Süddeutsche Zeitung

60. Bundesliga-Saison:Endlich wieder ein Titelkampf!

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Robert Lewandowski schießt seine Tore jetzt in Barcelona? Zum Glück, denn jetzt können gleich 18 Klubs ihre Kandidaten für den neuen Schützenkönig in Stellung bringen. Eine SZ-Prognose.

Von SZ-Autoren

Was Robert Lewandowski alles kann, das wissen die Anhänger des FC Barcelona spätestens seit seiner offiziellen Präsentation am Freitag im Camp Nou. Tief in der Hocke und mit gestrecktem Rücken stoppte Lewandowski Bälle mit der Brust; er zeigte Nachwuchskickern ein paar Tricks mit dem Ball, die sie ohnehin niemals so kunstvoll beherrschen werden wie er; auf dem Rasen küsste er schwungvoll seine Frau Anna Lewandowska; lässig saß er auf einem Holzhocker und trug dabei Schuhe ohne Strümpfe.

Und als er den 57 000 Zuschauern, die eigens für die erste offizielle Lewandowski-Show in Spanien Karten erworben hatten, schließlich versprach, "dass ich euch in diesem Stadion viele Tore schenken werde", da wollte ihm niemand widersprechen. Ein paar Tausend Kilometer entfernt, in Lewandowskis alter Heimat Bundesliga, wurde diese Ankündigung nicht nur mit Wehmut aufgefasst - sondern auch mit Vorfreude. Denn auch wenn die Schale selbstverständlich in der kommenden Saison wieder exklusiv an den allseits geliebten Meisterschaftsmonopolisten FC Bayern vergeben wird, so ist nach acht Jahren Lewandowski ein anderer Wettbewerb wieder freigegeben worden für die Konkurrenz. Die ganze Bundesliga fragt sich: Wer wird der Schützenkönig der Saison 2022/23?! 18 Klubs bringen hierfür ihre Kandidaten in Stellung, einer natürlich aussichtsreicher als der andere. Die SZ wagt eine Prognose.

FC Bayern München

Manches erinnert beim FC Bayern derzeit an die späten 1960er-Jahre und an eine Zeit, als auf der Welt das friedliche Gemeinsamsein in Mode kam. Wie bei den Hippies denken sie an der Säbener Straße jetzt nämlich im Kollektiv. Die Macht des Einzelnen - also des kaum lagerfeuertauglichen Torjägers Robert Lewandowski - soll nun auf viele Schultern verteilt werden: Alle dürfen beim FC Bayern in dieser Saison Tore schießen! Sogar Sadio Manés Fahrer wurde zuletzt unter Vertrag genommen, vielleicht macht der ja auch mal einen rein. Und bestimmt ergeht auch eine Einladung an Lothar Matthäus in den wöchentlichen spirituellen Torschützen-Sitzkreis. Eins scheint gewiss zu sein: Von so kapitalistischen, wettbewerbsgetriebenen Ausgeburten des Fußballsystems wie der Torjägerkanone möchten sich die Münchner ab sofort klar distanzieren. Felix Haselsteiner

Borussia Dortmund

Noch spannender als die Frage, wie viele Tore Dortmunds Mittelstürmer in der neuen Saison wohl schießt, ist die Frage, wer dieser Mittelstürmer überhaupt sein wird. Später in der Saison könnte es der tapfere, krebserkrankte Sébastien Haller werden; fürs erste Spiel drängt sich der 17 Jahre junge Youssoufa Moukoko auf - aber für die Besetzung dazwischen haben sich massive Transferspekulationen entwickelt mit Übergangs-Torjägern wie dem favorisierten Edinson Cavani (vereinslos, zuletzt Manchester United) oder auch Memphis Depay (Barcelona), Edin Dzeko (Inter Mailand), Mauro Icardi (PSG) und Anthony Modeste (Köln). Kommende Woche soll eine Entscheidung fallen. Es ist eine extreme, weil schwer zu kalkulierende Herausforderung für Trainer Edin Terzic und Sportchef Sebastian Kehl. Sollte am Ende kein BVB-Spieler in den Top fünf der Torschützen auftauchen, wären sie unter diesen Umständen womöglich nicht mal böse. Ulrich Hartmann

RB Leipzig

In Leipzig träumen sie von ihrem verlorenen Sohn. Timo Werner ist zwar kein Sachse, sondern Schwabe. Aber er zog ja 2020 nach vier Jahren und 78 Toren in 127 Spielen für die Leipziger nach England. Anders als der verlorene Sohn aus dem Lukasevangelium ist er weder zum Schweinehirtenhirten noch zum Bettler verkommen. Auch hat er sich bei RB-Boss Oliver Mintzlaff nicht um eine Stelle als Tagelöhner beworben. Finanzielle Abstriche aber würde er im Vergleich zu Chelsea wohl machen. Von anderen Interessenten wird auch geraunt; sie haben aber wohl kein Angebot vorgelegt. Leipzig will Werner vorerst nur leihweise; Chelsea will ihn für viel Geld verkaufen. Sollte Werner nicht kommen, muss es also Christopher Nkunku richten - Deutschlands Fußballer des Jahres der abgelaufenen Saison. Javier Cáceres

Bayer Leverkusen

Schick wird immer schicker, Schick schießt die schicksten Tore, Schick war Bochums Schicksal, Schiri schickt Schick in Skiferien - Patrik Schick muss damit leben, dass mit seinem Namen teilweise schmerzende Wortspiele getrieben werden. Aber in dieses unschickliche Spiel schickt er sich gern, solange es auf dem Fußballplatz so gut läuft wie in der vorigen Saison. In 27 Punktspielen gelangen ihm 24 Tore - zur Freude seines Freundes und Förderers Rudi Völler. Völler, vormals Geschäftsführer, jetzt Aufsichtsrat, Besitzer des Kennerblicks, hatte sich für Schicks Verpflichtung besonders stark eingesetzt. Als sich im Frühjahr Anzeichen für Lewandowskis Weggang aus München ergaben, handelten die Leverkusener sofort: Sie erklärten Schick für unverkäuflich und statteten ihn dann mit einem längeren Vertrag zu garantiert schicken Konditionen aus. Philipp Selldorf

Union Berlin

Zu den vornehmsten Aufgaben eines Stürmers zählt das Tarnen & Täuschen, und da hat es der neue Neuner des 1. FC Union schon zu einer gewissen Meisterschaft gebracht. Ausweißlich der Zeitungen in Berlin lautet sein Nachname Siebatcheu, auf seinem Trikot prangt aber die Markenbezeichnung "Jordan". Obwohl das nur der zweite Teil seines Vornamenkompositums ist (Theoson-Jordan). In der vergangenen Saison war er noch bei Young Boys Bern tätig, aber auf seinem Shirt stand der Nachname der Mutter: "Pefok". Er spielt auch für die US-Nationalmannschaft, dabei wuchs er in Frankreich auf und spricht kaum Englisch. In der Vorbereitung trug er noch die Rückennummer 38 und die Aufschrift "Siebatcheu", nunmehr läuft er mit der 45 herum - wie einst die Basketball-Legende Michael Jordan. Und nennt sich auch so. Dass er sich in der Sportart geirrt hat, ist widerlegbar. Im vergangenen Jahr wurde er in der Schweiz mit 22 Treffern Torschützenkönig. Javier Cáceres

SC Freiburg

Ein Verein wie der SC Freiburg würde nie auf einen einzigen wankelmütigen Sturmstar setzen. Der finanziell gesündeste Klub der Liga hat auch in den Pandemiejahren ein Plus erwirtschaftet. Und wie auf dem Finanzmarkt üblich, kann sich Trainervater Christian Streich bei potenziellen Torschützen auf eine gewisse Risikostreuung verlassen. Mit 17 Torbeteiligungen in der vergangenen Saison ist Vincenzo Grifo der heißeste Kandidat auf die Torjägerkanone. Damit der mit seinem Doppelpasspartner Christian Günther nicht wieder für einen Überschuss auf der linken Spielfeldseite sorgt, wurde die Offensivkraft um einen flinken Rechtaußen ergänzt: Ritsu Doan. Dass der ehemalige Bielefelder ein Siegtorschütz sein kann, bewies er im Pokal in Kaiserslautern, als er per Freistoß traf. Leider muss sich der zweikampfstarke Lucas Höler, nicht zu verwechseln mit dem zweikampfstarken Nicolas Höfler, zu Saisonbeginn erstmal von einem Mittelfußbruch erholen. Aber da gibt es ja noch Nils Petersen, den besten Joker der Bundesliga-Geschichte. Dessen Karriereziel war eigentlich nur Verbandsliga, aber im Breisgau sind sie ja bekanntlich bescheiden. Karoline Kipper

1.FC Köln

Das Wort Diva blieb früher Frauen vorbehalten. Marlene Dietrich war eine Diva, Maria Callas oder auch die Eintracht aus Frankfurt. In einer Zeit, in der Frauen und Männer bekommen sollen' was ihnen zusteht, ist es nun recht und billig, Anthony Modeste zum Divo zu ernennen. Divo Modeste entlarvt sich demonstrativ auf dem Trainingsplatz, wenn es ihm zu heiß, zu anstrengend oder zu langweilig ist, weil wieder irgendetwas Taktisches studiert wird. Divo Modeste, 34, ist zudem gekränkt, dass man ihm keinen neuen Drei-Jahres-Vertrag anbietet, schnippisch sagt er, man wolle ihn doch sowieso verkaufen. Bisher ist aber niemand beim 1. FC Köln vorstellig geworden, es wird also an Steffen Baumgart liegen, den Divo zu bändigen. Der FC braucht die Tore des begnadeten Jägers Modeste. Aber Modeste muss erst wieder einsehen, dass er auch den FC braucht. Philipp Selldorf

FSV Mainz 05

Die Saison hat noch nicht einmal begonnen, da graut es dem Mainzer Sportvorstand schon vor der Winterpause. Grund ist der "größte Witz, den der Weltfußball jemals gemacht hat" - so bezeichnete Christian Heidel kürzlich die Winter-WM in Katar. Die sei auch deswegen "ein komplettes Unding", weil Teams wie Mainz 05 vor der Herausforderung stehen, für nahezu ihren gesamten Kader zehn pflichtspielfreie Wochen zu füllen. Teams wie Mainz 05 meint in diesem Fall Teams mit wenigen WM-Fahrern. Immerhin: Um die Winterplanung von Jonathan Burkardt müssen sie sich in Mainz nicht kümmern. Der 22-Jährige wird schon in der Hinrunde so viele Tore schießen, dass Bundestrainer Hansi Flick gar nicht anders kann, als ihn mit in die Wüste zu nehmen. Und wenn er dann erst beflügelt ist von den drei Minuten Einsatzzeit als Einwechselspieler im letzten Vorrundenspiel gegen Costa Rica, dann trifft er zurück in Mainz sogar noch besser und wird Torschützenkönig. Also mindestens. David Kulessa

TSG Hoffenheim

Als sie bei der TSG 1899 Hoffenheim im März, nur Minuten vor Anpfiff des Heimspiels gegen den FC Bayern, die Vertragsverlängerung mit Andrej Kramaric verkündeten, ahnten wohl beide Parteien nicht, welch tragisches Ende diese Saison noch nehmen würde. Auf das 1:1 gegen den Rekordmeister folgten acht weitere sieglose Spiele und der Absturz auf Rang acht, dabei hatte es zwischenzeitlich sogar nach Champions League ausgesehen. Dass Kramaric, 31, selbst eigentlich in diesen Wettbewerb gehört, konnte der Hoffenheimer Rekordtorschütze (88 Tore in 192 Bundesligaspielen) vergangene Saison nur selten unter Beweis stellen. Sechs Treffer sind für einen wie ihn viel zu wenig. Gut, dass diese Quote eine Ausnahme bleiben wird. Andrej Kramaric werden nun sogar so viele Tore gelingen, dass er schafft, was Mario Mandzukic, Ivica Olic und Mladen Petric verwehrt blieb: als erster Kroate die Torjägerkanone in Empfang nehmen. David Kulessa

Borussia Mönchengladbach

Mit drei seiner besten Torschützen hat Borussia Mönchengladbach derzeit ein Problem: Die Verträge von Jonas Hofmann, Lars Stindl und Marcus Thuram laufen nächstes Jahr aus. Das eröffnet Risiken für kurzfristige Wechsel. Es ist an diesem ersten August-Wochenende also noch gar nicht klar, wer von ihnen nach dem 31. August für Gladbach auf Torejagd geht. Wollte man sich in Unkenntnis künftiger Transfers auf einen Torschützenkönigsanwärter festlegen, müsste man alleine schon ehrenhalber den treuen Patrick Herrmann, 31, nennen. Flaco, der Schmächtige, hat für Gladbach bisher 46 Tore geschossen - allerdings, nun ja, verteilt auf 13 Spielzeiten. Man könnte also sagen, dass es langsam Zeit wird für einen Angriff auf die Torjägerkrone. Wenn nicht jetzt, wann dann? Ulrich Hartmann

Eintracht Frankfurt

Beim Versuch, die Tore von Filip Kostic nachträglich auseinanderzuhalten, müssen selbst Filip-Kostic-Experten auf einen banalen Trick zurückgreifen. Sie müssen sich am Trikot des Gegners und vielleicht am eingeblendeten Spielstand orientieren, ansonsten ist eine Unterscheidung unmöglich. Das Tor, das Kostic dauernd schießt, geht so: Der Ball gerät am linken Strafraumeck in seine Nähe, Kostic holt aus und befördert den Ball mit einem präzisen Hieb aus sogenanntem spitzen Winkel in das sogenannte lange Eck. Jeder Torwart weiß das, keiner kann es verhindern. Bei der DFL beraten sie nun, ob es ab dem dritten identischen Tor ein Tor gratis obendrauf geben könnte und ab dem siebten vielleicht sogar zwei. Diese Regelung könnte Kostic in die Lage versetzen, mit ein und demselben Tor die Torjägerkanone zu gewinnen. Sollte Kostic die Eintracht im Sommer doch noch verlassen, würden Frankfurts Chancen auf den Erwerb dieser begehrten Trophäe erheblich sinken - es sei denn, die DFL gäbe dem Antrag statt, wonach auch jene Tore in die Wertung kommen, die der Ex-Frankfurter Martin Hinteregger gerade für den österreichischen Fünftligisten SGA Sirnitz erzielt. Christof Kneer

VfL Wolfsburg

Bei der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH handelt es sich um eine hundertprozentige Tochter eines an der Börse notierten Autokonzerns, und als solche ist sie verpflichtet, im Sinne der Aktionäre zu handeln. Sprich: maximale Gewinne einzufahren. Na gut, diese juristische Herleitung mag lücken- bis fehlerhaft sein, zumal das Profiteam des VfL in der vergangenen Saison nicht oft gewann. Aber wenn der neue Wolfsburger Trainer Niko Kovac seinen Job ernst nimmt, wird er alles tun, damit die Gewinnrate wieder deutlich ansteigt. Unabdingbar dafür sind Tore. Kovac hat zwar ein paar echt gute Stürmer im Kader, zum Beispiel die jungen Jonas Wind und Lukas Nmecha oder den stets umtriebigen Max Kruse. Einen Torjäger im besten Stürmer-Alter hat Kovac aber nicht. Da trifft es sich gut, dass in Alexandra Popp, 31, eine EM-Torschützenkönigin im Unternehmen angestellt ist, die sich selbst kürzlich als "Alexander" vorstellte. Wie man diesen Posten vom VfL-Frauenteam ins VfL-Männerteam umbucht, müssen dann vielleicht wirklich Juristen klären. Aber wurde neulich nicht auch der neue VW-Chef Oliver Blume innerhalb des Konzerns von Porsche nach Wolfsburg transferiert? Thomas Hürner

VfL Bochum

Wer sich wundert, dass der offensiv eher introvertierte VfL Bochum bei der Suche nach dem künftigen Schützenkönig überhaupt Erwähnung findet, braucht bloß ein paar Jahre zurückdenken: 2003 stellte der Ruhrpottklub schonmal den torträchtigsten Spieler: der Däne Thomas Christiansen erzielte 21 Treffer. Und vier Jahre später traf der Griechen Theofanis Gekas 20 Mal, auch das war damals unerreicht. In diesem internationalen Reigen drängt sich jetzt ein 29 Jahre alter Sauerländer auf: Philipp Hofmann, neuer VfL-Mittelstürmer anstelle des nach Gelsenkirchen übergelaufenen Sebastian Polter, hat in den vergangenen drei Spielzeiten 17, 13 und 19 Treffer erzielt. Problem: Er hat die Tore zuletzt alle für den Zweitligisten Karlsruher SC geschossen und noch kein einziges Erstligaspiel bestritten. Unschätzbarer Vorteil allerdings: Die Innenverteidiger der Liga kennen ihn wahrscheinlich gar nicht. Ulrich Hartmann

FC Augsburg

Immer mit der Ruhe! Das ist die Standardantwort beim FC Augsburg, wenn es Nachfragen zu Ricardo Pepi, 19, gibt. Mehr als 16 Millionen hat der US-Nationalstürmer im Januar gekostet, ein Tor gelang ihm in bislang zwölf Pflichtspielen aber nicht. "Der FCA hat Pepi nicht geholt, damit er uns im ersten halben Jahr an die Spitze schießt", versicherte zum Beispiel FCA-Kollege André Hahn. Nur: André Hahn höchstpersönlich blockierte beim 4:0-Pokalsieg in Lohne mal wieder Pepis Platz im Sturm, ehe der Augsburger Rekord-Zugang nach 76 Minuten endlich ran durfte. SZ-Vorschlag: Wenn die beiden künftig ihre Spielzeiten gerecht aufteilen, klappt es vielleicht auch mit den Toren. In der Vorsaison hätte Pepi laut dieser Rechnung immerhin 2,5 Treffer erzielt. Zugegeben, mit dieser Quote kandidiert man nicht für die bundesweite Torjägerkanone. Aber in der FCA-internen Rangliste nähme Pepi schon mal einen Spitzenplatz ein. Thomas Hürner

VfB Stuttgart

Der Österreicher Sasa Kalajdzic gehört zu den Mittelstürmern, die Tore schießen, weil sie es können. Er trifft mit rechts, mit links und sowieso mit dem Kopf, erst recht, wenn ihm sein Haus- und Hoflieferant Borna Sosa die Sendung zustellt. Nach allem, was man hört, könnte sich Kalajdzic dem kaum zu verhindernden Gewinn der Schützentrophäe allerdings noch durch einen Vereinswechsel entziehen, ebenso wie Sosa, den unpraktischerweise aber nicht dieselben Vereine umwerben. In Stuttgart haben sie von Kalajdzic nun eine Art Sicherheitskopie gezogen und den nahezu baugleichen Darmstädter Luca Pfeiffer erworben, von dem allerdings nicht gleich der Sieg im Torjägerwettbewerb erwartet wird. Wie die vergangene Saison gezeigt hat, haben die Stuttgarter den bestmöglichen Nachfolger ohnehin schon in ihren Reihen. Der Abwehrspieler Konstantinos Mavropanos, 24, erzielt Tore mit dem Kopf, mit rechts und nach grimmigen Sololäufen, und er schießt diese Tore nicht, weil er es kann, sondern, weil er es will. Christof Kneer

Hertha BSC

Von Union lernen, heißt: siegen lernen. Und so bediente sich Hertha BSC wie der Nachbar aus Köpenick bei Young Boys Bern. Union holte den Torschützenkönig Jordan (s.o.), Hertha staubte dessen Vorbereiter ab: Wilfried Kanga. Jordan schoss in der vergangenen Saison 22 Tore für Bern, Kanga derer immerhin 12. Das birgt natürlich Stoff für einen neuen Ost-West-Vergleich. Kanga sei ein anderer Stürmertyp als er, sagt Jordan. Kanga sei schneller und dribbelstärker; er selbst, Jordan, arbeite mehr für die Mannschaft und also auch in der Defensive mit. Ob Kanga's kann? Gute Frage. Die Alternative bei Hertha heißt Davie Selke. Oder wäre Fredi Bobic am Ende doch gefährlicher? Fit ist der Manager. Javier Cáceres

Schalke 04

Wenn die Dinge erwartungsgemäß laufen, dann wird Simon Terodde der nächste Schützenkönig der Liga. Er ist der logische und quasi unvermeidliche Nachfolger für Robert Lewandowski. In 330 Ligaspielen hat Terodde 182 Tore geschossen, zuletzt 30 Stück für den Spitzenklub und deutschen Meister Schalke 04. Seriöse Experten versichern, der 34-Jährige nähere sich nun dem Höhepunkt seines Spielvermögens. Dass er, wie berichtet wurde, seinem Schwager 25 Saison-Tore angekündigt habe, hat Terodde dementiert: "Ich habe mir natürlich 30 Tore vorgenommen - 25 wäre tiefstapeln", erklärte er, selbstredend ohne zu schmunzeln. Vorgemerkt hat der Mittelstürmer auch den Abend des vierten Advents: Nicht, weil er dann eine Kerze anzünden will. Am vierten Advent findet in Doha, Katar, das WM-Endspiel statt. Natürlich mit deutscher Beteiligung - und mit Simon Terodde, wenn die Dinge erwartungsgemäß laufen. Philipp Selldorf

Werder Bremen

In Bremen gibt es wieder welche, die wie Stars behandelt werden. Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug kamen in der vergangenen Saison zusammen auf 39 Tore. Als Niclas "Lücke" Füllkrug kürzlich nach einem passenden Spitznamen für sie beide gefragt wurde, kam ihm "die hässlichen Vögel" in den Sinn. Aufgrund ihrer Zahnstellung und der Bissigkeit vor dem Tor wäre aber auch die Bezeichnung "Duo dentale" treffend. So oder so: Spieler, die Spitznamen ihrem Aussehen zu verdanken haben, sind bei Werder Bremen traditionell erfolgreich. 18 Jahre ist es erst her, dass Ailton Gonçalves da Silva, genannt Kugelblitz, Torschützenkönig wurde. Allerdings hatte der auch Johan Micoud an seiner Seite, Spitzname "le chef". So elegant wird diese Saison niemand bei Werder mit dem Ball umgehen, aber das muss das Duo dentale ja auch gar nicht. Kieferorthopäden werden nicht für Eleganz bezahlt. Karoline Kipper

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