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Linksaußen:Nikolaus fiel heuer aus

Von Sebastian Winter

In diesem Jahr hatte der Nikolaus frei. Es dürfe bloß nicht passieren, dass er 2020 von Haus zu Haus oder Kita zu Kita geht und neben Geschenken womöglich auch das Virus im Gepäck hat, warnte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml schon am Montag vor dem 6. Dezember in München. Das klang nach Terror, nach Apokalypse - der Heilige als Superspreader? Sie empfahl Erzieherinnen und Erziehern, einfach selbst den Nikolaus zu spielen. Am besten im Garten, klaro, die Wutreden-Aerosole des Krampus will drinnen ja kein Kind abbekommen.

Irgendwie kommt alles zusammen in dieser düsteren Vorweihnachtszeit, der Nikolaus fiel auf einen Sonntag, in Schulen und Kindergärten wurde vor- oder wird noch nachgefeiert. Die daheim vor die Tür gestellten Stiefel stinken bis Weihnachten noch nach Desinfektionsmittel - reine Vorsichtsmaßnahme -, aber dadurch immerhin nicht mehr nach Käse. Nicht mal weibliche Flitzer-Nikoläuse gibt es in diesem Jahr im zuschauerlos tristen TV-Fußball zu sehen, wie im Winter 1999, als ein solcher plötzlich auf dem Platz vor Paul Gascoigne auftauchte. Und Papa Noel, der normalerweise am 6. Dezember per Hubschrauber ins Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro schwebt und mit 200 000 Menschen eine Party feiert, wartet auch aufs nächste Jahr. Lieber ein passender Horrorfilm gefällig, zum Beispiel "Krampus: The Christmas Devil"? Aus dem Haus geht man ja eh nicht mehr.

War das noch schön, als der wahrhaftige Nikolaus vor der Haustür stand und die hinterm Hosenbein der Eltern ängstlich hervorlugenden Kinder erst zum Weinen und dann, mit seinen Leckereien, zum Strahlen brachte. In diesem Jahr mussten Papa oder Mama oder Opa oder Oma ran, und natürlich wurden sie sofort ertappt, weil der Nikolaus niemals so eine hohe Stimme hat, niemals so klein ist und auch niemals Papas Lederschuhe trägt.

Die Lederhosenoptik hat nun ausgedient, wenn auch mit Verspätung

Immerhin gibt es auch noch ein paar fröhliche Geschichten vom Nikolaus in diesem Jahr. Das Bistum Essen bot beispielsweise bis einschließlich 7. Dezember kostenlose Videoschalten mit dem Heiligen an, auf der Internetseite www.rent-a-clause.de - alles ausgebucht! In Cottbus verteilt ein Nikolaus mit dem Fahrrad Adventsbriefe. Und im Rostocker Hafen überreicht der Heilige, der ja auch Schutzpatron der Seeleute ist, an diesem Montag Christbäume und Geschenke an die Schiffsbesatzungen. Wegen Corona ist er nicht wie üblich mit dem Schiff unterwegs, sondern mit Auto und Anhänger auf der Landseite. Aber sei's drum.

Apropos Schiff: Herrschings Volleyballer hofften noch am Donnerstag darauf, dass ihre Trikots, mit denen sie in dieser Saison spielen sollten - die Hose als weiß-blaue bayerische Flagge, das Shirt ganz OHNE Lederhosen-Optik - wenigstens pünktlich zu Nikolaus bei ihnen ankommen, auf dem See- und Landweg. Weil die spanische Firma wegen des Virus Lieferschwierigkeiten hatte, traten sie bislang nämlich bei jedem Spiel in ihren Auswärtstrikots an, oder, wie Libero Ferdinand Tille, sogar im Jersey der vergangenen Saison. Beim 1:3 gegen Düren durften sie die Trikots nun tatsächlich endlich anziehen. Mit der Adresse hatte der Nikolaus in Herrsching am Ende schließlich leichtes Spiel gehabt: Nikolaushalle. Nikolausstraße 11. Kann man sich merken.

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