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Jürgen Klopp im Zoff mit Roy Keane:"Habe ich das richtig gehört?"

Jürgen Klopp war diesmal sehr zufrieden mit Liverpool - anders als Roy Keane.

(Foto: AP)

Der FC Liverpool siegt 3:1 gegen Arsenal - doch Trainer Jürgen Klopp ist in Rage: Er streitet sich nach dem Spiel mit dem TV-Experten Roy Keane.

Von Jonas Beckenkamp

Es könnte alles ganz rosig sein beim FC Liverpool. Drei Siege zum Start in der Premier League, endlich ein paar Verstärkungen fürs Team und in der Tabelle eine Platzierung fast ganz oben. Jürgen Klopp musste sich trotzdem aufregen, nachdem die "Reds" am Montagabend die Partie gegen den FC Arsenal umgebogen hatten. Das 3:1 (2:1) bot eigentlich reichlich Grund zum Frohsinn, doch einer störte die allgemeine Zufriedenheit: Roy Keane, der für den TV-Sender Sky Sports Fußballspiele auf der Insel mitkommentiert.

"Habe ich das richtig gehört, Herr Keane hat gesagt, wir hätten heute Abend eine schlampige Leistung gezeigt?", echauffierte sich Klopp nach dem Schlusspfiff, ebenfalls beim Fernseh-Interview. Der Meistertrainer Liverpools wollte so gar nicht mit dem früheren Raubein aus Irland übereinstimmen. Er hatte wahrlich gar nichts nachlässig gefunden am Vortrag seines Teams. Und so musste Keane, 49, zurückrudern und klarstellen, dass er nur ein paar Momente im Spiel gemeint hatte - und dies auch so formuliert hatte. "On one or two occasions", also ein, zwei Wackler, diesen Nachsatz hatte Klopp offenbar nicht mitbekommen - und sich hauptsächlich am Wort "sloppy" aufgehängt. Vielleicht waren von Keane jene Szenen gemeint, als Liverpool früh in Rückstand geraten war? "Er spricht womöglich von einem anderen Spiel, dieses kann es nicht gewesen sein. Sorry", ärgerte sich Klopp in aller Deutlichkeit.

In der Tat hatte seine Mannschaft den Rückstand durch Alexandre Lacazette (25. Minute) zum 0:1 zu verkraften - aber eben nur für drei mickrige Minuten. Danach wehrte sich der Titelverteidiger vehement. Mit einem Doppelschlag besorgten Sadio Mané (28.) und Andrew Robertson (34.) die Wende im Überschalltempo. Liverpool spielte wie ein Box-Champion, der sich mal kurz schütteln musste, mehr nicht. Den dritten Treffer erzielte Einwechselspieler Diogo Jota, der erst vor zehn Tagen aus Wolverhampton gekommen war, zwei Minuten vor dem Ende. Im Grunde hatte Liverpool also tatsächlich nur wenige Minuten gewackelt, für den Rest des Spiels wirkten Klopps Männer besser als Arsenal, wenn auch nicht brillant.

Thiago fehlte diesmal - wegen Fitnessrückstands

"Nichts war schlampig, absolut nichts", beklagte sich Klopp weiter über die Einwände Keanes. Der Ire galt früher als einer, der gerne mal "gut in die Zweikämpfe" kam, wie man so sagt. Als Vertreter des schönen Spiels war er in seiner Zeit als Ikone von Manchester United eher nicht aufgefallen. Womöglich hatte er sich schlicht eine innigere Zweikampfführung gewünscht, aber gegen ein tief stehendes Arsenal war die mitunter gar nicht nötig gewesen. Klopp zweifelte prompt an Keanes Urteilsfähigkeit. "Das ist eine unglaubliche Beschreibung des Spiels, es war außergewöhnlich", widersprach er dem Fernsehexperten.

Schon vor dem 0:1 hatte Liverpool beispielsweise einen Lattenschuss von Trent Alexander-Arnold sowie einen Versuch von Mo Salah zu verzeichnen, den der deutsche Arsenal-Keeper Bernd Leno abwehrte. Entsprechend auch die Wahrnehmung von Klopp, dessen Team sich wieder einmal darauf verlassen konnte, eine eingespielte Einheit zu sein. De facto hatte Klopp eine Elf aufgeboten, die auch vergangene Saison schon so hätte spielen können. Thiago, der neu gekommene Taktgeber von den Bayern, fehlte diesmal wegen Fitnessrückstands nach seiner langen Champions-League-Saison und seinem anschließenden Transfer aus München.

Auch ohne den Ballmagnet aus Spanien sei seine Truppe von Beginn an dominant aufgetreten gegen ein Team, das zu 100 Prozent bester Verfassung sei, betonte Klopp: "Du musst aufpassen wie Hölle und darfst nicht durch Konter getroffen werden." Arsenals Roadrunner um Pierre-Emerick Aubameyang oder den Franzosen Lacazette hatten Liverpools Türsteher hinten drin aber weitgehend im Griff, auch wenn Letzterer nach etwa einer Stunde noch einmal frei vor "Reds"-Keeper Alisson auftauchte und vergab. Sein Team habe es ziemlich "erbarmungslos" nach vorne versucht, bilanzierte Klopp, der von den 90 Minuten fast "jede Sekunde" toll fand. Immerhin, das trifft sich gut: Am kommenden Donnerstag geht es für Liverpool im Liga-Pokal erneut daheim gegen den FC Arsenal.

© SZ.de/ebc
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