Vereinslied des 1. FC Union:Leipzig hört die Nachtigall trapsen

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Vereinslied des 1. FC Union: Die offizielle Zuschauerzahl lautete am Samstag in Leipzig 45 770 - darunter waren auch einige aus der Ukraine geflüchtete Menschen.

Die offizielle Zuschauerzahl lautete am Samstag in Leipzig 45 770 - darunter waren auch einige aus der Ukraine geflüchtete Menschen.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Die Stadionregie von RB verzichtet beim Spiel gegen die Berliner auf Nina Hagens Hymne "Eisern Union" - aus Angst, die Melodie könne an die russische Nationalhymne erinnern.

Von Javier Cáceres, Leipzig

RB Leipzig will gemocht werden. Das treibt mitunter Blüten, die von einer Reihe von Fußballanhängern als irritierend empfunden werden. Dass Gästefans vor Heimspielen der Leipziger vom Stadionsprecher nicht nur förmlich in der Arena begrüßt werden, sondern zusätzlich die Hymne ihres jeweiligen Klubs durch die Stadionboxen gejagt wird, ist nicht jedermanns Sache, denn es widerspricht dem Freund-Feind-Schema, das gewissen Fußballkulturen zugrunde liegt.

Am Samstag beim Spiel zwischen RB Leipzig und dem 1. FC Union Berlin sorgte für Aufsehen, dass die von der einstigen Punkrockerin Nina Hagen dargebotene Hymne der Köpenicker "Eisern Union" nicht gespielt wurde. Ein diplomatischer Affront im Lichte des Pokalspiels vom Mittwoch, das RB Leipzig gewann?

Nun sind sich Union und RB nicht grün, doch der von Leipzigs Sprechern bestätigte Grund war anders gelagert - er führt zum Zuschauerblock über dem Sektor, in dem die Unioner am frühen Samstagabend einen 2:1-Sieg feierten. Dort waren auf Einladung von RB Leipzig 600 Geflüchtete zu Gast, die nach dem russischen Überfall auf die Ukraine in Leipzig gestrandet waren.

Ein Takt der Union-Hymne erinnert angeblich an die Sowjetunion

Eine offenbar mit dem feinen Gehör eines Plagiat-Gutachters gesegnete Person bei RB Leipzig meinte, ein Takt der Union-Melodie erinnere an die russische, vormals sowjetische Hymne. Sie war 1943 vom früheren Leiter des Chores der Roten Armee, Alexander Wassiljewitsch Alexandrow, komponiert worden. Und so habe die Sorge bei RB darum gekreist, die ukrainischen Gäste könnten sich brüskiert fühlen. Darauf müsse man erst mal kommen, war im Union-Lager achselzuckend zu hören.

Nun muss man dazu wohl wissen, dass die Klubführung von RB Leipzig bei der Frage, ob russische Mannschaften nach dem Überfall ihres Landes auf die Ukraine weiter am Spielbetrieb der europäischen Fußballunion Uefa teilnehmen sollten, tagelang herumeierte. Öffentlich Farbe bekannte RB-Chef Oliver Mintzlaff nämlich erst, als die Uefa die Russen achtkantig rausgeworfen hatte und das Achtelfinale Leipzigs gegen Spartak Moskau abgesagt war. Die Kritik an dem Gebaren klingt den Leipzigern offenbar noch so sehr in den Ohren, dass sie nun sogar die Nachtigall trapsen hören.

Nicht ganz uninteressant in dem Zusammenhang ist, dass schon damals die Frage aufkam, welche Rolle wohl der Red-Bull-Konzern bei der, nun ja, zögerlichen Reaktion von RB Leipzig in der Debatte um Boykott und Ausschluss russischer Teams aus internationalen Wettbewerben gespielt haben könnte. Noch vor einer Woche gab es in der österreichischen Zeitung Der Standard einen größeren Bericht über österreichische Unternehmensaktivitäten in Russland - und das diesbezügliche Silentium von Red Bull.

Unter Berufung auf den Finanzanalysten Readyratios hieß es noch Ende März im Kurier, dass Red Bull 2021 angeblich umgerechnet etwa 77,5 Millionen Euro in Russland umgesetzt und einen Gewinn von 7,71 Millionen Euro eingefahren haben. Das sei ein Plus von 130,3 Prozent im Vergleich zu 2020. Positioniert hat sich Red Bull immer noch nicht. Aber: Auf der Website der Firma findet sich nun eine undatierte, kurze Mitteilung, wonach Red Bull "Anfang März alle Marketing-Aktivitäten und neuen Investments in Russland ausgesetzt" habe und im Einklang mit den Sanktionen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten handele.

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