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Bundestrainer Joachim Löw:Einfach mal eine Ohrfeige

Bundestrainer Löw besitzt das Selbstvertrauen, um nicht alles in Frage zu stellen. Schafft er den Neuaufbau mit der DFB-Elf?

(Foto: Jens Meyer/AP)
  • Die deutsche Nationalelf ist aus der Topgruppe der Nations League abgestiegen, die Verantwortlichen geben sich darüber frustriert.
  • Bundestrainer Löw scheint sich aber mit dem Misserfolg abgefunden zu haben.
  • Gegen Holland schickt er eine Mannschaft im Umbruch auf den Platz.

Noch hat sich der Bundestrainer nicht entschieden, ob er Thomas Müller am Montagabend in Gelsenkirchen zu dessen 100. Länderspiel-Einsatz verhelfen wird. Er wisse noch nicht, welche Spieler er in der Nations-League-Begegnung mit den Niederlanden aufstellen werde, sagte Joachim Löw am Sonntag, und er wisse auch nicht, welche Geschenke der eventuelle Jubilar dann vom Deutschen Fußball-Bund erhalten werde, aber eines, das wisse er sehr genau: "Von mir kriegt Thomas Müller einen Riesenrespekt und ein unglaubliches Dankeschön."

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Nicht nur für bald zehn gemeinsame und erfolgreiche Jahre in der deutschen Nationalmannschaft, sondern auch für die außergewöhnliche Dienstbereitschaft, die Löw sehr zu schätzen weiß: "Wo andere sagten, sie seien müde und bräuchten eine Pause, war der Thomas Müller ständig da und hat sich" - Löw nahm eine Anstandspause, bevor er die deftigen Worte aussprach - "immer den Arsch aufgerissen". 100 Spiele in zehn Jahren, schloss der Coach die spontane Laudatio, "dann kriegt er von mir ein Weizenbier".

Es steht also doch einiges auf dem Spiel am Montagabend in Gelsenkirchen, beim Treffen der beiden Teams, deren sportlicher Status zuletzt überraschend auseinandergedriftet ist. Als Deutschland, Frankreich und die Niederlande im Rahmen der neu eingerichteten Nations League in eine gemeinsame Gruppe gelost wurden, waren die Holländer der Außenseiter und designierte Verlierer. Und nun haben sie mit ihrem 2:0-Sieg gegen Frankreich am Freitagabend dafür gesorgt, dass die Deutschen in die zweite europäische Liga absteigen werden.

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Frustriert sei er an jenem Abend ins Bett gegangen, sagte DFB-Manager Oliver Bierhoff, auch Löw sei "genervt" gewesen, dass mit dem Erfolg der Holländer die letzte Chance auf den Klassenverbleib erloschen war. Doch an den Voraussetzungen für das Spiel am Montag habe "sich nichts geändert. Das ist einfach noch einmal ein Prestige-Duell. Und wir wollen unsere Entwicklung noch mal vorantreiben", sagte Bierhoff. Das schmerzhafte 0:3 aus dem Hinspiel in Amsterdam sollte tatsächlich genügend Motivation bieten.