Lionel Messi:Abschied vom Klub seines Lebens

FILE: FC Barcelona Announces Lionel Messi To Leave The Club FC Barcelona v RCD Espanyol - La Liga

Jetzt geht er wirklich: Lionel Messi verlässt den FC Barcelona.

(Foto: David Ramos/Getty)

Nun geschieht es also doch: Lionel Messi verlässt den FC Barcelona und eine Ära endet jäh - obwohl es eine grundsätzliche Einigung über einen neuen Vertrag gegeben haben soll. Wohin es den sechsmaligen Weltfußballer nun ziehen könnte, ist noch offen.

Von Javier Cáceres

Dramatische Wende im Fall Lionel Messi: Am Donnerstagabend bestätigte der FC Barcelona in vier dürren Sätzen, dass der sechsmalige Weltfußballer aus Argentinien den Klub seines Lebens mit sofortiger Wirkung verlässt. Es sei zwar "eine Einigung zwischen dem FC Barcelona und Leo Messi mit der klaren Absicht beider Seiten erzielt worden, am heutigen Tag einen neuen Vertrag zu unterzeichnen", hieß es in der Mitteilung. Diese Einigung habe allerdings wegen "wirtschaftlicher und struktureller Hürden nicht formalisiert werden können".

Bei diesen Hürden habe es sich um das Normengerüst des spanischen Ligaverbandes LFP gehandelt, schrieb der Klub. Nähere Details dazu wurden nicht verbreitet, dafür aber ein apodiktischer Satz: "Angesichts dieser Situation wird Lionel Messi dem FC Barcelona nicht mehr verbunden bleiben." Eine Bestätigung durch Messi selbst liegt noch nicht vor.

Die Nachricht schlug in der spanischen Fußballwelt im Allgemeinen und in Barcelona im Besonderen ein wie die sprichwörtliche Bombe. Noch zu Wochenbeginn hatte der erst im März ins Präsidentenamt zurückgekehrte Joan Laporta öffentlich erklärt, dass Messi die Absicht habe, seine Karriere in Barcelona fortzusetzen. Die Einigung sei auf einem guten Wege, beteuerte Laporta. Er hatte im Wahlkampf rund um die Jahreswende erklärt, für den Verbleib Messis sorgen zu wollen.

Messi hatte im Sommer 2020 seinen damaligen Vertrag per sofort kündigen wollen. Seinerzeit soll es konkretes Interesse von Manchester City und Paris Saint-Germain gegeben haben. Die Sorge vor einem Rechtsstreit aber führte dazu, dass Messi am Ende doch blieb. Sein jüngstes Arbeitspapier endete am vergangenen 30. Juni.

In jenen Tagen soll eine grundsätzliche Einigung über den neuen Kontrakt erzielt worden sein. Angeblich hatte Messi eingewilligt, seine Bruttobezüge von angeblich knapp 140 Millionen Euro jährlich um die Hälfte zu senken, um einen neuen Fünfjahresvertrag zu unterzeichnen. Der Zeitung El País zufolge waren auch die Zahlungsmodalitäten vereinbart worden. Sie sollten ermöglichen, dass der milliardenschwer verschuldete Klub der Verpflichtung nachkommt, seine Gehaltsausgaben signifikant zu senken - um bis zu 200 Millionen Euro für die Saison 2021/22.

Messis Gehalt wäre erst gesunken, dann wieder exponentiell gestiegen

Angeblich wäre Messis Gehalt im ersten Vertragsjahr auf 20 Millionen Euro netto gesunken, im zweiten Jahr hingegen exponentiell gestiegen, ehe es in den verbleibenden Spielzeiten wieder abgesenkt worden wäre. Noch am Mittwoch ließ der Klub durchsickern, dass der neue Vertrag Messis im Grunde in trockenen Tüchern sei und am Donnerstag unterschrieben werden solle. Die Absicht sei überdies, dass Messi, 34, der 2004 sein Profidebüt beim FC Barcelona feierte, am Sonntag beim Testspiel gegen Juventus Turin das Barça-Trikot überstreift und sich in einer Rede an die Anhänger des spanischen Traditionsklubs wendet. Gleichzeitig verkündete Spaniens Ligaverband LFP, dass man einen milliardenschweren Deal mit dem Private-Equity-Unternehmen CVC abgeschlossen habe, der dem FC Barcelona einen Betrag von rund 250 Millionen Euro in die Kasse spülen sollte. Dann folgte am Donnerstag doch die spektakuläre Rolle rückwärts.

Messi war am Mittwoch vom Urlaub auf Ibiza zurückgekehrt; am Donnerstag reiste dann sein Vater und Manager Jorge Messi nach Barcelona und traf sich mit Vertretern des Klubs. Am späten Nachmittag kursierten Gerüchte, dass die Verhandlungen zwischen den beteiligten Parteien gescheitert waren - aus Gründen, über die nur spekuliert wurde. Hier hieß es, Laporta habe eine weitere Gehaltskürzung verlangt; dort war zu hören, die Partei Messis hatte der 50-prozentigen Gehaltskürzung nicht zugestimmt. Eine weitere Version kündete davon, dass Messi nicht überzeugt sei, mit dem neuen Barcelona-Kader wirklich um Titel mitspielen zu können. Die Verpflichtung von Messi-Intimus Sergio "Kun" Agüero (und dem Niederländer Memphis Depay) seien ihm nicht genug gewesen. Er habe zudem den Kauf seines argentinischen Landsmanns Cristian Romero gefordert, der vor einem Wechsel zu Tottenham Hotspur stehen soll. Kurz vor 20 Uhr verschickte dann Barcelona das Kommuniqué, in dem das Ende einer überragenden Ära beurkundet wurde. Vereinschef Laporta will sich am Freitag in einer Pressekonferenz äußern.

Messi war im Jahr 2000 zum FC Barcelona gestoßen - und hatte 2004 sein Profidebüt gefeiert. Er war an vier Champions-League-Siegen beteiligt, an zehn spanischen Meisterschaften, an sieben Pokalsiegen und drei Triumphen bei der Klub-WM. Unter anderem. Er riss unzählige individuelle Rekorde an sich, und schoss in 767 Pflichtspielen 672 Tore für Barça.

Offen ist, wohin es Messi ziehen könnte. Vor allem die Spekulationen um Paris Saint-Germain dürften neue Nahrung erhalten; Manchester City verkündete am Donnerstagabend die Verpflichtung des englischen Nationalspielers Jack Grealish, Aston Villa erhält eine Ablösesumme von mehr als 100 Millionen Pfund. Klar ist nur dies: Messi kann als vertragloser Spieler bei jedem Klub der Welt anheuern.

© SZ/fse
Zur SZ-Startseite
Die Köpfe der EM

Internationaler Fußball
:Wie sich die Hierarchien auf dem Transfermarkt zuspitzen

Die Beispiele Harry Kane und Jadon Sancho zeigen: Ganz vorne sind vier Klubs ausgerissen, drei englische und Paris - alle anderen strampeln hinterher.

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB