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Leverkusen reicht ein 1:1:Ein Tor nach Europa

Leverkusen, Deutschland, 16.05.2021, 1. Bundesliga 33. Spieltag, Bayer 04 Leverkusen - 1. FC Union Berlin, Joel Pohjanpa

Ein Leverkusener trifft gegen Leverkusen: Der nach Berlin ausgeliehene Stürmer Joel Pohjanpalo (Nummer 9) erzielt das 1:1 für Union.

(Foto: Jürgen Schwarz/Imago)

Bayer Leverkusen erreicht das Minimalziel Europa League. Trotzdem ist unklar, ob Hannes Wolf Trainer bleibt. Union hat derweil gute Chancen, sensationell in einen neuen europäischen Wettbewerb einzuziehen.

Von Milan Pavlovic, Leverkusen

Geschafft? Geschafft! Geschafft? Die letzten Minuten der Partie gegen Union Berlin wurden zum Sinnbild des Leverkusener Halbjahrs: Es stand 1:1, das würde dem Werksklub reichen, um die oft frustrierende Saison wenigstens auf einem Europa-League-Platz zu beenden. Aber diese zeckigen Gäste aus der Hauptstadt besaßen nach dem Ausgleich glatt die Dreistigkeit, auf den Sieg zu drängeln, mit vier Offensivkräften und Max Kruse in vorderster Front. Die Leverkusener reagierten irgendwie verdutzt, sie begannen, die Bälle wild wegzuprügeln, wenn sie nicht gerade wieder Chancen zu verheißungsvollen Kontern vermasselten. Zwischendurch ging der Blick zur Seitenlinie, wo Sven Bender eingewechselt werden sollte. Diese Berliner würden doch nicht etwa diese Abschiedsgeste stören und Bayer 04 obendrein zwingen, am letzten Spieltag in Dortmund zu punkten, um Platz sechs zu sichern?

Nein, das taten die Unioner nicht. Und so bekamen viele an diesem Nachmittag doch noch das, was sie wollten: Bayer Platz sechs, Union Platz sieben (und die unverhoffte Chance auf die neue Conference League). Und Sven Bender durfte dann doch noch seine Sekunden auf dem Platz in seinem letzten Heimauftritt als Bundesliga-Profi erleben - das war, nach 15 beinharten Profi-Jahren, mehr als sein ebenfalls scheidender Zwillingsbruder Lars sagen konnte, der vor dem Spiel im leeren Stadion in Straßenkluft verabschiedet und zum siebten Ehrenspielführers des Vereins gekürt wurde.

Bayer Leverkusen - 1. FC Union Berlin

Irgendwann geht man dann doch: Die Bender-Zwillinge Lars (links) und Sven (Zweiter von rechts) werden von den Bayer-Geschäftsführern Rudi Völler und Fernando Carro (rechts) verabschiedet.

(Foto: Ina Fassbender/dpa)

Lars Bender war verletzt, mal wieder, das sprang bei Leverkusen nur deshalb nicht sogleich ins Auge, weil dem Werksteam mehr als ein halbes Dutzend hochkarätiger Kicker abgingen. Zu den langzeitverletzten Arias (Schienbein), Baumgartlinger (Kreuzband), Fosu-Mensah (Kreuzband), Alario (Sehne), Bailey (Zeh), Sinkgraven (Innenband) gesellte sich auch der formstarke Palacios (Adduktoren) kurzfristig zum Bayer-Lazarett, dafür kehrte Charles Aránguiz als Sechser in die Startelf zurück.

Stellt Leverkusen Wolf nicht fest an, kehrt dieser zum DFB zurück

Der Chilene zeigte sich verbessert gegenüber seinen desolaten Auftritten des Frühjahrs, aber die Kontrolle über das Spiel übernahmen dennoch die gewohnt galligen Berliner Gäste. Sie agierten cleverer und gefälliger, nur richtige Chancen blieben Mangelware, sieht man von einem Minimalabseitstor von Max Kruse ab (21. Minute) und einem Kruse-Schuss, den Lukas Hradecky aus dem kurzen Eck fischte. Das Beste, was in dieser Phase über Leverkusen zu sagen war: Das Team vermied jede Art von Hektik oder Panik, die in den erfolglosen ersten Monaten dieses Jahres aufkamen, wenn es nicht gleich rund lief. Die Gelassenheit ist vermutlich Hannes Wolf zuzuschreiben, der als Nachfolger von Peter Bosz mehr Stabilität gebracht hat, in Fragen der Attraktivität allerdings einiges opferte. "Es siegt der Pragmatismus und die Freude über das Erreichen des Ziels", sagte der 40-Jährige.

Die Verantwortlichen lassen weiterhin offen, ob Wolf auch im nächsten Jahr Bayer-Coach bleibt, mehr Spektakel mit dem Spektakel-Kader wäre ihnen schon recht. Ein Kandidat ist er auf jeden Fall - im Gegensatz zum Dortmunder Edin Terzic. "Ich habe zwei Superjobs", sagte der vom DFB ausgeliehene Wolf lächelnd, einen werde er in der nächsten Saison ausüben. Die Partie gegen Union analysierte er auch treffend: "Wir können sicher besser Fußball spielen." Bis zum ersten Torschuss seiner Elf dauerte es 25 Minuten - bis zum schmeichelhaften 1:0 dann allerdings nur eine Minute länger. Da ließen die Gäste dem eher notorisch ungefährlichen Linksverteidiger Wendell doch ein bisschen arg viel Platz und Zeit am Strafraumeck, und so konnte der Brasilianer den Ball scharf in die Mitte bringen, wo sich der Teenager Florian Wirtz neben Andrich freigestohlen hatte und aus kurzer Distanz traf (27.). Vor einer Woche beim 0:0 in Bremen hatte Wirtz bei einer nahezu identischen Situation zwei Zehen weit im Abseits gestanden - diesmal nicht.

Danach versuppte die Partie eine Weile, bis der von Leverkusen nach Köpenick ausgeliehene Pohjanpalo nach seiner Einwechslung traf (72.) und nach mehr gierte. Es blieb dann aber beim 1:1, auch weil Diabys Schuss vom Unioner Schlussmann Luthe an die Latte gelenkt wurde (74.). Leverkusen kann nun gelassen nach Dortmund fahren, Amiri und Tapsoba verschafften sich durch Gelbsperren sogar einen freien Nachmittag. Union hingegen könnte durch einen Erfolg gegen Leipzig am 34. Spieltag Platz sieben sichern. Kurios: Wenn Trainer Fischer nicht doch ein verkappter Schauspieler ist, erfuhr er das tatsächlich erst durch den nach Abpfiff verteilten Spieltagszettel: "Wenn wir das gewinnen...", entfuhr es ihm, "das ist ja verrückt!"

© SZ
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