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Leverkusen geht in Barcelona 1:7 unter:Lehrstunde mit Messi

Messi, Messi, Messi, Messi, Messi. Zwischenzeitig droht eine zweistellige Niederlage, am Ende steht Bayer Leverkusens schlimmstes Debakel in der Europapokal-Geschichte: 1:7 lässt sich der Bundesligist im Champions-League-Achtelfinale vom FC Barcelona abschießen.

In der Halbzeit hoffte Sportchef Rudi Völler noch, "dass ihn der Trainer jetzt schont und raus nimmt". Ein paar Augenblicke danach sah Völler seine Hoffnungen schwinden. Er, Lionel Messi, lief auch nach der Pause auf den Platz des riesigen Stadions Nou Camp. Und eine gute Viertelstunde später wurde nicht nur Rudi Völler Angst und Bange.

Nach einer noch halbwegs passablen ersten Halbzeit ging Bayer Leverkusen in der Phase nach der Pause beim FC Barcelona unter. Vier Tore fielen in 17 Minuten, es stand nun 6:0 und würde es so weitergehen, das war klar, der Bundesligist würde sicher zweistellig verlieren.

Die Spieler aus Leverkusen wirkten zu diesem Zeitpunkt hilflos den Angriffen der Spanier ausgeliefert. Es ging alles so schnell, dass einige Akteure beschlossen, frustriert den Betrieb einzustellen. Dass sie schon beim Stand von 0:6 in die Historie eingehen würden mit der höchsten Europapokal-Pleite des Klubs, schien ihnen egal. Was soll man tun gegen diesen Messi? Gegen diesen FC Barcelona? Am besten gar nichts - so schien das Konzept der Leverkusener zu lauten.

Der Titelverteidiger aus Spanien fügte der Werkself am Mittwochabend beim 7:1 (2:0) eine schmachvolle Pleite zu und erreichte nach dem 3:1-Hinspielsieg mühelos das Viertelfinale der Champions League. Lionel Messi war mit fünf Toren, seinen Champions-League-Treffern acht bis zwölf (25., 43., 49., 58. und 84.), der überragende Mann des Abends. Der eingewechselte Cristian Tello traf in seinem ersten Champions-League-Einsatz zweimal (55., 62.). Zum Schluss besorgte Karim Bellarabi das 1:7 (90.).

"Auch wenn es Barcelona ist, eine solche Niederlage tut gegen jede Mannschaft der Welt weh", kommentierte Trainer Robin Dutt, "wenn jede Taktik so früh über den Haufen geworfen wird, das ist bitter. Wir hätten uns noch entscheiden können, uns mit elf Spielern vor den Strafraum zu stellen. Wir haben es nicht gemacht und sind dafür bestraft worden."

Dabei waren die Leverkusener mit einer Portion Mut nach Barcelona gekommen. 2:0 hatten sie den FC Bayern München schließlich besiegt, überhaupt eine gute Rückrunde in der Bundesliga gespielt. Da kann man auch dem FC Barcelona mal eklige Gegenwehr leisten. Dutt stellte mit Stefan Kießling und Eren Derdiyok zwei Stürmer auf, "um eine gewisse körperliche Präsenz ins Spiel zu kriegen", wie er erklärte.

Diese körperliche Präsenz zeigten die Deutschen dann etwa sechs Minuten lang. Leverkusen versuchte, ein wenig den großen Gegner zu kopieren: mit Pressing. Tatsächlich holte sich Kießling einmal den Ball am gegnerischen Strafraum - und überraschste sich damit wohl selbst. Denn anschließend zogen die Gastgeber das Tempo an.

Nach dem letzten schönen Angriff der Leverkusener für lange, lange Zeit, gewann Barcelona im eigenen Strafraum den Ball und etwa fünf Sekunden später lief Lionel Messi nach einem Steilpass alleine auf Torwart Bernd Leno zu. Und Messi zeigte zum ersten Mal, dass Leverkusen nur ein unbedeutender Spielball war an diesem Abend: Er lupfte den Ball vorbei an Leno zum 1:0 (25.).

Barcelona kombinierte nun wie gewohnt und setzte den Gegner bei Ballverlust sofort unter Druck. Es sah alles sehr leicht aus, noch vor der Pause traf Messi zum 2:0 (43.). Was nach der Pause folgte, war eine Fußball-Demonstration von Barça und eine Demütigung von Bayer. Nach dem Wechsel sahen die Zuschauer Chancen im Minutentakt, weil Leverkusen keine Mittel fand, die Kreise von Messi und Kollegen auch nur annähernd zu stören.

Es war bezeichnend, dass am Ende Torhüter Leno noch einer der besten Leverkusener in einer desolaten Mannschaft war. Messi ragte aus einem Barça-Team im Rausch noch heraus. Zwischenzeitlich mussten die wenigen mitgereisten Leverkusener Fans angesichts des unverminderten Angriffsdrucks der Katalanen sogar ein zweistelliges Ergebnis befürchten. Zumindest dies verhinderte Bayer.

© Süddeutsche.de/dpa/sid/hum/infu/lala

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