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Löw und Scolari vor dem WM-Halbfinale:Gut gelaunt ins Monsterspiel

Joachim Löw und Luiz Felipe Scolari: Das Problem ist, dass einer am Dienstagabend in Belo Horizonte weinen wird

(Foto: Reuters/dpa)

Vor dem WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Brasilien muss ein höllischer Druck auf den Verantwortlichen liegen. Doch bei ihrem letzten öffentlichen Auftritt wirken Löw und Scolari überraschend locker. Nur einmal verfliegt die gute Laune.

Von Thomas Hummel, Belo Horizonte

Es war der Abend der fröhlichen Männer. Luiz Felipe Scolari und Joachim Löw mussten der Weltpresse eine Audienz geben im Bauch des Estádio Mineirão, wo einen Tag später dieses monströs aufgeblasene Fußballspiel angepfiffen wird. Es sind die beiden, die ihren Kopf als Erstes werden hinhalten müssen, wenn etwas schiefgeht. Und so viel ist sicher: Für einen wird es schiefgehen.

Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft, Brasilien gegen Deutschland. Selten sind zwei Delegationen aufeinandergetroffen, die sich so sehr dem Gewinnen verschrieben haben. Für Brasilien geht es bei der Heim-WM nur um Platz eins. Alles andere, so scheint es, wäre eine Demütigung. Diese Mannschaft muss einfach gewinnen - sonst rechnen viele mit einem erbarmungslosen Volk.

Und Deutschland? Hat sich nach einer Final- und zwei Halbfinal-Teilnahmen in den vergangenen drei Weltmeisterschaften total dem Titel verschrieben. Auch hier fordert ein gewisser Teil der Bevölkerung das Maximum. Doch vor allem die Spieler selbst wirken entschlossen wie nie.

Das Problem ist eben: Einer wird am Dienstagabend in Belo Horizonte weinen. Einer muss verlieren, so funktioniert das Geschäft. So funktioniert das Drama. Ein höllischer Druck muss da auf den Verantwortlichen liegen, auf dem 65-jährigen Scolari und dem 54-jährigen Löw. Oder? Bei ihrem letzten öffentlichen Auftritt wirkten beide überhaupt nicht angespannt. Eher locker, gelöst. Wenngleich fixiert, konzentriert.

Bei Joachim Löw ist das schon während des gesamten Turniers zu beobachten. Der Bundestrainer hat in Brasilien seine Mitte gefunden. Je näher ein Spiel rückt, desto sicherer wird er, desto optimistischer auch. Vor dem Viertelfinale gegen Frankreich hatte er das offen zur Schau gestellt, vor dem Halbfinale gegen den Gastgeber hielt er sich zurück. Dennoch wirkte es wieder so, als sei er sich seiner Sache sicher.

Bevor die Fragerei losging, nahm sich Löw das Mikrofon und richtete erst einmal ein paar Worte an Neymar. "Es tut mir und unserer Mannschaft schrecklich leid, dass er sich verletzt hat: Für die brasilianische Mannschaft, für ihn, für die Nation ist das eine schreckliche Situation. Ich wünsche ihm eine schnelle Genesung und hoffe, dass er bald zurückkommt." Danach blickte er voraus.

Wie immer in so einer Runde gehen die Trainer nicht in die Details, sie reden viel um die Sachverhalte herum, wollen nicht zu viel preisgeben. Aber sagen müssen sie etwas, und so geht die Zwischen-den Zeilen-Leserei los. So mancher Satz verrät auch eine Haltung. Löw erklärte etwa: "Wir wollen uns nicht nach dem Gegner richten. Wir wollen nicht irgendwelche Dinge machen, die wir sonst nicht machen." Das war eine Reminiszenz an das berühmte Halbfinale der EM gegen Italien. Löw hatte damals einiges geändert, um sich vermeintlich den Stärken des Gegners anzupassen. Die Niederlage wurde ihm deshalb ganz allein angelastet. Das soll ihm nicht noch einmal passieren.

Ob das nun heißt, dass Philipp Lahm rechts hinten bleibt oder ins Mittelfeld zurückkehrt, weiß indes niemand. Irgendwie hat ja beides funktioniert. Auch die Frage, ob Miroslav Klose wieder auf die Ersatzbank muss und neben Thomas Müller und Mesut Özil ein Jüngerer zum Einsatz kommt, ist damit nicht beantwortet.

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