Taktikanalyse zum DFB-Sieg Löws wichtige Korrektur

Joachim Löw (r.) mit Torschütze Toni Kroos.

(Foto: dpa)
  • Bundestrainer Joachim Löw wählt für das Spiel gegen Schweden einen besseren Matchplan als beim 0:1 gegen Mexiko.
  • Der Plan scheitert jedoch an zwei Patzern auf dem Feld - in der Halbzeit korrigiert Löw dann seine Auftstellung und hat am Ende auch Glück.
Von Martin Schneider, Sotschi

Joachim Löw, das ist nach diesem Schweden-Spiel klar, wird suchen und puzzeln müssen. Gegen Südkorea am kommenden Mittwoch wird wieder eine andere Startelf auflaufen, das ergibt sich schon aus dem banalen Fakt, dass Jérôme Boateng gesperrt sein wird. Im letzten Gruppenspiel - das hat man im ganzen Andrenalin-Bad nach dem Kroos-Freistoß fast vergessen - ist immer noch das Ausscheiden möglich, aber auch der Gruppensieg. Dass dem so ist, liegt natürlich am Freistoß von Toni Kroos - aber auch an Joachim Löws Plan, der gegen Schweden viel besser war als die Taktik gegen Mexiko. Ob seine Startaufstellung die richtige für den Plan war, ist eine andere Frage.

Es war jedenfalls das Ziel, so erzählten es viele Spieler später, flach in den schwedischen Strafraum zu spielen. Ein kluger Gedanke, die Schweden sind große Kopfballmonster, aber jemand wie Innenverteidiger Andreas Granqvist mit seinen 33 Jahren und 192 Zentimetern Länge, dem kann ein Timo Werner doch vielleicht durch die Beine laufen, dachte sich Löw. Er nahm Mesut Özil aus der Startelf und brachte dafür den gegen Mexiko starken Marco Reus.

Mit Thomas Müller und Julian Draxler sollten die Spieler vorne ständig die Positionen wechseln und scharf von außen in den Sechzehner spielen. Das sollte Gefahr erzeugen und gleichzeitig Ballverluste in der Zentrale wie gegen Mexiko unwahrscheinlicher machen - und das klappte bis zur zehnten Minute hervorragend, Deutschland hätte in Führung gehen müssen. Aber ein bisschen Pech und eine gewisse Lässigkeit vor allem in den Aktionen von Julian Draxler verhinderten das frühe 1:0.

Eine Unwucht im Aufbauspiel

In der Zentrale nahm Löw Sami Khedira runter und wählte - für viele überraschend - mit Sebastian Rudy die Variante mit der größten taktischen Disziplin. Das funktionierte bis zu Rudys Auswechslung außergewöhnlich gut, Rudy sicherte Kroos ab (der wie schon gegen Mexiko mit Marcus Berg eine Art Sonderbewacher hatte) und bot sich an, wenn das Risiko vertretbar war. Für den verletzten Mats Hummels stellte Löw Antonio Rüdiger auf und begründete das später damit, dass er auf der linken Abwehrposition einen Linksfuß haben wollte.

Rüdiger ist aber kein geborener Aufbauspieler - und so verhängte Löw eine klare Rollenverteilung. Boateng sollte den öffnenden Pass spielen, der schnelle Rüdiger nach hinten absichern. Diese Vorgabe sorgte aber wieder für eine Unwucht im Spiel, denn Boateng suchte immer den Pass auf Kimmich. Wie schon gegen Mexiko konnte der Gegner das Spiel leicht auf eine Seite lenken, und eine Mannschaft die nur auf einer Seite angreift, ist leichter zu verteidigen. Boateng kannte dieses Problem aber offenbar und versuchte mit langen Bällen schnell die Seiten zu wechseln, was dazu führte, dass er schon früh viele Ballkontakte sammelte und viele Meter machen musste.

In der Theorie war das kein schlechter Matchplan, den der Bundestrainer und sein Team sich da ausgedacht hatten. Aber er scheiterte dann an zwei krassen Fehlern. Ein Patzer von Rüdiger und einer von Kroos ermöglichten den Schweden zwei Super-Chancen, eine davon nutzten sie zur Führung. Und nach dem Gegentor und der verletzungsbedingten Einwechslung von Gündogan für Rudy zerfiel das erdachte System. Die 13 Minuten zwischen 0:1 und Halbzeit schleppte sich das deutsche Team über den Platz - aber im Gegensatz zum Mexiko-Spiel änderte Löw dieses Mal den Plan schnell und richtig.