1:2 gegen Frankreich Das Problem bleibt die Chancenverwertung

Statt Standfußball konnte man in Paris tatsächlich wieder eine Offensive erkennen, die dem Gegner spielerisch gefährlich wurde, auch weil die Franzosen Räume zuließen. "Das war schon in der Nacht zu Sonntag, dass der Jogi gemerkt hat: Es muss was passieren, weil eine gewisse Energie und Esprit fehlten in dem Holland-Spiel", berichtete Oliver Bierhoff, "dass man das nur mit neuen Spielern machen kann, die unverbraucht sind, war auch klar." Sané und Serge Gnabry brachten eine neue Schnelligkeit ins Spiel der Deutschen, kreierten Chancen durch Konter und nicht mehr nur durch Eckbälle und Flanken, die in den Strafraum segelten, wie es zuletzt gegen die Niederlande der Fall gewesen war.

Die Chancenverwertung blieb aber auch in Paris eine Problemstelle. "Da haben wir zu wenig Kapital geschlagen. Es ist vielleicht die Cleverness und die Reife die fehlt, um da eiskalt zuzuschlagen", sagte Löw. Doch die Cleverness und Reife seiner altgedienten Stürmer hat zuletzt ja auch nicht zum Erfolg geführt.

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In der Nations League sind die Deutschen trotz aller positiver Erscheinungen am Dienstagabend dem Abstieg nah, was auch mit der Historie der vergangenen Partien zu der Frage führen muss: Und nun, wird doch noch alles gut mit Löw? Oder hat er sich zu spät an die nötigen Veränderungen herangewagt?

Grindel hat "ein Stück Umbruch" gesehen

Zumindest vom Verbandspersonal wurden ihm in Paris erneut warme Worte mitgegeben. "Bei der Bewertung eines Trainers geht man ja nicht nur von den Ergebnissen aus, die in der Distanz kommen müssen", sagte Bierhoff, "vor allem muss man eine Entwicklung sehen, dass der Trainer die Mannschaft erreicht. Hier war das mit Sicherheit auch trotz des schlechten Ergebnisses ein gutes Ergebnis." Auch DFB-Präsident Reinhard Grindel meinte, "ein Stück Umbruch" gesehen zu haben, "das macht Mut für die Zukunft. Was diese junge Mannschaft heute gezeigt hat, darauf lässt sich aufbauen. Man kann mit Zuversicht auf die nächsten Wochen schauen." Der Mann, der ihm im Frühsommer Löw noch urplötzlich eine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2022 vorgelegt hatte, sieht die Dinge naturgemäß positiver.

In der Mannschaft mischte sich Enttäuschung über die erneute Niederlage mit dem Gefühl, diesmal doch mehr richtig als falsch gemacht zu haben. Auch Manuel Neuer äußerte sich noch zur Personalie Löw: "Ich denke, dass er heute eine gute Taktik angewandt hat, mit einem guten System und den richtigen Spielern." Wobei er auch sich selbst gemeint haben könnte, schließlich war er vor dieser Partie zuletzt eher durch Fehlbarkeit aufgefallen als durch hilfreiche Paraden, war an den zwei Gegentreffern der Franzosen nun aber unschuldig. "Grundsätzlich ist keiner auf den Gedanken gekommen, dass es keine Zukunft für unseren Bundestrainer gibt", sagte Neuer noch. Manche Worte lassen Niederlagen dann doch leichter verschmerzen.

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