Süddeutsche Zeitung

Leverkusen-Sieg gegen Gladbach:Großereignis von einem Fußballspiel

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Zwei offensivstarke Teams liefern Spektakel: Beim achterbahnartigen 4:3 der Leverkusener gegen Gladbach zeigt sich die Energie der Bosz-Elf - ein Neu-Borusse schießt ein Traumtor.

Von Philipp Selldorf, Leverkusen

Die Begegnung zwischen den Champions-League-Konkurrenten Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach stand im Ruf eines Versprechens: Zwei spielstarke Mannschaften, bestens eingespielt und mittendrin in einer Erfolgsserie, das könnte ein Vergnügen werden. Doch es war weit mehr als das. Dieses Spiel war beides: Feuerwerk und Wassermusik - Kampf und Schönheit.

Ein Großereignis von Fußballspiel. Beide Teams hatten während der Woche lange Europacup-Reisen unternommen, die einen waren in Israel, die anderen in der Ukraine, aber das hielt sie nicht davon ab, sich einen rasend schnellen Schlagabtausch auf höchstem Niveau zu liefern. Bayer 04 brachte am Ende mehr Energie und mehr Siegeswillen auf und gewann die Partie 4:3. Mönchengladbach hatte das Nachsehen, aber nicht wie ein Verlierer ausgesehen.

Spitzenspiele mit Tabellenbrisanz benötigen oft ein wenig Anlaufzeit, bevor sie in Schwung kommen. Am Sonntagabend aber schien den beiden Teams die amtliche 90-Minuten-Frist viel zu kostbar zu sein, um sie mit vorsichtiger Gegnerbeobachtung und dem Einrichten einer stabilen Deckung zu verschwenden. Den ersten steilen Angriff starteten die Leverkusener bereits nach einer Minute und 13 Sekunden.

Florian Wirtz schickte Leon Bailey auf die Reise, und wenn er mit seinem Schuss auch nicht das Tor traf, so war der entschlossene Vorstoß des schnellen Flügelstürmers doch als eine Art Wegweiser zu verstehen. Vorwärts sollte es gehen, immer nur vorwärts. Zunächst galt das vor allem für die Heim-Elf, die dem Gegner mit ihrem fließenden Passspiel selten den Ball überließ.

Den ersten Eindruck von den Gladbacher Angriffsqualitäten bekamen die Leverkusener erst, als es schon zu spät war. Beim 1:0 in der 18. Minute waren sie nur staunende Zuschauer: Mit einem einfachen Doppelpass hatte sich die Borussia aus dem dichten Zentrum freigespielt, Steilpass auf Jonas Hofmann, Querpass auf Breel Embolo, Hradecky kommt zu spät ... Den fälligen Elfmeter verwandelte Lars Stindl cool zum 1:0.

Hochgeschwindigkeitsattacken waren an diesem atemlosen Abend aber kein Privileg der Borussen. Eben noch selbst im Angriff, im nächsten Moment am eigenen 16er ausgespielt, diese Erfahrung machten die Gladbacher in der 27. Minute, als Bayer-Verteidiger Tapsoba am Strafraum einen Konter initiierte, der über Moussa Diaby bei Lukas Alario landete. Der argentinische Torjäger zielte gut und traf noch besser.

Sein 1:1 hatte aber nur drei Minuten Bestand, da legte Stindl mit einer schlauen Aktion schon das 2:1 vor, und bis zum erneuten Ausgleich in der 41. Minute durch Alarios zweiten Treffer (Jan Sommer und Nico Elvedi sahen dabei gar nicht gut aus) war für Zeitvertreib stets gesorgt: Unter anderem hatten Ramsi Bensebaini und Marcus Thuram Latte und Pfosten getroffen.

Diese erste Halbzeit war ein Action-Spektakel wie eine Jerry-Bruckheimer-Produktion, und auch die zweite Hälfte bot besten Popcorn-Fußball. Beide Seiten hatten kein Interesse daran, das Remis zu verteidigen, doch je länger die Partie dauerte, desto mehr Reserven wussten die Leverkusener zu mobilisieren. Die entscheidende Szenenfolge trug sich nach 66 Minuten zu: Erst wehrte Hradecky ungefähr einen Zentimeter vor dem Überschreiten der Linie einen Schuss von Stindl ab, dann setzte der eingewechselte Hannes Wolf den Ball über das leere Tor.

Ein Versäumnis, das sich im Gegenzug rächen sollte. Diaby und Bailey tanzten im Duett die Borussen-Deckung aus und legten das 3:2 vor. Dieser Rückschlag drückte auf die Moral der Gäste, und ehe sie sich wieder zum Angriff sammeln konnten, schoss Julian Baumgartlinger das 4:2. Der Anschlusstreffer des eingewechselten Valentin Lazaro war wunderschön, aber kam in der vierten Minute der Nachspielzeit zu spät.

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Quelle:
SZ vom 09.11.2020
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