Leipzig demütigt Schalke:Zum Davonlaufen

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Leipzig demütigt Schalke: Maya Yoshida, bei der WM noch mit Japan erfolgreich, sah wie alle Schalker vor allem in der ersten Halbzeit unglücklich aus.

Maya Yoshida, bei der WM noch mit Japan erfolgreich, sah wie alle Schalker vor allem in der ersten Halbzeit unglücklich aus.

(Foto: Martin Meissner/AP)

Die erste Halbzeit des Spiels gegen Leipzig ist der überraschende Tiefpunkt einer an Tiefpunkten nicht armen Schalker Vorrunde. Trainer Thomas Reis findet nach dem 1:6 deutliche Worte.

Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

Es herrschte durchaus eine gewisse Erwartungshaltung beim heimischen Publikum, kurz vor dem Anpfiff hasteten die vom dichten Feierabendverkehr traktierten Menschen Richtung Stadion, damit sie bloß keine Minute von dem Spiel versäumten, das ja vielleicht der Anfang einer tollen Geschichte werden könnte - einer Geschichte, wie sie einst der vom Tode erweckte Lazarus geschrieben hat.

Als der Ball dann rollte, war das blaubeleuchtete Haus fast voll, aber die Geschichte, die Schalke 04 gegen RB Leipzig inszenierte, handelte nicht von wundersamer Rettung, sondern von Verderben und Untergang. Zur Pause stand es 0:4 und das Haus war schon längst nicht mehr halbvoll, die Leute waren geflohen vor einer Darbietung, die ihren guten Willen überstrapazierte. Hätte man den Davongelaufenen gesagt, dass die Partie 1:6 enden würde, wären sie vielleicht sogar geblieben: Sie hatten jedoch jeden Grund gehabt, noch Schlimmeres zu befürchten.

Schalke hat in dieser euphorisch begonnenen, aber zunehmend trübseligen Saison schon ein paar Mal nicht mithalten können, aber die erste Halbzeit des Spiels gegen Leipzig war der überraschende Tiefpunkt der nunmehr abgeschlossenen Hinrunde. Überraschend war es deshalb, weil die gleiche Mannschaft - abgesehen vom auf die Bank rotierten Simon Terodde - am vorigen Samstag beim 0:3 in Frankfurt noch einen ausgesprochen wettbewerbsfähigen Eindruck hinterlassen hatte. Diesmal jedoch hatten die Leipziger erschreckend leichtes Spiel mit einer Schalker Elf, die ihren Trainer leiden ließ.

"Dann hat man in der Bundesliga nichts zu suchen", sagt der Trainer

"Wenn du keine Zweikämpfe annimmst und den Gegner laufen lässt, dann hat man in der Bundesliga nichts zu suchen", stellte Thomas Reis später in der gebotenen Deutlichkeit fest. Leipzigs Coach Marco Rose war es fast unangenehm, in Gegenwart des frustrierten Kollegen die Partie zu kommentieren. Eine "in allen Belangen hervorragende erste Halbzeit" gab er zu Protokoll sowie den Versuch einer Tröstung an den Gastgeber Schalke: "Die Jungs wollten viel und haben's nicht so auf den Platz bekommen."

Der erste Leipziger Konter brachte den ersten Leipziger Treffer (7. Minute): Timo Werner und Torschütze André Silva genügte dafür ein wenig Tempoverschärfung, Schalkes Restverteidigung mit Maya Yoshida und Henning Matriciani fand keine Mittel dagegen. Das 2:0 für RB (15.) gab einen Eindruck von der grundlegenden Desorganisation der Schalker Deckung, es entwickelte sich aus einem Einwurf und verschaffte mittels simpler Flügelverlagerung eine Situation, in der Rechtsverteidiger Benjamin Heinrichs allein vor Alexander Schwolows Tor stehen durfte. Unmittelbar vor der Pause, als Schalke gerade ein paar minimale Lebenszeichen gesendet hatte, beendeten Silva und Werner mit den Toren zum 4:0 alle Zweifel am weiteren Hergang des Abends.

In der zweiten Hälfte sahen die nun besser eingestellten Schalker sogar einige Minuten wie die Hausherren aus, der japanische Neuling Soichiro Kozuki - "einer der wenigen Lichtblicke", wie Reis später betonte -, schoss ansehnlich das 1:4. Chancen auf eine weitere Verschönerung des Resultats folgten. Doch gegen Ende ging Schalke die Luft aus. Dani Olmo mit einem traumhaften Tor zum 5:1 und der eingewechselte Yussuf Poulsen vollendeten das Werk.

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