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Aus von Hummels, Boateng, Müller:Löw kann das Unverständnis nicht verstehen

Außer beim FC Bayern gab es auch im DFB Unmut darüber, nicht ins Vertrauen gezogen worden zu sein. Selbst der Präsident Reinhard Grindel erfuhr erst durch einen Anruf Bierhoffs um 9.30 Uhr von der Top-Secret-Unternehmung. Löw wurde gefragt, warum er Grindel nicht vorher unterrichtet hatte über das Schicksal der WM-Helden. Die Antwort war eindeutig: "Meine sportlichen Entscheidungen treffe ich absolut autark. Da habe ich die absolute Entscheidungshoheit." Im betreffenden Fall habe er außer Sorg und Bierhoff lediglich den Torwarttrainer Andreas Köpke eingeweiht, Grindel rief er erst nach seiner Visite an der Säbener Straße an.

Für Unverständnis hatte, besonders natürlich bei den Betroffenen, die Endgültigkeit von Löws Entscheidung gesorgt. Er selbst wiederum kann das Unverständnis nicht verstehen. Der Prozess der Beschlussfassung habe schon nach der misslungenen WM eingesetzt, im Januar und Februar habe er sich dann noch ein paar Spiele anschauen wollen, um Klarheit zu gewinnen. Eine vorläufige Lösung habe er von vornherein ausgeschlossen, "es wäre ein Eiertanz gewesen, den Spielern, die so große Verdienste haben", zu sagen, er werde sie vielleicht bald wieder einladen: "Wir haben sie nicht verbannt, sie haben auch nichts verbrochen. Natürlich waren sie am Ende des Gespräches wahnsinnig enttäuscht." Dass sich die drei grundsätzlich weiter zur Verfügung halten, wird kaum zu ihrer Reaktivierung führen. Er wisse zwar nicht, wie es in einem Jahr aussehen werde - "das ist so hypothetisch!" -, aber Löw sieht auch keinen Grund, eine Rückkehr in Aussicht zu stellen.

So rücken nun andere in den Mittelpunkt der Mannschaft. Zum Kapitän Manuel Neuer, den Löw unzweideutig zum Stammtorwart erklärte ("er ist unsere Nummer eins"), und zum Mittelfeldchef Toni Kroos sollen sich jüngere Spieler gesellen und als Führungskräfte etablieren. Einer von ihnen ist Joshua Kimmich, der am vorigen Wochenende auch Kritik an der Entscheidung gegen die Münchner Mitspieler formulierte, den Fall nun aber mit Löw offenbar am Telefon geklärt hat.

Es sind aber nicht nur Hummels und Müller und Boateng aus dem angestammten Kreis ausgeschieden, auch ein jahrelang zuverlässiger Stammspieler, der Kölner Jonas Hector, gehört nicht mehr dem Aufgebot an, lediglich einem imaginären "erweiterten Kader" (Löw). Neu im Aufgebot sind dafür der Berliner Abwehrspieler Niklas Stark, 23, der Leipziger Außenverteidiger Lukas Klostermann, 22, sowie Maximilian Eggestein, 22, von Werder Bremen. Sie sollen helfen, das Spiel der Nationalelf wieder dynamischer und zielstrebiger zu gestalten. Attribute, die der Bundestrainer mit seinen geschätzten Weltmeistern von 2014 heute nicht mehr in Verbindung zu bringen vermag.

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