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Champions League:"Eigentlich gar nicht schlechter"

RB Leipzig v Liverpool FC  - UEFA Champions League Round Of 16 Leg One

Entwischt: Mohamed Salah nutzt einen Fehler von Marcel Sabitzer (im Hintergrund), um Lukas Klostermann davonzulaufen.

(Foto: Laszlo Szirtesi/Getty Images)

Beim Gegenpressing-Festival zwischen Liverpool und Leipzig nutzt das Team von Jürgen Klopp zwei Patzer zum 2:0-Erfolg. Hoffnung fürs Rückspiel, das ebenfalls in Budapest stattfinden könnte, sieht RB-Trainer Nagelsmann dennoch.

Von Javier Cáceres

Als Kulisse eignet sich Budapest prächtig, die ungarische Hauptstadt hat daraus längst ein einträgliches Geschäft gemacht. Schon seit Jahren gibt Budapest Fassaden für teure Filmproduktionen her. Die Preise sind vergleichsweise günstig, und viele Regisseure fühlen sich an andere Metropolen erinnert, vorzugsweise an Moskau, was Budapest zum Beispiel zu einer großartigen Bühne für actiongeladene Spionagefilme macht. Zurzeit ist aber Pandemie, weshalb gerade eher wenige Kinoproduktionen anlaufen oder fertiggestellt werden. Seinen Kulissencharakter jedoch hat sich Budapest - mutatis mutandis, also mit den notwendigen Anpassungen - bewahren können. Statt der Film- stellt es nun der Fußballindustrie eine Bühne bereit.

Am Dienstagabend fand im Ferenc-Puskas-Stadion also ein Achtelfinal-Hinspiel der Champions League statt, obwohl Ferencvaros in der Gruppenphase ausgeschieden war. Weil aber Bewohner des Vereinigten Königreichs wegen der Coronavirus-Mutanten aktuell nicht nach Deutschland reisen dürfen, empfing RB Leipzig den FC Liverpool in der ungarischen Hauptstadt - und verlor durch Tore der Hauptdarsteller Mohammed Salah und Sadio Mané 0:2 (0:0).

Für den Sieg musste sich die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp nicht schämen, im Gegenteil. Und doch stimmte auch, was sein RB-Kollege Julian Nagelsmann am Ende sagte: Dass Leipzig bei diesem Gegenpressing-Festival "garantiert nicht zwei Tore", ja sogar "eigentlich gar nicht schlechter" gewesen sei als der zuletzt kriselnde, mutmaßlich entthronte englische Premier-League-Meister.

Leipzig zeigt sich ebenbürtig, macht aber zu viele Fehler

Nagelsmann erklärte, nach der Partie ein paar Gesprächsfetzen auf dem Rasen mitbekommen zu haben, und siehe da: Im Dialog mit den Leipziger Spielern habe kein Liverpool-Profi mit einem angeblich extrem verdienten Sieg geprahlt. "Ich glaube schon, dass wir uns heute Respekt erarbeitet haben", sagte Nagelsmann. Nur: Die Leipziger leisteten sich nach der Pause individuelle Fehler, die auf jedem und erst recht auf diesem Niveau bestraft werden - und nun das Fortkommen im Wettbewerb sehr schwierig gestalten. Beim 0:1 durch Salah hatte Marcel Sabitzer auf Lukas Klostermann passen wollen, aber unfreiwillig den Ägypter bedient (53.). Beim 0:2 verschätzte sich dann Nordi Mukiele bei einem lang nach vorn geschlagenen Pass der Engländer und schlug neben den Ball - was dazu führte, dass Mané im Stile eines Eishockeyspielers beim Penalty-Shootout auf Torwart Peter Gulacsi zulaufen und vollenden konnte (58.). "Wenn da Salah und Mané auf dich zukommen, ist das als Abwehrspieler nicht so schön. Da weißt du genau, dass du den Ball jetzt möglichst genau treffen musst", feixte später Klopp.

"Ich weiß, wie dominant und physisch überwältigend die Leipziger sein können", sagt Klopp.

Verärgert war der Kollege Nagelsmann dennoch - aber weniger wegen der Patzer, sondern vor allem, weil sein Team Chancen ungenutzt ließ. Als Liverpool noch zu dechiffrieren versuchte, in welchem seiner vielen Systeme Leipzig diesmal agieren würde, traf Dani Olmo nach feinem Spielzug und Angeliño-Flanke den Pfosten (5.). Kurz nach der Pause scheiterte Christopher Nkunku an Liverpools Torwart Allison, was Klopp besonders freute, denn zuletzt war der Brasilianer ungewöhnlich indisponiert gewesen. Nach dem Zu-Null-Sieg sagte ihm Klopp einen guten Schlaf auf dem Heimflug voraus.

Grundsätzlich war Klopp der Ansicht, dass die Verantwortung für die spielentscheidenden Leipziger Patzer bei seiner eigenen Mannschaft lag: Liverpool habe in den richtigen Räumen die Bälle erobert und die Leipziger zu Fehlern gezwungen: "Ich weiß, wie dominant und physisch überwältigend die Leipziger sein können", sagte Klopp, "aber was auch immer sie versuchten - wir hatten eine Antwort. Wir waren gut. Wir waren taktisch gut". Gute Champions-League-Perspektiven fürs Viertelfinale verschafft dem zuletzt angeschlagenen Klopp nun auch die Historie, denn in seiner glorreichen Europapokal-Vergangenheit hat Liverpool 37 Mal auswärts Hinspielsiege erzielt - und kam dann 37 Mal weiter.

Für das Rückspiel ist wegen der Mutanten-Krise auf der Insel nicht ausgeschlossen, dass Budapest nochmals als Bühne herhalten muss. Die europäische Fußballunion Uefa hat Liverpool bereits ersucht, sich nach Ausweichkulissen zu erkundigen. Nun ist das Puskas-Stadion nicht Anfield, aber nicht nur die Leipziger, auch Klopp fühlte sich in Budapest wohl. Klopp sagte, seine Mannschaft habe die Kulisse an das Estadio Metropolitano von Atlético Madrid erinnert - und sich deshalb gut gefühlt. Kein Wunder: In der spanischen Arena holte Liverpool mit Klopp 2019 gegen Tottenham den sechsten Champions-League-Titel seiner Geschichte.

© SZ/schm
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