Joachim Löw bei der WM Was, wenn es schief geht?

  • Das Spiel der DFB-Elf gegen Schweden führt auch zur der Frage: Was wäre eigentlich, wenn die Deutschen ausscheiden?
  • Es wäre gut möglich, dass Bundestrainer Löw dann zurücktreten würde.
  • Darauf wäre der Verband wohl nicht vorbereitet - denn es gibt keinen natürlichen Nachfolger.
Von Philipp Selldorf, Sotschi

Der DFB-Präsident Reinhard Grindel hat während der Woche das Training der deutschen Mannschaft besucht und nicht nur fachkundige Beobachtungen gemacht ("Die Mannschaft ist fokussiert"), sondern auch hochinteressante Sätze gesprochen. Zum Beispiel diese: "Es ist die Aufgabe unserer sportlichen Leitung, die entsprechenden Schlüsse aus dem ersten Gruppenspiel zu ziehen. Wir vertrauen darauf, dass unser erfahrenes Trainerteam die richtigen Maßnahmen trifft und die Mannschaft die richtige Reaktion zeigen wird."

Noch interessanter war allerdings, welche Sätze Grindel im Gespräch mit den Reportern der Funke-Gruppe nicht gesagt hat. Zum Beispiel sagte er nicht eine Silbe dazu, was passieren wird, wenn es schiefgehen sollte. Wenn also die deutsche Mannschaft die Vorrunde nicht schaffen oder noch dramatischer: bereits am Samstagabend nach dem zweiten Spieltag aus dem Turnier geworfen werden sollte. Eine deutsche Niederlage gegen Schweden und ein Sieg Mexikos gegen Südkorea reichten dazu.

Im Fußball, in dem der Aberglaube und das Beschwören positiver Vibrationen eine wichtige Rolle spielen, sind Spekulationen über das Scheitern verboten. Dieses Gebot gilt jetzt selbstredend auch im deutschen Mannschaftsquartier. Weshalb auch niemand im Konjunktiv darüber fantasiert, was wohl aus dem Bundestrainer wird, wenn seine Weltmeister frühzeitig auf der Strecke bleiben sollten.

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Er selbst setzt jeden Tag am frühen Morgen ein Zeichen der Unbeschwertheit: Dann spaziert Joachim Löw, 58, durch den Garten des Teamhotels in Sotschi, lässt sich vom Wachmann das Tor zur Promenade öffnen und begrüßt die Kameraleute und Fotografen, die sich in wachsender Zahl an jedem neuen Tag dort postieren. So entstehen Bilder von einem sportlich aktiven, lächelnden und natürlich gut gelaunten Cheftrainer, die den Eindruck vermitteln, dieser Cheftrainer mache sich keine Sorgen um die Mission oder gar seinen Posten.

So steht es um Löws Vertrag nach der WM

Löws vertragliche Abmachung mit dem DFB gilt bis zum Ende der Weltmeisterschaft - und zwar jener ominösen Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Sollte Grindel also meinen, er müsse im Fall des Ausscheidens wie ein richtiger Fußballpräsident den Trainer feuern, dann könnte das für den Schatzmeister teuer werden, selbst wenn mutmaßlich die Höhe einer möglichen Abfindung festgelegt wurde. Andererseits ist es schwer vorstellbar, dass Löw den Verband zu Zahlungsverhandlungen nötigen würde.