrosiana" ändern musste, weil Mussolini für die Internationale nicht viel übrig hatte. Kaum in Mailand angekommen, trifft Lukaku auch schon, zuletzt per Elfmeter in Cagliari.

Prompt schallten ihm aus der Kurve der Cagliaritaner Affenlaute entgegen, ein immer noch sehr weit verbreitetes Gegröle zur Herabwürdigung schwarzer Gegenspieler. Der Verband straft es zu Recht als rassistische Aktion - und Lukaku wehrte sich entschieden dagegen. "Viele Spieler mussten in letzter Zeit rassistische Übergriffe hinnehmen" schrieb er auf Instagram. "Auch mir ist das gestern passiert." Und dann beklagte er sich darüber, dass Rassismus im Fußball immer noch viel zu wenig bekämpft werde: "Wir befinden uns im Jahre 2019, aber anstatt Fortschritte zu machen, gehen wir rückwärts."

Rassismus?! So ein Quatsch! "Nur das übliche Medientheater." Am Mittwoch antworteten die "Ultras" der Inter-Nordkurve auf Lukakus Beschwerde. Ein beispielloser Sermon, der die ganze Ignoranz ihrer so genannten "Ultras-Welt" (Selbstbeschreibung) offenbart. Da steht zum Beispiel: "Du musst verstehen, dass Italien nicht wie viele andere europäische Länder ist, wo der Rassismus ein ECHTES Problem darstellt." Ganz so, als sei die drastische Zunahme rassistischer Gewalttaten in Italien ein Märchen - und als habe es etwa den Anschlag eines Rechtsextremen im Februar 2018 in Macerata nicht gegeben. Damals hatte ein Neofaschist wahllos in eine Gruppe junger Afrikaner geschossen und sechs Menschen schwer verletzt. Die Lega, bis vor kurzem Regierungspartei, hetzt seit Monaten massiv gegen Migranten und Roma.

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Die sogenannten Inter-"Ultras" aber erklären Lukaku: "Wenn du erklärst, dass du in Italien Rassismus bekämpfen willst, befeuerst du nur die Repression der Tifosi, inklusive deiner eigenen. Du trägst dazu bei, ein Problem zu schaffen, das es hier noch nicht gibt." Das Affengeheul diene nur der "Ablenkung" des Gegenspielers und werde deshalb auch in der Inter-Kurve eingesetzt. Die Botschaft ist klar. Die "Ultras" sind höchst verärgert darüber, dass ein Spieler es wagt, ihr Verhalten zu bewerten. Deshalb werden Lukaku jetzt die Regeln diktiert, der Ton ist freundlich, die Drohung trotzdem kaum verhüllt. Was Rassismus ist, das bestimmen immer noch die weißen Anführer der Kurven. Affengeheul falle jedenfalls nicht darunter. "Rassismus ist etwas ganz anderes, das wissen alle italienischen Tifosi." Dem Opfer zu erklären, warum es sich falsch verhält, ist eine Lieblingsübung ultrarechter Gruppen. Spielern, die sich ihnen entgegenstellen, wird das Leben schwer gemacht.

Beim ersten Heimspiel hatten die so genannten "Ultras" der Nordkurve einem ihrer alten Verbündeten die letzte Ehre erwiesen. Fabrizio Piscitelli, Spitzname "Diabolik", ein einschlägig vorbestrafter, rechtsextremer Lazio-Rom-Kurvenführer mit Mafia-Kontakten, war am 7. August ermordet worden. "Fabrizo mit uns", stand auf einem riesigen Spruchband, begleitet von einer überdimensionalen "Diabolik"-Maske. Rechte Lazio-und Inter-Fangruppen sind eng verbandelt - Faschisten, die sich als Herren der Fußballwelt aufführen. Auch die Spieler sollen nach ihrer Pfeife tanzen.

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