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Zum Tod von Kletterin Luce Douady:Sie liebte den Weg nach oben

Luce Douady of France during the IFSC Climbing Youth World Championships Arco 2019 Boulder Finals Youth A Women at Icon; Luce Douady

Luce Douady: Stürzte beim Klettern in die Tiefe

(Foto: imago images/AFLOSPORT)

Frankreich trauert um die Sportkletterin Luce Douady, die tödlich abstürzte. Die 16-Jährige galt als Olympia-Hoffnung für 2024 in Paris.

Manchmal hatte ihr Vater Kekse zur Belohnung dabei, platziert auf dem höchsten Plateau ihrer Kletterrouten. So erzählte es Luce Douady noch vor kurzem einer Lokalzeitung, doch um Kekse ging es ihr schon bald nicht mehr: Die Französin verliebte sich bereits als Kind in den Weg nach oben. Und wer ihr dabei zusah, der war schon bald fasziniert. "Luce hat beim Klettern so viel Energie und Kraft eingesetzt, dass sie Emotionen freigesetzt hat", sagte ihr Trainer Fabien Viguier der Zeitung Le Parisien, "sogar Leute, die mit Klettern nicht vertraut waren, waren berührt, nachdem sie Luce gesehen hatten." Was auch erklärt, warum die Kletterszene und der französische Sport gerade so bestürzt sind.

Am Donnerstag wurde Luce Douady bei Grenoble beerdigt, nachdem sie am vergangenen Sonntag im naheliegenden Gebirge in den Tod gestürzt war. Die große Hoffnung im französischen Klettern wurde nur 16 Jahre alt. Und die Fragen nach dem Warum sind groß, die Umstände ihres Todes werden noch untersucht. Was man weiß: Douady war mit Freunden im Klettergebiet Saint-Pancrasse unterwegs, beim Zustieg in die eigentliche Route stürzte sie an einer exponierten Stelle etwa 150 Meter in die Tiefe. Es war ein kleiner Pfad zwischen zwei Kletterfelsen, der mit einem Handlauf gesichert war, wie der französische Bergsteiger- und Kletterverband FFME mitteilte. Das Klettern, ihre Leidenschaft, hatte da noch gar nicht richtig begonnen.

Noch vor ein paar Wochen sah es so aus, als würde Douady unaufhaltsam weiter ihren Weg gehen: Mitte Mai schaffte sie zum ersten Mal eine Route mit der Schwierigkeit 8b+, nur Spitzensportler können auf diesem Niveau klettern. "Sie hatte eine außergewöhnliche Flexibilität, bemerkenswerte Muskelkraft und einen großen Verstand", sagte Lucas Meignan, Präsident ihres Kletterklubs Chambéry Escalade, der Zeitung Le Parisien. Sie war so jung schon so vielseitig, sei verliebt gewesen in alle Facetten ihres Sports, schrieb der FFME in einem Nachruf und widmete ihr in den sozialen Netzwerken ein Abschiedsvideo, das allein auf Instagram bislang beinahe 36 000 Mal angeschaut wurde. Und man kann ahnen, was ihre Trainer meinen, wenn sie von "Fließfähigkeit" reden, die sie ausgemacht habe: Wie sie sich von einem Vorsprung zum anderen bewegt, als würde sich ein Rinnsal mit großer Selbstverständlichkeit entgegen aller Naturgesetze quer am Felsen seinen Weg suchen.

Nicht nur ihr Talent machte sie beliebt

Schon im vergangenen Jahr machte Douady deutlich, dass die Arrivierten ihres Sports allmählich mit ihr rechnen können. Im Bouldern, wo an der Wand ohne Seil in Absprunghöhe von maximal drei Metern geklettert wird, wurde sie Junioren-Weltmeisterin, doch auch bei den Großen sammelte Douady gleich Erfolge: Bei ihrem ersten Weltcup im Juni schaffte sie Platz fünf im Bouldern. "Einfach unglaublich, magisch, unvergesslich, dieser Wettbewerb bleibt in meinen Erinnerungen", schrieb sie damals auf Instagram, "ich bin so froh, dass ich mit meinem Herzen geklettert und ich selbst geblieben bin." Bei der EM in Edinburgh gewann sie Bronze im Lead-Klettern, es ist die klassische Form mit Sicherung und vorgegebener Route.

2021 in Tokio ist Klettern erstmals im olympischen Programm verankert, für die französische Mannschaft wäre Douady vermutlich für die Spiele 2024 in Frage gekommen. Eine reizvolle Vorstellung war das, schließlich wird dann in Paris die olympische Flamme lodern, in der Heimat gewissermaßen. In der Ferne leuchteten schon die Medaillen.

"Wir waren so glücklich zu sehen, wie sie in ihrer Disziplin, ihren Wettbewerben, ihren Erfolgen aufblühte", erzählten Douadys Eltern unter der Woche nach ihrem Tod Le Parisien: "Gleichzeitig blieb sie bescheiden." Nicht nur die Art, wie sie ihren Sport lebte, machte sie in der Szene beliebt, nicht nur ihr Talent, sondern auch ihr Wesen. Immer mit einem Lächeln durchs Leben gehend, als Sonnenschein beschreiben sie die Teammitglieder und Konkurrenten. "Luce, dieses Mädchen, diese junge Frau, voller Energie, Leidenschaften und Talenten", postete ihr Verein einen Abschiedsgruß auf Facebook, "sie war eine wundervolle Person. Sie ist gegangen, wie sie gelebt hat, mit ganzem Herzen."

© SZ vom 19.06.2020/ska
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