70. Geburtstag von Werner Lorant "Es gibt einen Schatten, und der heißt Werner Lorant"

Als Barmbichler 2011 einen "Löwenstadl" in seinem Kurhaus eröffnete, da wünschte er sich Lorant als Ehrengast, es gab Bier und Glühwein. Lorant kam im Nadelstreifenanzug und lernte seine Lebensgefährtin kennen, mit der er nach Spanien zog, bevor er die 180-Quadratmeter-Wohnung bezog, die Barmbichler gerade frei hatte.

Lorant führt durch den "Löwenstadl". An der Wand hängen Bilder von früher. "Wo bin ich? Aha. Da hinten. Alles da. Da, Meister 1966. Der Winkler. Der Pacult. Alles ist da. Kenn ich alles. Da bin ich mit dem Wildmoser. Das ist wunderbar. Was willst du mehr? Über was sollte ich mich beschweren? So ist das. Passt doch."

Lorant war an den Rändern des Fußballs und im Mittelpunkt. Seinen Ruf als beinharter Verteidiger hat er sich in Dortmund, Essen und Frankfurt erarbeitet. Einem Spieler vom Wuppertaler SV soll er mit einem einzigen Tritt gegen das Knie zum Sportinvaliden gemacht haben. Als noch härterer Trainer wurde er bei 1860 berühmt, die Löwen führte er aus der Drittklassigkeit in die Bundesliga und 1997 in den Uefa-Cup, bis er 2001, nach fast zehn Jahren, von Präsident Karl-Heinz Wildmoser nach einem 1:5 gegen Bayern München entlassen wurde. "Über 1860, da brauchen wir uns nicht unterhalten", sagt Lorant, bevor er ausführlich über 1860 spricht. Die Zusammenfassung: "Mein Herz blutet nicht mehr."

Lorant tingelte durch die Türkei, Südkorea, Zypern und Iran ("Ein tolles Land, der Liter Benzin kostet nur fünf Cent"). Zuletzt hat er den TSV Waging, Bezirksliga, und den österreichischen Klub Union Hallein vor dem Abstieg gerettet.

Aber zur Geschichte des glücklichen Werner Lorant mit 70 gehört noch ein Kapitel. Dieter Eckstein kommt ins Lokal, im Trainingsanzug des Fußballgolf-Platzes, zu dessen Geschäftsführer Barmbichler ihn gemacht hat.

"Hey Großer", sagt Lorant. "Hey Chef", sagt Eckstein. Eckstein, 54, stürmte für Nürnberg, Frankfurt und Schalke, war Nationalspieler. Doch das Schicksal hat es nicht immer gut mit ihm gemeint: Während eines Benefizspiels brach Eckstein 2011 zusammen - Herzinfarkt. Seine Krankenakte reicht für zwei Leben: Herzstillstand und 14 Minuten klinisch tot, Hodenkrebs, Tumor an der Leber. Nach windigen Immobiliengeschäften kam die Insolvenz, die Scheidung. All die Schicksalsschläge hat er in einem Buch verarbeitet. Er hat es "Immer nach vorne" genannt. Heute ist er "voll verkabelt", er deutet auf die Brust, wo ein Herzschrittmacher sitzt.

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Nach Ecksteins Herzinfarkt übernimmt Lorant das Kindertraining

"Bei Gewitter muss er aufpassen", sagt Lorant. "Aber jetzt wird er 100 Jahre alt." Als Eckstein 2011 der Herzinfarkt ins Koma riss, da musste das Kindertraining auf dem Campingplatz irgendwie weitergehen - und Lorant übernahm.

"Es gibt einen Schatten, und der heißt Werner Lorant", schreibt Eckstein in seiner Biografie. Schon bei seiner ersten Trainerstation beim Würzburger Vorortverein SV Heidingsfeld musste er feststellen, dass er immer an Lorant gemessen wurde, der vor ihm dort trainiert hatte. Nach einem Trainer Lorant ist halt jeder erst mal klein, auch wenn er für Nürnberg, Frankfurt und Schalke getroffen hat.

Lange ging es nicht gut, der Verein wollte Eckstein loswerden. Er beschreibt in seinem Buch Szenen wie in einem Mafia-Film: Treffpunkt vor einer Tankstelle, Verhandlungen, Geldbündel. 45 000 Mark, damit Eckstein weiterzieht. Eckstein wurde trotzdem Co-Trainer von Lorant in Hallein, im Salzburger Land, wieder im Schatten. Wie die Zusammenarbeit lief? "Ein Co-Trainer macht warm, den Rest mach ich. Klar, oder?" Eckstein lacht mit, raucht.

Sie bildeten eine Fahrgemeinschaft nach Hallein, nachdem Lorant bei einer Polizeikontrolle am Grenzübergang mit 1,1 Promille erwischt wurde. "Blöd gelaufen", sagt Barmbichler. Später übernahm Eckstein als Cheftrainer, Lorant war nach der erfolgreichen Mission Klassenerhalt gegangen. Nur vier Monate später entließ der Klub Dieter Eckstein.

Heute trainiert Eckstein einen kleinen Verein um die Ecke, den SV Laufen, Kreisklasse 4. Immer nach vorne. Noch eine Zigarette. Zwei Männer rauchen hier zusammen am Campingplatz, die durch die ganze Fußballwelt gereist sind, alles erlebt haben. Wer hat in seiner Karriere mehr Spiele gemacht?

Lorant: "Wer wohl?"

Eckstein: "Du, Werner. Aber du hast keine Länderspiele."

Lorant: "Brauch ich auch nicht!"

Draußen paddeln Schwäne im See, eine Camperin fährt über den Gehweg durchs Herbstlaub. "Absteigen", brüllt Werner Lorant, die Dame fällt fast vom Rad und schiebt weiter. Werner Lorant hat Nationalspieler angemotzt, Millionäre in kurzen Hosen, er hat Schiedsrichter zusammengefaltet und Journalisten. Und jetzt müssen sich die Camper in Acht nehmen.

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