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Champions League:Rätselraten in Leverkusen

Champions League - Group D - Bayer Leverkusen v Lokomotiv Moscow

Die Leverkusener Spieler nach dem Abpfiff.

(Foto: REUTERS)
  • Bayer Leverkusen verliert in der Champions League 1:2 gegen Lokomotive Moskau - in dem Spiel gibt es teilweise grotesken Pannen.
  • Bayer-Trainer Peter Bosz muss sich hinterher Fragen nach dem Plan B anhören, den seine Mannschaft nicht zur Hand gehabt habe. Bosz sagt, die Niederlage sei nicht die Folge einer falschen Strategie gewesen.
  • Die Pleit lässt für Leverkusen wenig Hoffnung, in dieser extra schweren Gruppe den Sprung ins Achtelfinale zu schaffen.

Lukas Hradecky hatte sich angeblich wie kein Zweiter in seiner Mannschaft auf diesen Abend gefreut. Im stolzen Profialter von demnächst 30 Jahren erwartete er seinen ersten Einsatz in der Champions League. Aber als der vermeintlich glanzvolle Fußballabend vorüber war, stand der finnische Nationaltorwart in seinem grellgrünen Trikot und Badeschlappen ratlos vor ratlosen Menschen und gab sich geschlagen, als es darum ging, das Rätsel zu lösen, das alle beschäftigte.

Warum Bayer Leverkusen die Partie gegen Lokomotive Moskau 1:2 verloren hatte, das hatte zwar jeder gesehen: Die Niederlage beruhte auf einer in allen Belangen ungenügenden Leistung und war so wohlverdient, dass sich weder Sportchef Rudi Völler ("Unterirdisch!") noch Sportdirektor Simon Rolfes die Mühe machten, dies zu bestreiten. Aber warum die Elf in dieser Europacup-Partie aufgetreten war wie in einem lästigen Testspiel, darauf konnten sich auch erfahrene Zeugen von mysteriösen Bayer-Leverkusen-Pleiten keinen Reim machen.

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Auch Hradecky vermochte nur zu spekulieren. Vielleicht sei es "zu viel Euphorie" gewesen, vielleicht auch "zu viel Nervosität", mutmaßte er. Zumindest das Symptom Nervosität erschloss sich auf den ersten Blick. Als Karim Bellarabi nach wenigen Minuten eine obendrein unmotivierte Flanke kilometerweit hinters Tor setzte, dachte sich noch keiner Böses. Bellarabi hatte diese Streuungen schon immer in seinem Repertoire: artistische Ballannahmen, unwiderstehliche Soli und Präzisionsschüsse unter die Latte auf der einen Seite; Flanken ins Nichts, sinnlose Einzelaktionen und schlampige Chancenvernichtung auf der anderen Seite.

Bayer-Trainer Peter Bosz musste sich nach Plan B fragen lassen

Doch diese scheinbar nebensächliche Szene war der Start in eine Serie von teilweise grotesken Pannen. Reihum waren sie davon betroffen, eben waren es die Angreifer Leon Bailey und Kevin Volland, im nächsten Moment die Verteidiger Wendell und Jonathan Tah. Sogar Kai Havertz beging ordinäre Abspielfehler. Das 1:0 für Moskau durch Krychowiak (16.) legte Bailey nach einem Einwurf für Bayer vor, beim 1:2 (37.) war es Hradecky, der den Ball geradewegs zum Schützen schob, in einem Anflug von Umnachtung, wie es schien - eine bessere Erklärung für seine Untat hatte der Torwart jedenfalls nicht zu bieten.

Zur Pause konnten die Zuschauer glauben, sie hätten drei Eigentore gesehen. Denn mangels eigener Torchancen benötigte Bayer zum zwischenzeitlichen Ausgleich die Hilfe von Benedikt Höwedes, der immerhin eine bessere Ausrede hatte als Hradecky: Das notdürftig angebrachte Pflaster auf der Stirn habe seine Sicht eingeschränkt. Zur zweiten Hälfte nahm er das Schutzpflaster ab: Wie erwartet riss dann zwar die Wunde auf und es stellte sich ein Schädelbrummen ein - "aber das war mir lieber, als noch ein Eigentor zu machen". Die Leverkusener nahmen Rücksicht, aus viel Ballbesitz für die Hausherren entstand wenig Torgefahr. Für Moskau hielt Höwedes, 31, mit Nebenmann Vedran Corluka, 33, routiniert den Strafraum sauber.

Bayer-Trainer Peter Bosz musste sich hinterher Fragen nach dem Plan B anhören, den seine Mannschaft nicht zur Hand gehabt habe. Man merkte dem 55 Jahre alten Holländer an, dass ihm solche Deutungen nicht recht waren, sie berühren einen wunden Punkt. Seit den Tagen des Scheiterns bei Borussia Dortmund verfolgt ihn das Urteil - oder Vorurteil -, er kenne bei seiner Idee von Fußball nur einen einzigen Weg zum Ziel. Bisher ist er in Leverkusen mit seiner Lehre gut angekommen, an diesem Abend schien ihn die Vergangenheit einzuholen: Seine Mannschaft fand nie zu einem geordneten, zielstrebigen Spiel.

Die Niederlage sei nicht die Folge einer falschen Strategie gewesen, betonte Bosz energisch und verwies auf seine Umbauten in der Halbzeit ("Wenn man will, kann man das Plan B nennen"): Man habe bisher "auf alle Gegner, die kompakt hinten drin standen, eine Antwort gehabt", der misslungene Auftritt habe daher "nichts mit Plan A, B, C zu tun". Der These, dass sein Team den ersatzgeschwächten Vertreter der russischen Premjer-Liga unterschätzt habe, wollte er sich allerdings auch nicht anschließen. Einzelkritik erübrige sich ebenso: "Wir könnten alle Einzelspieler durchgehen und müssten sagen: Das machen sie normalerweise besser." Auch Bosz blieb nur Rätselraten. Gewissermaßen begegneten sich hier also zwei Vorurteile auf einmal: Jenes vom sturen Trainer und jenes von der typischen Bayer-Mannschaft, die hart darum gerungen hatte, den Wettbewerb zu erreichen - und gleich bei der ersten Gelegenheit den Dienst versagt.

Zudem fällt Bailey wegen eines Muskelfaserrisses voraussichtlich vier Wochen aus.

So endete der erste Champions-League-Abend nach zweieinhalb Jahren mit einer Niederlage, die für Bayer 04 nicht nur ausgesprochen peinlich war, sondern auch wenig Hoffnung lässt, in dieser extra schweren Gruppe den Sprung ins Achtelfinale zu schaffen. "Wir müssen jetzt Punkte holen, wo keiner das von uns erwartet", sagte Bosz.

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