Leverkusen - Düsseldorf (18 Uhr) Drilling gesucht

Bitterer Ausfall: Leverkusens Sven Bender muss im Spiel gegen FK Krasnodar verletzt vom Platz.

(Foto: Marius Becker/dpa)

Leverkusen zeigt viele ansehnliche Ansätze. Aber das Werksteam unterliegt weiterhin zu großen Schwankungen. Der neue Trainer Peter Bosz erkennt das Problem: Es fehlt ein dritter Bender-Bruder.

Von Milan Pavlovic

Es hat nicht lange gedauert, bis Peter Bosz begriffen hat, wie das in Leverkusen läuft: Die Bender-Zwillinge bilden die Seele des Vereins. "Ihr Wert für die Mannschaft ist groß", umschrieb der Niederländer eine seiner Kernerkenntnisse aus sechs Wochen am Rhein. Wenn Sven und Lars zusammen auflaufen, ist die Bilanz des Vereins sehr positiv. Weil die beiden aber ohne Rücksicht auf ihr Wohlbefinden kämpfen, grätschen und gegrätscht werden, spielen sie nur selten zur selben Zeit. Oft genug sind sie sogar beide zur selben Zeit derangiert, so auch vor dem Spiel am Sonntag gegen Fortuna Düsseldorf. Lars fällt ohnehin aus (Reha nach der jüngsten Oberschenkelverletzung), und so wie sein Bruder am Donnerstagabend kurz vor dem Ende des Europa-League-Spiels in Krasnodar vom Platz gestützt werden musste, sieht es so, als könnte keiner der bald 30-Jährigen kämpfen, grätschen und gegrätscht werden. Also fragte der neue Coach des Werksklubs: "Gibt es denn nicht drei statt nur zwei Benders?"

Speziell für eine Mannschaft mit so viel Offensivkraft ist es wichtig, dass die Defensive verlässlich und das Gerüst stabil ist. Bosz' Vorgänger Heiko Herrlich könnte darüber ein Buch füllen, das wohl nur deshalb kein Bestseller würde, weil Leverkusen trotz seiner spektakulären Spielweise den meisten Bundesliga-Fans weitgehend egal ist, auch nach 40 Jahren Bundesliga-Zugehörigkeit. Herrlich verzettelte sich wohl auch deshalb, weil er nie die richtige Balance zwischen Attacke und Vorsicht fand. Bosz hat seine windhundschnellen Spieler (Bellarabi, Brandt, Bailey) von der Leine gelassen, aber mitunter jagen sie dann doch die falschen Hasen.

Sechs Pflichtspiele wurden bisher unter der Leitung des Holländers bestritten, und auch wenn die Zeichen oft ansprechend sind oder herausragend (wie die Entwicklung von Mittelfeld-Lenker Kai Havertz), lässt der Ertrag noch zu oft zu wünschen übrig. Es gab rauschhafte Vorstellungen (die zweite Halbzeit gegen Bayern München, der unerbittliche Sturmlauf gegen Mönchengladbach, das souveräne 3:0 in Wolfsburg, das kunstvolle 5:1 in Mainz), aber immer noch zu viele Rückschläge: das nackte Ergebnis gegen Gladbach (0:1), das Pokal-Aus in Heidenheim (1:2). Wie unter Herrlich bleibt die Chancenverwertung das größte Manko des Klubs, das war auch beim 0:0 am Donnerstag in Krasnodar unübersehbar.

Der Gegner aus Düsseldorf war zuletzt noch erfolgreicher als der Werksklub

Peter Bosz mag es aber nicht, zu negativ zu werden - abgesehen von den Ballverlusten, über die er ganze Abhandlungen verfassen könnte. "Ich habe das schon einmal gesagt", untertrieb der 55-Jährige, "dass das Thema uns bis zum Saisonende begleiten wird und vielleicht auch noch in der nächsten Saison." Und wer es immer noch nicht verstanden hatte, dem sagte er gerne noch einmal: "Wenn man so intensiv spielt wie wir, ist das ein sehr wichtiges Thema." Insofern war es positiv, dass Bayer 04 zum ersten Mal unter Bosz zu Null spielte, aber nach diesem Spiel überwog die Unzufriedenheit, dass diesmal auch auf der eigenen Seite die Null stand. Vermutlich wird es Bosz deshalb gefreut haben, dass sich auch die Mannschaft durchaus selbstkritisch äußert: Julian Brandt, 22, sprach nicht zum ersten Mal von "Schlampigkeiten" und kreidete diese auch sich selbst an.

Einigkeit herrscht darüber, dass man sich das im kleinen Derby gegen Düsseldorf nicht leisten kann, denn die Fortuna ist nicht der Klub aus der Hinrunde (2:1 für Leverkusen) und auch nicht jener, der von 14 Gastspielen in der BayArena gerade mal einen Sieg mitgenommen hat, 1996 dank eines Fehlers von Christian Wörns. Die neue Fortuna hat in den vergangenen sieben Liga-Spielen beachtliche 16 Punkte verbucht und damit noch einen mehr als Leverkusen im selben Zeitraum. "Sie haben ein sehr gutes Umschaltspiel, sie machen es sehr gut", zitierte der "Kölner Stadt-Anzeiger" den Trainer, inklusive des eigentümlich formulierten Lobs für Trainer Friedheim Funkel: "Das hat mein Kollege gut hingestellt."