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Leipzig schlägt den VfL:Rausch der Sprinter

02 04 2016 xkvx Fussball 2 Bundesliga RB Leipzig VfL Bochum emspor v l Torjubel Goal celebr; Kaiser

Leipzigs Kapitän Dominik Kaiser jubelt über den Führungstreffer.

(Foto: Jan Huebner/imago)

Mit drei Toren binnen zwölf Minuten kommt RB Leipzig gegen Bochum dem Aufstieg näher. Verhandelt werden am wohl baldigen Erstliga-Standort Vertragsverlängerungen und die Trainerfrage.

Von Patrick Reichardt, Leipzig/München

In der Länderspielpause hatte Ralf Rangnick eine besondere Idee, um noch ein paar Prozentpunkte aus seinen Profis herauszuholen. Auf dem Vereinsgelände von RasenBallsport Leipzig hängte das Trainerteam berühmte Zitate von Persönlichkeiten des Sports auf. "Ich kann Versagen akzeptieren, keiner ist perfekt. Aber was ich nicht akzeptieren kann, ist, es nicht zu versuchen", wird Basketball-Legende Michael Jordan zitiert. Der sechsmalige Leichtathletik-Olympiasieger Usain Bolt sollte die Spieler mit den Worten "Man darf sich keine Grenzen setzen, nichts ist unmöglich" anspornen.

Tatsächlich haben sich die Leipziger Spieler am Samstag die jamaikanische Rakete Bolt zum Vorbild genommen. Dessen Art und Weise, einen Wettkampf zu entscheiden. Nach der Halbzeit setzte das Rangnick-Team zu einem Sprint an und erlegte den VfL Bochum mit einem zwölfminütigen Feuerwerk, aus dem alle drei Tore resultierten. "Wir müssen nun davon lernen. Leipzig war in diesem Spiel ein Niveau zu hoch", gestand VfL-Coach Gertjan Verbeek ein.

Das 3:1 (0:0) gegen den Tabellenfünften aus dem Ruhrgebiet war nicht nur ein starkes Zeichen an Freiburg und Nürnberg, die Konkurrenten um den Aufstieg, es dürfte den Leipzigern bereits sechs Spieltage vor Schluss mindestens den Relegationsplatz garantieren. 13 Punkte liegt die Rangnick-Elf vor dem vierplatzierten FC St. Pauli, der beim 0:0 gegen Union Berlin am Freitag Punkte ließ.

Der Österreicher Sabitzer verlängert bereits bis 2021

Kapitän Dominik Kaiser (51.) hatte die Gastgeber vor 32 244 Zuschauern, darunter erstmals in dieser Spielzeit Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz, in Führung gebracht. Ein Doppelpack des eingewechselten Massimo Bruno (54./63.) sorgte für die vorzeitige Entscheidung, da verkam auch das Anschlusstor von Bochums Anthony Losilla (88.) zur Randnotiz. "Es ist ein schöner Tag für uns und auch für mich, denn endlich ist mein Torknoten geplatzt", sagte Bruno. In der Drei-Tore-Phase hatten die Gäste sogar Glück, nicht noch höher in Rückstand zu geraten: Emil Forsberg traf binnen einer Minute zweimal die Latte und einmal den Pfosten, kurz danach fiel der dritte Treffer. "In der zweiten Halbzeit hat man gesehen, was Leipzig für eine physische Wucht hat, da waren wir mit drei Gegentreffern noch gut bedient", sagte Bochums Simon Terodde.

Bereits am Freitag hatten die Sachsen ein starkes Signal an die Konkurrenz ausgesandt. Marcel Sabitzer verlängerte seinen Vertrag bis 2021. "Für mich ist RB Leipzig der Klub der Zukunft und ich möchte weiterhin ein Teil dieser positiven Entwicklung bleiben", betonte Österreichs Nationalspieler. Eine so frühzeitige und langfristige Verlängerung eines begehrten Leistungsträgers, das ist man in der Bundesliga nur vom FC Bayern gewohnt.

Wer wird Nachfolger von Ralf Rangnick?

Trotz all dieser positiven Neuigkeiten - so war das 3:1 gegen Bochum bereits der siebte Heimsieg in Serie -, bleibt der Kampf um die beiden Direkttickets in die erste Liga spannend. In den Duellen mit den Kontrahenten hatten die Leipziger zuletzt bittere Niederlagen in Freiburg (1:2) und Nürnberg (1:3) bezogen und hatten die Tabellenführung abgeben müssen. Zumindest bis Montag, wenn Freiburg zum Abschluss des 28. Spieltags bei Greuther Fürth (20.15 Uhr) gastiert, steht Leipzig nun wieder ganz oben.

Wie beeindruckend das Punktekonto der Leipziger ist, zeigt ein Blick auf die vorige Saison. Die Ausbeute von 59 Zählern genügte Darmstadt zum Aufstieg. Die Rangnick-Elf zog nun bereits sechs Spiele vor Ende gleich - kann sich aber trotz spielerischen Glanzes und ausgeprägter Heimstärke nicht in Sicherheit wiegen. Trotzdem laufen die Planungen für Liga eins schon auf Hochtouren. Gesucht wird weiterhin ein Nachfolger für den sich selbst im Falle des Aufstiegs in die Position des Sportdirektors zurückziehenden Ralf Rangnick. Markus Weinzierl wird es nicht - mit dem Augsburger Coach, so verkündete RB am Samstagnachmittag, seien die Verhandlungen abgebrochen worden. Der Leipziger Chefsessel aber dürfte begehrt bleiben.

© SZ vom 03.04.2016
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