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Lionel Messi:Die plötzliche Begnadigung des Lionel Messi

Lionel Messi, Emerson Augusto de Carvalho

Lionel Messi ist nicht immer einer Meinung mit den Schiedsrichtern.

(Foto: AP)

Nicht, dass sie sich nicht freuen würden in Argentinien. Aber ein wenig wunderten sie sich doch, als die Kunde kam, dass Lionel Messi, der Kapitän der argentinischen Nationalmannschaft, vom Fußballweltverband Fifa begnadigt worden war. Vier Spiele Sperre hatte ihm die Fifa Ende März aufgedrückt, weil er bei der Partie gegen Chile (1:0) einen Linienrichter beleidigt hatte; die Fernsehbilder ließen damals (und lassen heute) keinen Zweifel zu. Die Chancen Argentiniens auf eine Qualifikation für die WM in Russland waren damit ernsthaft in Gefahr.

Am Freitag aber wurde die Sperre der Fifa-Diziplinarkommission nach einem Protest des argentinischen Verbandes Afa wieder aufgehoben, von einem Berufungsgericht, das mit Fachleuten der Fußballweltmächte Färöer, Guam, Fidschi und Bermudas besetzt war. Ein Rechtsweg ist ausgeschlossen, das Disziplinarverfahren mit der Kennziffer 170315 ist endgültig. "Ah ja, und um ihm Finanzierungsprobleme bei seiner bevorstehenden Vermählung mit Antonella zu ersparen, haben sie ihm auch die Buße von 10 000 Schweizer Franken erlassen", bemerkte spöttisch die normalerweise verbissen ernsthafte argentinische Zeitung La Nación.

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Die Berufungskommission sieht keine Beweise für Messis Vergehen im Länderspiel. Der FC Bayern steckt zehn Millionen Euro in seine Arena.

Dasselbe Blatt war es auch, das die Argumentationslinie der Fifa-Advokaten einen "Gesang an die Widersprüchlichkeit" nannte. Denn einerseits tadelten sie die ausfälligen Bemerkungen Messis als "verwerflich". Andererseits fanden sie nichts dabei, zu behaupten, die vorliegenden Beweise seien "nicht ausreichend" für eine Strafe, die Messi wiederum teilweise schon abgesessen hat: Beim 0:2 in Bolivien, das den Nationaltrainer Edgardo Bauza das Amt kostete, durfte der Wunderstürmer des FC Barcelona am 28. März nur zuschauen.

Anscheinend verfing die Verteidigungsstrategie des argentinischen Verbands: Er argumentierte, dass die Fifa keine Handhabe hatte, um von Amts wegen gegen Messi zu ermitteln. "Schön für Argentinien, Messi und den Fußball, denn es ist immer schön, Messi zuzusehen", sagte der Chilene Arturo Vidal nach dem Spiel gegen Darmstadt in München. "Aber es wäre zu hoffen, dass die Regeln für alle gleich sind", fügte er hinzu - in Anspielung darauf, dass seine Landsleute Jorge Valdivia und Gary Medel für ähnliche Vergehen gesperrt wurden und blieben, für drei beziehungsweise vier Spiele.

Der ehemalige argentinische Nationalspieler Diego Latorre, heutzutage ein angesehener TV-Kommentator, gab sich peinlich berührt. Er interpretierte die Begnadigung als den Beweis dafür, dass der Fifa "jede Regel egal" sei, "dass sie alles machen kann, was sie will. Das war's mit der Fantasie der Legalität", sagte Latorre.