bedeckt München 15°
vgwortpixel

Leipzig und die Friseuraffäre:Nagelsmann empfindet das Etikett Wutrede als reißerisch

Richtig verärgert hatte Nagelsmann etwas anderes: dass die Spieler ihre Waschen-schneiden-legen-Session in den einschlägigen Netzwerken verbreitet hatten. Das sei deshalb Gift, weil dadurch "aus einer Mücke schnell ein Elefant gemacht wird, der dann im Fall einer Niederlage durch den Porzellanladen stolpert", wie Nagelsmann referierte. In der Tat trat Eintracht Frankfurt zum Spitzenschneiden an und fügte dem Tabellenführer ein 0:2 zu.

Danach hatte Nagelsmann mit einer Analyse Aufsehen erregt, die bald mit Überschriften und Etiketten wie Wutrede versehen wurde. Das empfand er selbst als reißerisch und unangemessen: "Man könnte meinen, dass ich gesagt hab: Das ist die schlechte Mannschaft die ich je trainiert habe, so steigen wir ab, keine Mentalität, alles Rotzlöffel, alles beschissen ...", sagte er am Donnerstag sarkastisch. Aber das stimme nicht: "Es war keine Wutrede und keine Generalkritik", so Nagelsmann, "selbstkritisch" müsse er aber einräumen, dass Leipzig aktuell nur aus einem Grund als Krisenklub rüberkomme: "Das liegt an mir, weil ich immer meine Fresse aufreiße und sage, was ich denke." Tatsächlich gedacht habe er nach Frankfurt, "dass wir bei 95 Prozent waren und ich möchte, dass wir auf 100 kommen". Denn das sei unabdingbar, um die eigenen Ambitionen umzusetzen.

Leipzigs Ziele formuliert Nagelsmann, gemessen an der Herbstmeisterschaft, weiterhin moderat. Zumindest sprach er "von Platz eins bis vier". Um die Champions League zu erreichen, wäre eine breite Personaldecke hilfreich, doch an dieser Front muss RB einen Rückschlag verdauen: Der verletzte Spielmacher Kevin Kampl fällt länger aus als gedacht, er kehrt erst im März zurück. Umso rascher wird nun Zugang Dani Olmo (aus Zagreb) angelernt.

Als Baustelle gilt wegen der Ausfälle von Orban und Konaté die Innenverteidigung. Als Last-Minute-Zugang für Leipzig gehandelt wird Nationalspieler Robin Koch vom SC Freiburg, der auch von Benfica Lissabon umschwärmt wurde und 20 Millionen Euro kosten soll. Nagelsmann versicherte, gelassen zu sein: "Wir werden nicht absteigen, wenn wir keinen mehr holen", sagte er. Und ob man im gegenteiligen Fall Erster werde, müsse man auch erst mal sehen.

© SZ vom 31.01.2020/tbr
Bundesliga Schlechte Nachrichten für das Start-up der Liga

Bundesliga

Schlechte Nachrichten für das Start-up der Liga

Der BVB und die Bayern haben die Jagd auf Tabellenführer Leipzig eröffnet. Was Hansi Flick in München geweckt hat, ist kaum noch zu verteidigen.   Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Zur SZ-Startseite