Leverkusens Dominanz gegen Union:So ein einseitiges Fußballspiel hat die Liga lange nicht gesehen

Leverkusens Dominanz gegen Union: Xabi Alonso erlebte ein ganz entspanntes Spiel gegen Union, denn seine Leverkusener waren hochüberlegen.

Xabi Alonso erlebte ein ganz entspanntes Spiel gegen Union, denn seine Leverkusener waren hochüberlegen.

(Foto: Ina Faßbender/AFP)

"Das war heute ein Klassenunterschied": Bayer 04 zerlegt auch Union Berlin wie ein echtes Spitzenteam und festigt seine Tabellenführung vor den Bayern - Trainer Alonso und seine Elf stellen einen Rekord ein.

Von Philipp Selldorf, Leverkusen

Knapp 54 Minuten waren vergangen, da passierte in der Leverkusener Arena etwas Außergewöhnliches. Erstens: Union Berlin startete gemeinschaftlich einen Angriff. Zweitens: Erstmals hatten alle Berliner Spieler die Mittellinie überschritten. Sollte dieser Moment etwa einen Wendepunkt markieren? Sollte Union plötzlich aus der Deckung kommen und Bayer Leverkusen für die Fahrlässigkeit bestrafen, trotz etlicher Möglichkeiten lediglich ein einziges Tor vorgelegt zu haben?

Ja, das waren die Fragen, die sich die 29 384 Zuschauer in diesem Augenblick stellen durften, aber wenn sie solcherart zweifelten, dann zweifelten sie nicht länger als ein paar Wimpernschläge. Nachdem die Unioner ergebnislos ihren ersten und am Ende auch einzigen Eckstoß ausgeführt hatten, nahm das Geschehen wieder das alte Bild an. Bayer Leverkusen beherrschte die Szene, führte den Ball - und schoss schließlich auch die nötigen Tore. Das 4:0, das nach zwei Minuten Nachspielzeit auf der Anzeigetafel stand, drückte die Überlegenheit des Tabellenführers standesgemäß, aber längst nicht ausreichend aus. So ein einseitiges Fußballspiel wie dieses hat die Liga lange nicht gesehen. "Das war heute ein Klassenunterschied", fand Urs Fischer, der Berliner Trainer.

Allerdings würden es sich die Leute beim FC Union zu leicht machen, wenn sie sich zum Opfer eines souverän aufspielenden Gegners erklärten, denn nicht der spielerische Glanz der Leverkusener Elf war das Thema, sondern die erschütternde Ambitionslosigkeit der Berliner. Schon nach elf Sekunden war Fischers Konzept erkennbar: Vor der Fünfer-Abwehrkette hatte er eine Vierer-Abwehrkette Aufstellung nehmen lassen, David Fofana fungierte als einsame Sturmspitze. Soweit nichts Besonderes, wenn ein Abstiegskandidat beim Spitzenteam antritt. Doch selbst fürs Mauern fehlte es an den elementaren Zutaten. "Da musst du mutig sein, da musst du dir etwas zutrauen, aber das haben wir nicht hinbekommen", befand Trainer Fischer.

Kampfgeist und Leidenschaft blitzten lediglich in einer Sequenz auf, die dem 0:3 durch Jonathan Tah (73.) folgte - in den Protesten bei Schiedsrichter Timo Gerach. Die Unioner reklamierten ein Handspiel, auch da lagen sie falsch. "Wir müssen uns in vielen Bereichen verbessern, sonst wird es ganz schwierig, die Klasse zu halten", stellte Christopher Trimmel fest.

Xabi Alonso bleiben nur Floskeln der Höflichkeit nach dem 4:0 gegen Union

Es sei "nicht einfach" gewesen, sagte Bayer-Trainer Xabi Alonso, man habe "nicht so viel Raum" zur Verfügung gehabt, aber das waren wohl nur Floskeln der Höflichkeit, weil der herbstlich bedrückte Kollege Fischer neben ihm saß. In Wahrheit hatte Alonso einen entspannten Nachmittag erlebt. Sein Team fand sich im Berliner Abwehrdickicht gut zurecht, dem 1:0 in der 23. Minute durch einen weiteren Kunstschuss-Treffer von Verteidiger Grimaldo nach schicker Vorlage von Florian Wirtz waren mehrere hochklassige Chancen vorausgegangen, doch Mittelstürmer Victor Boniface wirkte ein bisschen müde und unkonzentriert, wenn es gerade drauf ankam.

Bis zur Pause schläferten sich die Leverkusener dann selbst etwas ein mit ihren Kurzpass-Spielchen im Mittelfeld, und auch nach dem Wechsel brauchten sie noch ein paar Minuten Bedenkzeit. Verteidiger Odilon Kossonou erzielte nach Eckball von Jonas Hofmann das 2:0 (53.) - "und dann war die Geschichte fertig heute", so der Unioner Trimmel. Der Rest war für Bayer einfach, das in Hochgeschwindigkeit erzielte 4:0 noch eine schöne Zugabe durch die eingewechselten Adli und Tella.

Während Alonso und sein Team einen Rekord einstellten, nämlich den Start-Rekord seines Landsmanns Pep Guardiola mit dem FC Bayern - zehn Siege, ein Remis nach elf Spieltagen -, sind Fischer und sein Team nun gleichzeitig Tabellenletzter und Champions-League-Teilnehmer. Alonso nimmt seine Bestmarke lässig. "Ein Rekord bedeutet nicht so viel, aber 31 Punkte sind wichtig", sagte er. Fischer hingegen spürt die Gefahr des Trends. Dass er von den mitgereisten Berliner Fans gefeiert wurde, weiß er einzuschätzen: "Das Vertrauen nehme ich wahr, auch der Klub hat sich klar geäußert. Aber das ist keine Jobgarantie. Die Situation wird immer wieder von Neuem bewertet." Am Sonntag gab es die denkbar schlechtesten Noten für den Auftritt der Unioner.

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