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Leistungszentrum des FC Bayern:Hoeneß lehnt Interviews und Fleischpflanzerl ab

Als so etwas wie Müller, Badstuber oder Alaba den Bayern zuletzt passierte, war Hopfner noch nicht Vereinspräsident. Das Amt bekleidete Uli Hoeneß, der im Vorjahr wegen Steuerhinterziehung in sieben Fällen zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden war - der aber seit Anfang des Jahres , so dachte man, als Freigänger die Nachwuchsmannschaften des Klubs koordinieren soll. Hoeneß war am Freitag sogar anwesend, gemeinsam mit Rummenigge betrat er das Zelt, gemeinsam mit Rummenigge verschwand er wieder. Doch Hopfner erwähnte seinen Vorgänger mit keinem Wort. Das musste auffallen. Ein Zelt ist in der Regel voll, sobald es von Hoeneß betreten wird. Erst Recht, wenn er sich erstmals seit seiner Zeit in Haft öffentlich im Kreise seiner Vereinskollegen zeigt. Videokameras umkreisten ihn, Kameras klickten, Hoeneß lächelte stets freundlich, dann lehnte er Interviews und Teller mit Fleischpflanzerln ab.

Dass Hopfner Hoeneß nicht erwähnte, wirkte umso skurriler, je mehr Personen er dankte. Und das waren nicht wenige. Er dankte Oberbürgermeister Reiter, Oberschleißheims Bürgermeister Christian Kuchlbauer; er bedankte sich bei Rainer Koch, dem Präsidenten des Bayerischen Fußball-Verbands, beim zuständigen Architektenteam von Albert Speer und Partner, er grüßte alle Präsidiumskollegen und Mitarbeiter des Klubs. Und sogar die neuen Nachbarn: Oberstleutnant Heinz Ullrich aus der Fürst-Wrede-Kaserne - und Christine Joas, die Geschäftsführerin des Heideflächevereins Münchener Norden. Nur Hoeneß grüßte er nicht, der sich, so wirkte es, erstmals seit langer Zeit unaufgefordert in ein Bild schob, unter dem ihm eine Erwähnung in der Bildunterschrift verweigert wurde.

"Uli kümmert sich mit großem Engagement um die Nachwuchsleistungsmannschaften, das kann ich bestätigen", beschwichtigte Rummenigge auf Nachfrage. Dort bringe er "viel frischen Wind rein". Und worum ging es schließlich am Freitag? Nur um das Nachwuchsleistungszentrum. Nicht um die Nachwuchsleistungsmannschaften, die im Nachwuchsleistungszentrum trainieren werden.

© SZ vom 17.10.2015

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