Robert Lewandowski:Silberpokal statt Goldball

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Robert Lewandowski: Mit Pokal auf der Leinwand: Die Ehrung für Lewandowski in Zürich.

Mit Pokal auf der Leinwand: Die Ehrung für Lewandowski in Zürich.

(Foto: Harold Cunningham/AFP)

Diesmal nicht Zweiter: Anders als beim Ballon d'Or wird Robert Lewandowski vom FC Bayern bei der Fifa-Gala zum Weltfußballer gewählt - und verteidigt seinen Titel aus dem Vorjahr.

Von Sebastian Fischer

Robert Lewandowski hatte, was er wollte. Er fuhr im Dezember 2020 im Auto nach Hause mit dem silbernen Fifa-Pokal für den Weltfußballer, den er damals zum ersten Mal in seinem Leben und als erster Bundesligafußballer überhaupt gewann. Fifa-Präsident Gianni Infantino war persönlich in München vorbeigekommen, um die Trophäe in der Geschäftsstelle des FC Bayern in der Säbener Straße zu überreichen, wo Lewandowski die Kür im Anzug samt Fliege live zugeschaltet vor der Kamera verfolgte. Als er später am Steuer auf dem Heimweg mit seiner Mutter telefonierte, dabei gefilmt für eine Amazon-Dokumentation über den FC Bayern, lobte er die Dramaturgie des Abends allerdings nicht gerade in den höchsten Tönen. "Es hat ein bisschen gedauert und sich etwas in die Länge gezogen", sagte er.

Die Kür für die Weltfußballerwahl 2021 am Montag unterschied sich dahingehend nicht entscheidend von ihrer Vorgängerausgabe. Auf der Bühne in Zürich wurde etwas mehr als eine Stunde lang geplaudert, als Legenden gepriesene frühere Fußballer in Anzügen liefen auf, Lothar Matthäus war auch da. Die Preisträgerinnen und Preisträger wurden per Video für Interviews zugeschaltet, in denen sehr oft die Worte "special" und "amazing" vorkamen. Thomas Tuchel vom FC Chelsea ist nun Welttrainer des Jahres, Alexia Putellas vom FC Barcelona Weltfußballerin, beide haben im Sommer jeweils mit ihren Teams die Champions League gewonnen. Und am Ende wurde wieder Lewandowski, 33, zum weltbesten Fußballer gekürt, vor Lionel Messi und Mohamed Salah. Den Pokal bekam er diesmal von Bayerns Vorstandschef Oliver Kahn überreicht, Sportvorstand Hasan Salihamidzic und Trainer Julian Nagelsmann standen fröhlich daneben.

Was für Lewandowski sprach, das hatte der FC Bayern tagsüber schon mal auf seiner Webseite aufgelistet: Mit 58 Treffern war er Europas bester Torschütze im Kalenderjahr, statistisch betrachtet traf er alle 69 Minuten. Er überholte mit 41 Saisontoren den Rekord des legendären Gerd Müller, gewann die Wahl zum besten Spieler bei der Klub-Weltmeisterschaft und siegte in jedem Champions-League-Spiel 2021, in dem er auflief. Und auch wenn die letzten beiden Punkte dieser Auflistung ein bisschen beliebig wirkten, so war die Liste doch als eine Art Mahnung zu verstehen.

Thomas Tuchel ist nun der Nachfolger von Jürgen Klopp als Welttrainer

Die Bayern hatten sich ziemlich echauffiert, als im November eher überraschend nicht Lewandowski, sondern Messi den Ballon d'Or abgesahnt hatte, die andere von zwei Individualtrophäen des Fußballjahres. Während beim Ballon d'Or nur Journalisten abstimmen, dürfen bei der Fifa die Kapitäne aller Nationalteams, die Trainer aller Nationalteams, ein Journalist aus jedem Land und Fans abstimmen. Lewandowski erhielt vier Punkte mehr als Messi.

"Vielen, vielen Dank, ich fühle mich sehr geehrt", sagte Lewandowski. Vom Moderator, dem früheren englischen Nationalspieler Jermaine Jenas, wurde er auch nach dem im vergangenen Jahr gestorbenen Gerd Müller gefragt, ein Video ihm zu Ehren hatte zum Abendprogramm gehört. "Leider ist Gerd nicht mehr bei uns. Aber ohne ihn hätte ich all das nicht geschafft. Es geht immer um den nächsten Schritt, um die nächsten Ziele zu erreichen", sagte Lewandowski. "Diesen Rekord zu brechen", also 41 Saisontore zu erzielen, "war ein Traum für mich".

Manche der zuvor Gekürten hatten ehrlich überrascht gewirkt. Emma Hayes, Coach vom Frauen-Champions-League-Finalisten FC Chelsea, die als weltbeste Trainerin ausgezeichnet wurde, versicherte, es habe gerade noch an ihrer Tür geklingelt; sie wusste gar nicht, was sie sagen sollte. Selbst Thomas Tuchel sagte lachend, nachdem die Wahl auf ihn statt auf Italiens Nationaltrainer Roberto Mancini oder Manchester Citys Pep Guardiola gefallen war, ehrlich gesagt sei ihm das jetzt gerade ein bisschen unangenehm. Er ist als Welttrainer des Jahres übrigens der Nachfolger von Jürgen Klopp, womit zweimal wenigstens indirekt auch der FSV Mainz 05 ausgezeichnet wurde, von dem aus beide einst in die große Fußballwelt aufbrachen.

Lewandowski, diesmal mit Krawatte statt Fliege, wirkte dagegen mit dem Pokal, der schon seit einem Jahr ihm gehört, eher so geschäftsmäßig, wie es oft aussieht, wenn er seine Tore erzielt. 23 hat er schon wieder geschossen, in 19 Spielen dieser Saison. 300 Bundesliga-Tore sind es insgesamt. Auch der 365-Tore-Rekord von Gerd Müller ist nicht mehr sicher. Eine "Tormaschine" hat Torwart Manuel Neuer seinen Kollegen nach den jüngsten drei Treffern am Samstag in Köln genannt.

Neuer, die Torverhinderungsmaschine, wurde diesmal in der Torwart-Rangliste nur an Position drei gewählt, es gewann Edouard Mendy vom FC Chelsea. Und Lewandowski? Würde wahrscheinlich auch bei der Weltfußballerwahl 2022 eher ungern Dritter werden. "Hat er einen Gipfel erreicht, denkt er schon wieder an den nächsten", sagte Kahn. Der Vertrag des Stürmers beim FC Bayern läuft bis 2023. Und nach allem, was man weiß, würde der Verein die Zusammenarbeit gerne fortsetzen.

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