Phil Mickelson auf der LIV-Tour:Im Reich der kurzen Hosen

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Phil Mickelson auf der LIV-Tour: Angenehme Kleidung bei brütender Hitze: Auch Phil Mickelson nutzt die einmalige Chance, mal in Shorts anzutreten.

Angenehme Kleidung bei brütender Hitze: Auch Phil Mickelson nutzt die einmalige Chance, mal in Shorts anzutreten.

(Foto: Mary Schwalm/AP)

Die LIV-Tour spielt ihr Heimturnier in Jeddah, Saudi-Arabien - der ehemals große Golf-Spieler Phil Mickelson fällt vor allem durch Aussagen auf, die stark an Donald Trump erinnern.

Von Felix Haselsteiner

Die kurzen Hosen waren immerhin hilfreich. Deutlich über 30 Grad im Schatten zeigten die Thermometer in Jeddah, Saudi-Arabien, über die vergangenen Tage an. Und da Schatten im Wüstenstaat selten ist, mussten sich die Spieler der LIV-Tour auf noch einige Grad mehr einstellen. Auch wenn auf dem künstlich angelegten Royal Greens Golf Course ein paar Bäume zu finden sind, waren wohl die Hosen ein elementarer Teil des Turniers - in vielerlei Hinsicht.

Die LIV-Tour, die der saudi-arabische Staatsfonds PIF im Frühjahr pompös gestartet und mit über zwei Milliarden Dollar Finanzmitteln ausgestattet hatte, befindet sich in den finalen Turnieren ihrer ersten Saison. Das Finale in Miami folgt Ende Oktober, doch selbstverständlich hatte das Heimturnier in Jeddah, das Brooks Koepka am Sonntag gewann, eine besondere Bedeutung. LIV bewirbt sich selbst mit dem Slogan "Golf. But louder", will also lauter sein als die alte Golfwelt. Und da kommen die Hosen ins Spiel. In der Geschichte des Golfsports gibt es seit jeher grundsätzliche Kleidungsregeln, an die sich jeder Amateur und vor allem jeder Profi hält: Keine Jeans, keine T-Shirts ohne Kragen - und lange Hosen bei Turnieren.

Die LIV-Tour allerdings will gegen dieses Golf-Establishment antreten und schaffte daher auch diese "lästige" Regel ab, sehr zum Wohle der Spieler offenbar. "Egal ob es um Shorts geht oder um andere Aspekte im Profi-Golf, die Dinge werden sich weiterentwickeln", sagte Phil Mickelson am Donnerstag in seiner Pressekonferenz vor dem Turnier: "Und diese Veränderungen werden angeführt von LIV."

Mickelson zog sich einige Monate aus dem Sport zurück, erst im Juni tauchte er wieder auf

Das war insofern bemerkenswert, als dass der 52-Jährige über weite Teile seiner Karriere dafür bekannt war, Sonntags in Finalrunden komplett in langer, schwarzer Kleidung aufzulaufen und sich bereits in jugendlichem Alter schon so anzuziehen wie die erwachsenen Spieler, während andere Kinder in Shorts herumliefen. Andererseits deshalb, weil seine Statements sich auch sonst komplett von denen unterscheiden, die die Debatte zwischen der saudi-arabischen und der amerikanischen Tour im Februar diesen Jahres erst so richtig in Gang gebracht hatten.

"Scary motherfuckers" seien diese ,Saudi-Arabier, die die Golfwelt an sich reißen wollten, weil sie den kritischen Journalisten Jamal Khashoggi hätten umbringen lassen und queere Menschen verfolgen würden. Das sagte Mickelson Anfang des Jahres dem Journalisten Alan Shipnuck in dessen Mikrofon, der für eine unautorisierte Biografie über den sechsmaligen Major-Sieger recherchierte. Shipnuck verwendete die Aussagen und sorgte mit der Veröffentlichung für großen Aufruhr: Dass einer der bekanntesten Golfer der Welt sich so deutlich äußern würde, damit war kaum zu rechnen gewesen. Mickelson zog sich daraufhin für einige Monate aus dem Sport zurück, erst im Juni tauchte er wieder auf - und gab trotz der Aussagen bekannt, fortan ausschließlich auf der LIV-Tour zu spielen. Was bedeutete, dass er die dreistelligen Millionenbeträge, die ihm die Saudis offenbar als Antrittsgeld zahlten, akzeptierte, um seine Meinung zu ändern.

Auch am Donnerstag ging es wieder um die Aussagen aus dem Februar, zu denen Mickelson bislang gesagt hatte, sie seien "off-the-record" gewesen, er habe sie nicht zum Zitat freigegeben. Diesmal ging er einen Schritt weiter: "Lassen Sie mich das noch einmal klarstellen: Ich habe nie ein Interview mit Alan Shipnuck geführt", sagte Mickelson nun und zog damit eine neue Verteidigungslinie in den Wüstensand. Eine, die die normale Welt von der Welt trennt, in der sich die LIV-Spieler offenbar wohlfühlen: Im Reich der fantastischen Ausflüchte.

"Ich sehe LIV-Golf in einem Aufwärtstrend und die PGA Tour in einem Abwärtstrend", sagt Mickelson

Die neue Saudi-Tour bietet den Spielern ein Rundum-Sorglos-Paket mit Privatjetflügen um den Globus, kurzen Hosen und sogar der Erlaubnis, live im Fernsehen fluchen zu dürfen, ohne dafür bestraft zu werden. Anfühlen soll sich das wie ein freizügiger Buddy-Trip, doch die Atmosphäre erinnert inzwischen eher an die Welt von Donald Trump, einem erklärten Unterstützer der LIV-Tour, die im Sommer auch auf seinen Golfplätzen in den USA stattfand. Wie in Trumps Präsidentschaft geht es für Mickelson und seine Mitstreiter längst nicht mehr darum, sich noch für Vorwürfe gegen sie zu rechtfertigen - sondern darum, den Gegner (die PGA Tour und die kritischen Journalisten, die regelmäßig Fragen zu Themen wie Menschenrechten stellen) runterzureden.

Auf Fakten wird dabei verzichtet, und zur Not wird die Wahrheit verdreht. Im konkreten Fall etwa stellte Shipnuck die Faktenlage noch einmal klar: Er habe mehrmals für das Buch um ein Gespräch gebeten, dann einen Anruf bekommen - aber zu keinem Zeitpunkt habe Mickelson darum gebeten, dass das Gespräch "off the record" sein solle. Shipnuck wäre dieser Bitte nach eigener Aussage auch nicht nachgekommen.

Man müsse in Zukunft eine Seite wählen im Wettstreit der Touren, sagte Mickelson nun: "Ich sehe LIV-Golf in einem Aufwärtstrend und die PGA Tour in einem Abwärtstrend. Und ich liebe die Seite, auf der ich stehe." Nach seiner Finalrunde am Sonntag in Jeddah stand Mickelson in der saudischen Hitze auf Platz 35, bei 46 Teilnehmern. Gerade einmal ein Top-10-Ergebnis schaffte er in diesem Jahr, eine enttäuschende Bilanz für einen der einst weltbesten Spieler. Doch auch das ist eine Lehre aus dem ersten LIV-Jahr, das demnächst zu Ende geht: Der Sport selbst erscheint erstmal nachrangig, bei all den politischen Debatten.

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