Lisickis Gegnerin Agnieszka Radwanska Aufgewachsen im westfälischen Gronau

Am Dienstag, als Radwanska im Viertelfinale gegen die an Nummer sechs gesetzte Chinesin Li Na antrat, war das wieder ein wunderbares Beispiel so eines Radwanska-Sieges: Es ist ja nicht so, dass Agnieszka Radwanska immerzu souverän auftritt, man kann sie besiegen, wenn man sie stark unter Druck setzt, aber Agnieszka Radwanska ist zäh. Im ersten Satz hatte Li Na Satzbälle, aber Radwanska ließ sich nicht aus der Ruhe bringen - und gewann den Durchgang im Tie-Break. Im zweiten Satz kam Radwanska nach 4:2-Führung außer Tritt, Li Na wurde besser, sie entschied ihn 6:4 für sich, im dritten Satz aber demoralisierte Radwanska die Chinesin endgültig. Der Balken sauste nach oben und nach unten, und nach 163 Minuten war Radwanska im Halbfinale.

Zwischendurch hatte sie sich einen Verband an den rechten Oberschenkel anlegen lassen, natürlich war das eine der ersten Fragen, die ihr danach gestellt wurde: Ob sie fit genug für ein Halbfinale gegen die starke Deutsche sei? Sie habe eben sehr viel Tennis gespielt in letzter Zeit, sagte Radwanska, "viel Behandlung und viel Massage, dann bin ich bereit". Ansonsten sprach Radwanska viel über Sabine Lisicki, die beiden haben zwar erst zweimal als Profis gegeneinander gespielt - einmal gewann Lisicki, einmal Radwanska - und noch nie auf Rasen, aber sie haben eine gemeinsame Geschichte.

Als sie zehn waren, spielten sie beide häufiger in Jugendturnieren in Polen gegeneinander, Sabine Lisicki ist ja eine Deutsche, die in den ersten Jahren in Polen aufwuchs. "Wir kennen uns schon so lange", sagte Radwanska, "aber die Zeit fliegt, und plötzlich spielen wir bei einem Grand Slam gegeneinander." Sie klang wie eine Großmutter, die den Enkeln von früher erzählt, aber davon ist sie in Wahrheit weit entfernt, sie ist 24. Als sie zehn war, war sie übrigens noch gar nicht lange in Polen, denn Radwanska ist eine Polin, die in den ersten Jahren in Deutschland aufwuchs.

Tennisspielerin Sabine Lisicki

Das Stehauf-Mädchen

Als sie vor einem Jahr das Finale im Londoner Bezirk SW19 erreichte, haben die Westfälischen Nachrichten darüber berichtet: Wie das so war, damals. Robert Piotr Radwanski, ihr Vater, den sie in Deutschland Peter riefen, war einst Trainer beim TV Grün-Gold Gronau, er trainierte außerdem seine beiden Töchter (die ein Jahr jüngere Urszula Radwanska liegt derzeit auf Platz 44 der Weltrangliste), zusammen mit einer gewissen Brunhilde Nolze. Die Radwanskis seien der ehemaligen Heimat immer noch verbunden, schrieben die WN, untermauert mit dem bedeutungsschweren Satz, den Peter Radwanksi bei einem Showmatch in Gronau 2007 gesagt hatte: "Ich bin ein Gronauer."

Die Agnieszka, verriet außerdem noch Brunhilde Nolze, sei "immer noch das liebe, ruhige Mädchen von damals", und, ja, sie habe sich wirklich ganz fabelhaft entwickelt.