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England:Liverpool ist Meister - Klopp weint vor Freude

Liverpool ist Meister, und die Fans feiern wild.

(Foto: AFP)

30 Jahren musste der FC Liverpool warten, jetzt ist das Team wieder englischer Fußballmeister. Trainer Jürgen Klopp ist überwältigt, die Fans missachten alle Abstandsregeln.

Jürgen Klopp ist nun der Mann, der den englischen Meistertitel zum FC Liverpool zurückgebracht hat, doch als der Trainer in der Nacht zum Freitag zu den Fans sprach, erhörte ihn niemand. "Ich hoffe, dass ihr zu Hause bleibt. Geht vor euer Haus und feiert, wenn ihr wollt, aber mehr nicht", sagte Klopp. Es blieb nur ein Wunsch.

Da waren bereits Tausende Liverpooler auf den Straßen. Sie zogen zum Stadion im Stadtbezirk Anfield, dicht gedrängt, manche wild tanzend mit nackten Oberkörpern. Der Himmel leuchtete Rot, von all den Bengalos und Feuerwerkskörpern, die in den Himmel geschossen wurden. Die Fans feierten, als gäbe es die Pandemie in diesem Moment nicht.

Die Mannschaft des FC Liverpool hatte sich etwas mehr zurückgehalten. Das entscheidende Auswärtsspiel des letzten verbliebenen Konkurrenten Manchester City hatte das Team gemeinsam auf der Dachterasse eines Hotels in Liverpool geguckt. Als klar war, dass ManCity 1:2 bei Chelsea verlieren würde, zählten die Spieler mit Getränken in der Hand die letzten Sekunden runter. Three, two, one...

Eine Ewigkeit hat Liverpool auf diesen Titel warten müssen

Dann war Liverpool englischer Meister. Erstmals seit 1990, seit 30 Jahren also. Eine kleine Ewigkeit hat Liverpool auf diesen Titel warten müssen, zwischenzeitlich einige Male höchst knapp die Meisterschaft verpasst, wie in der Saison 2013/14, als Liverpool kurz vor Schluss im eigenen Stadion auch deshalb gegen Chelsea verlor, weil Vereinsikone Steven Gerrard im entscheidenden Moment ausrutschte. Meister wurde damals Manchester City, Gerrard beendete 2015 seine Karriere, ohne mit Liverpool je diesen Titel geholt zu haben.

Das war die Fallhöhe für diesen Meistertitel. Es sei "so ein großer Moment, ich bin völlig überwältigt", sagte Klopp, der deutsche Coach, der mit Liverpool vor einem Jahr bereits den Champions-League-Titel gewonnen hatte, der Stadt nun aber die emotional noch viel wichtigere Meisterschaft nach Hause geholt hat. Sieben Spieltage vor Schluss hat Liverpool uneinholbare 23 Punkte Vorsprung - das Team hat eine wirklich große Saison gespielt, auch wenn diese wegen der Pandemie nun auf ungewohnte Weise endet.

"Ich habe keine Worte dafür. Es ist unglaublich. Es ist mehr, als ich mir jemals erträumt habe", schluchzte Klopp ins Sky-Mikrofon, dann musste er sich abwenden, mit Tränen in den Augen.

Kenny Dalglish lobt Klopp

Auch andere meldeten sich in der Jubelstunde. All dies sei "einmalig", schwärmte Mannschaftskapitän Jordan Henderson, ebenfalls mit Wasser in den Augen: "Ich freue mich so sehr für all die Jungs, für die Fans, den gesamten Klub, die Stadt." Sogar Vereinslegende Kenny Dalglish, 69, der als Trainer den bis zu diesem Abend letzten Meistertitel nach Anfield geholt hatte, war im britischen Fernsehen außer sich vor Freude: "Wenn damals jemand gesagt hätte, dass es 30 Jahre dauert, wäre der eingesperrt und gevierteilt worden."

Dann sprach er über Klopp, den Mann, für den sie in Liverpool vermutlich an diesem Freitag beginnen werden, eine Statue zu errichten. "Er ist einfach fantastisch", sagte Dalglish über seinen Meister-Nachfolger-Coach: "Er verkörpert alles, wofür Liverpool steht."

Klopp gab artig zurück: "Du musstest 30 Jahre warten. Dieser Titel ist auch für dich, Kenny."

Mit Material der Nachrichtenagenturen

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