Leverkusen - Gladbach:Der verblüffend geglückte siebte Spieltag

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Selbst Schiedsrichter Harm Osmers, der leider genötigt war, die jederzeit aufregende Begegnung zu beenden, trug zu deren Gelingen bei. Man hatte ihn nicht gesehen und nicht gehört, die Bühne überließ er den Spielern, und die machten das Beste daraus. Die Leverkusener freilich noch mehr als die Gäste, weshalb Marco Rose später große Mühe hatte, seine schlechte Laune zu verbergen. Er habe das Spiel nicht genießen können, sagte er im Kontrast zu seinem Leverkusener Kollegen: "Wenn man verliert, ist das ganz schwer." Den Sieg des Gegners nannte er fairerweise "verdient", die Leistung seiner Mannschaft bezeichnete er als "sehr ordentlich". Letzteres war nicht als Kompliment gemeint.

Leverkusen hatte insgesamt mehr zu bieten: mehr Tempo, mehr Einfallsreichtum, mehr Siegeswille, mehr Treffer - und mindestens einen Torwartfehler weniger. Yann Sommer hatte Bayer beim 2:2 kurz vor der Pause unterstützt, sein Pendant Hradecky hingegen konnte zweimal entscheidend eingreifen. Gegen Marcus Thuram und gegen Lars Stindl verhinderte er jeweils das 2:3. "Die besseren, größeren, klareren Chancen" habe sein Team gehabt, merkte Rose wahrheitsgemäß an, doch die größere Hitze ging von Bayer aus. Peter Bosz gab wieder, was er vor der Partie seinen just vom Europacup aus Israel zurückgekehrten Spielern gesagt hatte: "Wir gehen voll drauf. Wir machen Hochdruck. Wir lassen die nicht aufbauen. Wir geben denen keine Zeit am Ball." Angeberei des holländischen Trainers war das nicht, sondern bloß die Aufklärung darüber, wie dieses Spektakel zustande gekommen war.

Am Ende hatte das Spiel dann auch mehr zu bieten als anderthalb Stunden Action-Unterhaltung. Es setzte die Botschaft fort, die der verblüffend geglückte siebte Spieltag bereits am Samstag auf allen Ebenen gesendet hatte: Unter anderem ganz oben bei Dortmund gegen Bayern (2:3), ganz unten bei Mainz gegen Schalke (2:2) und mittendrin bei Stuttgart gegen Frankfurt (2:2). Hier und da war nach dem vorwiegend freudlosen Start in die Geisterspielsaison schon die Sinnfrage gestellt worden. Die Bundesliga zog sich mit all den ermauerten und erpressten 1:1 bereits selbst in Zweifel. Am Wochenende hat sie sich auf ihren Daseinszweck besonnen. Tore soll sie liefern, Freude soll sie machen und das Leben feiern, gerade in dieser trüben Zeit.

Valentino Lazaros Tor, logischer Kandidat für die Jahresbestenliste, hat dann sogar den bedrückten Trainer Marco Rose ein bisschen froh gemacht. "Das freut natürlich jeden Fußball-Liebhaber, und dann kannst du schon mal ganz kurz schmunzeln", bekannte er.

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