Leverkusen-Bremen Noch besser als Brandt und Havertz

Unter dem neuen Trainer Peter Bosz ist mit Leverkusen auch Kevin Volland im Aufwind - und hofft, irgendwann noch sein elftes Länderspiel absolvieren zu dürfen.

(Foto: Wolfgang Rattay/Reuters)

Neben den beiden Nationalspielern profitiert auch Leverkusens Kevin Volland vom Systemwechsel unter Peter Bosz. Er glaubt weiter an seine Chance in der Nationalelf.

Von Ulrich Hartmann, Leverkusen

Das bislang letzte Länderspiel von Kevin Volland datiert vom 11. November 2016. Das ist fast zweieinhalb Jahre her, das ist kein gutes Zeichen. Trotzdem hat der 26 Jahre alte Mittelstürmer von Bayer Leverkusen bislang noch keinen Besuch von Joachim Löw erhalten, in dem ihm der Bundestrainer ultimativ mitteilte, dass er nicht mehr mit ihm plant. Das ist ein gutes Zeichen. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagte der 26-Jährige soeben der 'Rheinischen Post' zu seinen Chancen, irgendwann vielleicht doch noch sein elftes Länderspiel absolvieren zu dürfen. Volland will sich nicht über Forderungen, sondern über gute Leistungen bei Bayer Leverkusen anbieten, und da stehen die Chancen nicht schlecht. Denn unter dem neuen Klubtrainer Peter Bosz sind Leverkusen und Volland gemeinsam im Aufwind. Am Sonntagmittag gegen Werder Bremen könnte Bayer 04 seine Champions-League-Chance warmhalten - und Volland seine Nationalteam-Hoffnung.

Mit elf Toren und sieben Torvorlagen in der Bundesliga ist Volland zurzeit Leverkusens bester Scorer - vor Julian Brandt (4 Tore, 10 Vorlagen) und Kai Havertz (10 Tore, 4 Vorlagen), die mittlerweile zu Löws Stammpersonal gehören. Die beiden jungen Burschen spielen in Leverkusen in einem 4-3-3-System neuerdings auf den offensiven Halbpositionen im Mittelfeld, den sogenannten Achter-Positionen und profitieren von Boszs Systemumstellung. Das gilt aber genauso für den Mittelstürmer Volland, der in den acht Liga-Spielen der Rückrunde schon fünf Tore geschossen und fünf vorbereitet hat. In der Liste der Bundesliga-Topscorer steht an deutschen Fußballern nur noch der Dortmunder Marco Reus vor Volland.

Trotzdem ist der gebürtige Allgäuer von Löw auch für die nächsten beiden Länderspiele gegen Serbien und in den Niederlanden nicht nominiert worden. Man muss da unweigerlich ein bisschen an Stefan Kießling denken, den früheren Leverkusener Stürmer, dem im Nationalteam ein ähnliches Schicksal widerfahren ist. Kießling steht mit seinen 144 Toren auf Platz 17 der ewigen Bundesliga-Torschützenliste, aber er hat nur sechs Länderspiele machen dürfen. Warum, weiß niemand so richtig. Volland steht mit 64 Toren auf Platz 143 der ewigen Bundesliga-Torschützenliste, aber er dürfte noch ein paar gute Jahre vor sich haben. Dass Löw Leverkusener Spieler ignoriert, gilt jedenfalls nicht als Argument. Denn in Jonathan Tah, Brandt und Havertz hat er soeben wieder drei in sein Team berufen.

Volland ist also bereit, sich weiter zu empfehlen. Und Bosz ist nur zu gern bereit, seinem Stürmer dabei zu helfen. Denn wenn Volland für Löw interessant wird, bedeutet das ja auch, dass er für Leverkusen ganze Arbeit leistet. Gegen Bremen werden die Rheinländer zeigen müssen, wie stabil sie schon sind. "Wir müssen ihnen unseren Ballbesitzfußball aufzwingen", sagt Volland.

Als er am 11. November 2016 letztmals das deutsche Trikot trug, hat er übrigens getroffen. Es war der Treffer zum 8:0-Endstand im WM-Qualifikationsspiel in San Marino, vielleicht nicht gerade das bedeutsamste Tor in der Historie der Nationalmannschaft, aber für Volland ein Gefühl, das er wirklich gerne noch einmal erleben würde.