RB Leipzig:Pleite vor stummen Rängen

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Bundesliga - RB Leipzig v Bayer Leverkusen

Eine Aktion wie aus dem Lehrbuch: Der technisch hochveranlagte Florian Wirtz (vorne) trifft zum 1:0 für Bayer Leverkusen.

(Foto: ANNEGRET HILSE/REUTERS)

Vier Tage nach dem 5:0 von Brügge unterliegt RB Leipzig einem taktisch beeindruckenden Leverkusener Team mit 1:3 - Bayer rückt mit dem Erfolg an die Ligaspitze heran.

Von Javier Cáceres, Leipzig

Jesse Marsch hat ein gesundes Selbstvertrauen, und das kam ihm in den vergangenen Tagen zupass. Es störte ihn nicht, dass die von ihm trainierte Mannschaft, RB Leipzig, ausgerechnet in seiner Abwesenheit den wichtigen 5:0-Sieg beim FC Brügge in der Champions League eingefahren hatte. Im Gegenteil.

Sein Ziel sei es, dass seine Teams auch ohne Trainer zurande kommen, sagte Marsch am Vorabend der Partie gegen Bayer Leverkusen. Das dürfte in Deutschland nicht so verständlich sein, "weil hier Hierarchie so wichtig ist", mutmaßte der US-Amerikaner. Beim Ausflug nach Belgien hatte er wegen einer Covid-Infektion gefehlt, auch am Sonntag war er noch nicht freigetestet. Und so musste er am TV-Schirm verfolgen, wie seine Mannschaft gegen ein taktisch fein justiertes Leverkusener Team mit 1:3 verlor. Aus diesem Spiel ergab sich die Frage, ob der Sieg in Brügge nur eine Luftspiegelung gewesen war.

Co-Trainer Achim Beierlorzer schickte gegen Leverkusen die selben elf Spieler auf den Platz, die in Brügge so beeindruckt hatten. Dass diesmal alles anders war, konnte man an einer Personalie ablesen. Bryan Brobbey feierte sein Bundesliga-Startelfdebüt - und wurde in der 43. Minute offenkundig wieder ausgewechselt. Das wirkte, weil Brobbey nicht verletzt zu sein schien, wie eine Strafe dafür, dass er nicht ins Spiel gefunden hatte. Nur: Das war kaum der Grund dafür, dass es bereits 2:0 für die Gäste stand, als Dominik Szoboszlai vor stummen Rängen aufs Feld geschickt wurde. Die Partie fand wegen der hohen Infektionszahlen in Sachsen ohne Zuschauer statt.

Szoboszlai setzt einen Handelfmeter an den Pfosten

Die Gegentore hatten vielmehr damit zu tun, dass Leipzig eine defensive Unordnung aufwies, die man in dieser Saison schon häufiger beobachtet hatte. Die Leipziger pressten mit Intensität und Willen. Was aber nach Ballgewinnen des Gegners zu sehen war, wirkte recht konfus. Anders die Leverkusener: Sie zogen reißbrettartige Angriffe auf, wie etwa vor ihren Toren.

Beim ersten Treffer glänzte Leverkusens wundervoller Florian Wirtz, der vergebens von RB-Linksverteidiger Angeliño verfolgt worden war, als er nach einem schönen Pass von Exequiel Palacios den Strafraum betrat (21.). Beim 2:0 wurde Moussa Diaby (34.), der sich einen langen Ball von Jonathan Tah selbst vorgelegt und vollendet hatte, nicht entscheidend gestört. Torwart Josep Martínez, der den ebenfalls Covid-infizierten Peter Gulacsi vertrat, hatte bei beiden Toren keine Chance.

Nach der Pause erhöhte Leipzig den Druck und kam durch Konrad Laimer und Emil Forsberg aus der Distanz zu gefährlichen Abschlüssen. Aber die Angriffe der Leverkusener, die es weiterhin gab, wirkten durchdachter. In der 62. Minute netzte André Silva im Anschluss an eine Ecke per Kopf zum 1:2 ein. Doch ehe Leipzig Hoffnung schöpfen konnte, traf Jeremie Frimpong zum 3:1, wobei er Glück hatte, dass Angeliño den Ball abfälschte. Diaby traf noch den Pfosten (72.), und als das Spiel ausrollte, gab es noch einen Handelfmeter, den Szoboszlai an den Pfosten setzte (88.). Leverkusen schob sich an Rang drei vor, Leipzig ist vier Punkte hinter den Champions-League-Plätzen. Das ist zu wenig für die Ansprüche des Vorjahres-Zweiten.

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