Nachdem Steven Gerrard alle Fotowünsche an der Anfield Road erfüllt hatte, machte die Spielerikone des FC Liverpool selbst noch ein Bild – mit Mohamed Salah. Auf dem Stadionparkplatz lief Gerrard, der seine Reds als Kapitän zum berühmten Champions-League-Titel 2005 geführt hatte, dem Torjäger des aktuellen Teams über den Weg, legte seinen Arm um die Schultern von Salah und streckte den Daumen nach oben.
Vielleicht wollte er ein Erinnerungsfoto haben, an den vorausgegangenen Liverpooler Sieg gegen den Stadtnachbarn FC Everton im 246. Merseyside-Derby. Das glanzlose 1:0 (0:0), erzielt von Stürmer Diogo Jota in Minute 57, dürfte ein Trauma des Ex-Fußballers Gerrard und seines Herzensklubs überwunden haben. Dank des Erfolgs führt der FC Liverpool die Premier League acht Spieltage vor Saisonende mit zwölf Punkten Vorsprung vor dem zweitplatzierten FC Arsenal an. Es würden also bereits vier Siege und ein Remis reichen, um den 20. Ligatitel zu gewinnen – und mit dem Rekordmeister Manchester United gleichzuziehen. Man sei in einer „sehr guten Position“, sagte dazu der stets zurückhaltende Trainer Arne Slot.

VfB Stuttgart im DFB-Pokalfinale:Das Magische Dreizehneck
Vor 28 Jahren gewann der VfB zuletzt den DFB-Pokal, gegen – Achtung! – einen Drittligisten. Beim Sieg gegen Leipzig, der das Endspiel gegen Bielefeld sichert, hilft auch die Macht der Geschichte. An der Leistung dieses Ausnahmeabends will Trainer Hoeneß seine Spieler auch im Alltag wieder messen.
Beim Ziel Meisterschaft kann nun also selbst der traditionell renitente Lokalrivale Everton nicht mehr dazwischengrätschen. Die Blues hatten zuletzt mehrere Titelanläufe der Reds gestört, indem sie ihnen jeweils in den direkten Duellen Punkte abknöpften. Weil das kürzlich beim nachgeholten ersten Treffen durch Evertons Last-Minute-Ausgleich (2:2) wieder der Fall war, ließ sich in Liverpool trotz des riesigen Polsters Nervosität ausmachen. Sicherheitshalber bot Slot, der den Ligatitel über alles andere stellt, in jedem Match – sogar gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten Southampton – sein stärkstes Team auf. Das führte zu einer offensichtlichen Frühjahrsmüdigkeit im März, als Liverpool in der Champions League gegen Paris ausschied und dann das League-Cup-Finale gegen Newcastle verlor.
Der Abschied von Trent Alexander-Arnold steht quasi fest. Das könnte helfen, um den Vertrag mit Salah zu verlängern
Aber so wurde der Ligatriumph immer wahrscheinlicher, was für Liverpool immens wichtig wäre. 30 Jahre hatte der Traditionsverein zwischenzeitlich von 1990 bis 2020 auf einen Ligatitel warten müssen. Als es dann unter Jürgen Klopp mit dem ersehnten Triumph klappte, konnten pandemiebedingt keine Fans im Stadion anwesend sein. Auch deswegen fieberte Liverpools Ersatzbank gegen Everton am Mittwochabend in den Schlussminuten so dramatisch mit, als würde die Meisterschaft gerade besiegelt werden.
Angesichts der hochkomfortablen Tabellensituation kann sich Slots Mannschaft wohl bereits für das Titelfoto aufstellen und das Management den Kader für die nächste Saison planen. Der Abschied des derzeit verletzten Rechtsverteidigers Trent Alexander-Arnold zu Real Madrid steht quasi fest. Die möglichen finanziellen Einsparungen könnten helfen, um den Vertrag mit Salah zu verlängern. Der Ägypter hat 27 Tore in der Liga erzielt, zwei Drittel mehr als Luis Díaz, der nächstbeste Schütze. Der Kolumbianer kommt bloß auf einen Treffer in den vergangenen 19 Pflichtspielen, die Ausbeute der Angriffskollegen Darwin Núñez, Cody Gakpo und Jota in dieser Zeitspanne ist ähnlich dürftig.
Wer noch an der Bedeutung von Salah für den FC Liverpool zweifelte, musste sich dann nur das Foto von Steven Gerrard in den sozialen Medien anschauen. „Big win!“, schrieb er dazu.

