Robert Lewandowski:Mit jeder Faser bis zum 41.

Lesezeit: 3 min

Bayern München - FC Augsburg

Robert Lewandowski nach seinem 41. Saisontor in der Nachspielzeit.

(Foto: Matthias Schrader/dpa)

In den letzten Sekunden der Saison gelingt es Robert Lewandowski doch noch, mit dem 41. Treffer den Rekord von Gerd Müller zu überbieten. Trainer Hansi Flick hatte schon nicht mehr daran geglaubt.

Aus dem Stadion von Sebastian Fischer

Diesmal trug Robert Lewandowski unter dem Trikot kein T-Shirt, das er Gerd Müller widmete, diesmal zeigte er seine Muskeln. Vor einer Woche, als der Stürmer des FC Bayern den Rekord des besten Bundesliga-Torschützen der Geschichte mit seinem 40. Saisontor in Freiburg bereits eingestellt hatte, da war noch eine Botschaft auf seiner Brust zu lesen gewesen: "4everGerd", als Hommage an den größten Stürmer der Geschichte des FC Bayern. Doch nun, als er in der 90. Minute, in den letzten Sekunden dieser Bundesligasaison zum 41. Mal traf, um den für ewig gehaltenen Rekord zu überbieten, entschied sich der Weltfußballer dafür, seine Stärke zu zeigen, im wahrsten Sinne des Wortes: jede Faser seines Oberkörpers.

Leroy Sané hatte geschossen, Torwart Rafal Gikiewicz hatte gehalten, wie so oft an diesem Nachmittag. Der Augsburger war seinem polnischen Landsmann zahlreich im Weg gewesen. Diesmal ließ er den Schuss nach vorne abprallen, Lewandowski hatte darauf gelauert. Und eine weitere von vielen fast schon kitschigen Geschichten dieses Nachmittags war perfekt.

5:2 (4:0) schlug der FC Bayern den FC Augsburg, bevor der Rekordmeister zum neunten Mal in Serie die Meisterschale in Empfang nahm. Selbst die Zeremonie orientierte sich am Thema des Tages: Nicht Kapitän Manuel Neuer stemmte die Trophäe als Erster in die Höhe, sondern Jérôme Boateng, David Alaba und Javi Martínez, jene drei Profis also, die sich genauso verabschiedeten wie Flick und dessen Assistenten Miroslav Klose und Hermann Gerland. Schon vor dem Spiel bekamen sie alle die für solche Anlässe obligatorischen Foto-Collagen überreicht, freundlicherweise bekam sogar Tiago Dantas ein Bild, jener 20-jährige Ergänzungsspieler, der nach Ende seiner Leihe wieder zu Benfica Lissabon zurückkehrt. Dazu applaudierten, das war die nächste Besonderheit, erstmals seit März 2020 wieder ein paar Zuschauer in der Arena: 250 waren erlaubt. "Deutscher Fußballmeister, FCB", sangen sie. Der Anpfiff verzögerte sich um sechs Minuten.

FC Bayern Muenchen v FC Augsburg - Bundesliga

Javi Martinez, Jérôme Boateng und David Alaba nehmen die Schale in Empfang.

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Flick, 56, bedachte später jede einzelne dieser Geschichten mit Elogen in seiner letzten Pressekonferenz als Trainer des FC Bayern, er bedankte sich bei allen Spielern, besonders bei den scheidenden. Und wenn man so will, dann sah er in Lewandowskis Rekord, dem 99. Tor der Münchner Saison, noch einmal viel von dem repräsentiert, was der Mannschaft in den vergangenen eineinhalb Jahren zu sieben Titeln verholfen hat: "Ich finde schon, dass so eine Einzelleistung, so ein Rekord natürlich eine Mannschaftsleistung ist", sagte Flick. Und trotzdem glaubte er zwischenzeitlich selbst nicht mehr daran: In der 88. Minute habe er zu Torwarttrainer Toni Tapalovic auf der Bayern-Bank gesagt: "Ich glaube, heute macht er kein Tor mehr."

In der neunten Minute hatte Lewandowski seine erste Chance, als er eine Hereingabe von Serge Gnabry verpasste. Stattdessen beförderte Augsburgs Verteidiger Jeffrey Gouweleeuw den Ball über die eigene Linie. Die Gäste hatten sich vorgenommen, alles zu unternehmen, um Lewandowskis Rekord zu verhindern, so hatte es Trainer Markus Weinzierl angekündigt, schließlich sei Gerd Müller sein Idol. Doch das Verteidigen gegen wie immer offensiv dominante, gnadenlos überlegene Bayern gelang Augsburg kaum.

Die Kollegen suchten ihn bei jedem Angriff

In der 23. Minute hatte Lewandowski die nächsten Chancen, zwei direkt hintereinander. Zweimal hielt Gikiewicz, bevor Gnabry per Kopfball im Nachsetzen traf. Lewandowski versuchte noch, mit einem Ausfallschritt seinem Kollegen den Treffer zu klauen, aber kam zu spät und musste selbst grinsen: Das wäre schon eine unrühmliche Art und Weise gewesen, ein historisches Tor zu erzielen.

Es gab ohnehin ein paar Wortmeldungen in den vergangenen Tagen, die ihm vorsichtig den Verzicht nahegelegt hatten. "Ich hätte kein Problem damit, wenn am Ende beide 40 Saisontore hätten, der Lewy und der Gerd", sagte zum Beispiel Assistenztrainer Gerland. Doch Lewandowski hätte wohl nie 40 Saisontore geschossen, wenn er nicht auch das 41. gewollt hätte. Und seine Kollegen wollten es sichtlich auch, sie suchten ihn bei jedem Angriff.

Lewandowski vergab weiter Gelegenheiten, mal mit dem Kopf, mal mit dem Fuß. Eine Chance erinnerte an jene in Freiburg vor einer Woche, als er den Ball auf der Torlinie nicht im Tor untergebracht hatte, wie aus Ehrfurcht vor der Geschichte. Diesmal grätschte Augsburgs Marek Suchy bei einem Schuss aus dem Fünfmeterraum dazwischen. Lewandowski grinste schon fatalistisch. Aber, sagte Flick, es zeichne den Stürmer aus, "dass er antizipiert, dass er das Näschen hat". Dann, wenn es drauf ankommt, was am Samstag in der 90. Minute der Fall war.

Robert Lewandowski: Zum sechsten Mal wird Robert Lewandowski Torschützenkönig der Bundesliga. Mehr Titel hat nur: Gerd Müller (7).

Zum sechsten Mal wird Robert Lewandowski Torschützenkönig der Bundesliga. Mehr Titel hat nur: Gerd Müller (7).

(Foto: Sven Hoppe/AP)

Nach dem Tor lief Lewandowski auch zu Flick nach draußen, umarmte ihn, lief für weitere Danksagungen zur Bank. Auch der "Staff" habe Anteil an diesem Rekord, sagte Flick, "ich glaube, Lewy weiß das". Als er auf den Platz zurückkehrte, sein Trikot noch gar nicht wieder ganz angezogen, war das Spiel aus. Er bekam noch vor seinen Kollegen einen Pokal, die Kanone für den besten Torjäger der Saison.

Auf der Leinwand begann danach die Stadionregie, ein Video mit jedem einzelnen Tor abzuspielen. Doch vielleicht waren es zu viele, oder es war zu viel der Inszenierung. Denn mittendrin brach das Video ab, und dann liefen auch auf der Anzeigetafel die Live-Bilder von der Meisterfeier. Dort, auf der Bühne, war auch der Weltfußballer mindestens für ein paar Minuten nur ein wichtiger Teil einer herausragenden Mannschaft.

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