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Leverkusen verliert 1:3 gegen Barça:Mehr Messi-Fan als Messi-Gegner

Wer bekommt das Trikot von Lionel Messi? Einigen Leverkusenern schien der Kampf um das blaue Hemd wichtiger als die Erkenntnis, dass Bayer nach dem Achtelfinal-Hinspiel aus der Champions League so gut wie ausgeschieden ist. Ans Weiterkommen glaubt kein Bayer-Profi mehr - Trainer Robin Dutt beschwört lieber den "Lerneffekt".

Anhänger bitten ihn um Autogramme oder Fotos, manchmal sind sie schon überglücklich, wenn er ihnen nur einen Blick schenkt. Ungewöhnlich findet Lionel Messi das nicht, als aktuell bester Fußballer der Welt ist die Belagerung durch Fans für ihn zum Normalzustand geworden. Vermutlich ist er nicht einmal erstaunt, wenn ihn - wie jetzt in Leverkusen - noch auf dem Feld gleich zwei gegnerische Kicker bestürmen.

Bayer Leverkusen's Schwaab and Corluka challenge FC Barcelona's Messi during their Champions League soccer match in Leverkusen

Ehrfürchtig: die Bayer-Profis Daniel Schwaab (links) und Vedran Corluka (rechts) gegen Lionel Messi.

(Foto: REUTERS)

Ehrfürchtig wie C-Jugendliche warteten die Nationalspieler Michal Kadlec und Manuel Friedrich schon Sekunden nach dem Pausenpfiff vor dem kleinen Stürmer des FC Barcelona und erbaten dessen Trikot. Keine ganz leichte Entscheidung für den dreifachen Weltfußballer, schließlich wäre keinem der beiden mit einem in zwei gleich große Stücke gerissenen Hemd geholfen gewesen.

Die Szene endete zum Vorteil Friedrichs, verriet aber einiges über die Haltung, mit der die Leverkusener am Dienstagabend Messi und seine Übermannschaft empfingen: Bei ihrer verdienten 1:3-Niederlage wirkten die Bayer-Profis gelegentlich mehr wie Fans denn wie Gegner. Als unterwürfig hatte mancher Beobachter schon die Aufstellung mit André Schürrle als einziger Spitze empfunden. Auf dem Rasen waren die Leverkusener Aktionen dann zumindest anfangs tatsächlich von größtem Respekt geprägt.

In den wenigen Momenten, in denen der Titelverteidiger ihnen in der ersten Halbzeit überhaupt den Ballbesitz gestattete, vermochten die Bayer-Spieler den Ball kaum über mehr als zwei Stationen zu transportieren. Ehrfurcht allein sei dafür nicht die Ursache gewesen, erläuterte Simon Rolfes: "Das Problem ist, dass sie so ballsicher sind, dass man einen enorm hohen läuferischen Aufwand betreiben muss. Wenn man den Ball dann mal gewinnt, sind sie relativ erholt, man selbst aber nicht - und darunter leidet dann das eigene Offensivspiel."

Zumal Barcelona nach den seltenen eigenen Ballverlusten jedes Mal ein aggressives Pressing startet, das den Gegner schnell zu Fehlern zwingt. Gelegentlich passieren diese aber auch ohne eigenes Zutun: Als Friedrich kurz vor der Pause unbedrängt einen Ball an Messi verlor, folgte wenige Sekunden später die 1:0-Führung der Gäste durch Alexis Sanchez (41. Minute).

Vielleicht war es der Frust über das in der Pause entgangene Trikot, der bei Michal Kadlec die Energie freisetzte, mit der er kurz nach dem Wechsel nach feiner Flanke von Vedran Corluka zum völlig überraschenden Ausgleich einköpfte (52.). Dieser Treffer bewirkte bei den Leverkusenern jedenfalls eine urplötzliche, nicht für möglich gehaltene Wandlung: Statt des bis dahin eingeschüchterten Haufens erlebten rund 30.000 Zuschauer nun eine mutig angreifende Elf - die aber nur drei Minuten später mit dem 1:2 durch Sanchez (55.) auf den Boden zurückgeholt wurde.

Bei der Analyse dieses Treffers und seiner Entstehungsgeschichte gab Robin Dutt Einblicke in die Abwägungen, derer sich kein Gegner des FC Barcelona entziehen kann: "Wenn du mit zehn Mann verteidigst, sieht es langweilig aus, aber wenn du offensiv spielst, bekommen sie Räume", erklärte Dutt: "Das ist die Krux an dieser Geschichte."

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