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Leipzig und die Friseuraffäre:"Das liegt an mir, weil ich immer meine Fresse aufreiße"

Training RB Leipzig

Julian Nagelsmann beim Training der Leipziger.

(Foto: dpa)
  • RB-Trainer Nagelsmann versucht die Friseur-Debatte und seine eigene Kritik an den Spielern zu relativieren.
  • Nagelsmann sagt auch, er empfinde es nicht als Affront, dass Ralf Rangnick - sein Vorgänger und der aktuelle "Head of Global Football" bei RB - offenbar zunächst ohne sein Wissen mit den Spielern sprach.
  • Freiburgs Nationalverteidiger Robin Koch soll für 20 Millionen Euro kommen.

Die Auswirkungen von Frisuren auf das Fußballspiel haben schon häufiger Anlass zu Debatten gegeben. Man denke nur daran, wie der begnadete Fernando Redondo beim damaligen Nationaltrainer Argentiniens, Daniel Passarella, in Ungnade fiel, weil er sich die schulterlangen Haare nicht stutzen lassen wollte. Der brasilianische Ronaldo ließ sich bei der WM 2002 ein dunkles Dreieck auf dem ansonsten kahlrasierten Schädel stehen, das kulturbeflissene Beobachter an den Ursprung der Welt erinnerte, das vielleicht berühmteste Gemälde von Gustave Courbet.

Ronaldo, mittlerweile Präsident beim spanischen Erstligisten Valladolid, stellte am Mittwoch den Zugang Hatem Ben Arfa vor, der bei seiner Vorstellung nicht den Ball auf der Stirn tanzen lassen wollte - das würde seine Frisur zerstören. Zur selben Zeit köchelte in Leipzig eine Coiffeur-Debatte. Ben Arfa dürfte in seine Haare ähnlich viel investiert haben wie jene neun RB-Profis, die vor dem jüngsten Bundesligaspiel einen Starfriseur aus London ins Teamhotel nach Frankfurt bestellten.

Das Thema Haare treibt die Leipziger noch immer um, weil sich insbesondere der vormalige Trainer und jetzige Head of Global Football bei RB, Ralf Rangnick, über die Aktion empört hat. Der Weg zum Goldsteak sei nicht mehr weit, sagte er in Anspielung auf ein Abendmahl von Franck Ribéry, das ganze Gebaren empfinde er als "dekadent" - ein Wort übrigens, das mal eine Zeitung aus Österreich in den Raum stellte, als ein Milliardär namens Dietrich Mateschitz, Eigner des Getränkekonzerns Red Bull, einen Fußballklub in Leipzig kaufte. Wie auch immer: Es blieb nicht bei der puren Empörung. Die Bild meldete, dass sich Rangnick einige Spieler persönlich vorgeknöpft habe, unter ihnen der dienstälteste RB-Profi Yussuf Poulsen. Rangnick tat dies vorbei an Nachfolger Julian Nagelsmann - "ein Affront" gegen den Trainer, schlussfolgerte das Blatt.

"Ralf muss mich nicht um Erlaubnis fragen, um mit einem seiner früheren Spieler zu sprechen"

Illegitim ist diese Interpretation auf den ersten Blick nicht. Es wäre auch nicht überraschend, wenn Nagelsmanns Versicherung vom Donnerstag - "ich empfinde das nicht als Affront" - politisch motiviert gewesen wäre, zur Wahrung des Betriebsfriedens. Aber das alles bleibt Spekulation. Offenherzig berichtete Nagelsmann davon, dass er am Dienstag mit Rangnick konferiert und "die Dinge geklärt" habe, ohne dies näher zu erläutern. Danach habe man sich die Hand gegeben, Rangnick habe das Trainerzimmer verlassen, und er, Nagelsmann, habe das Training für das am Samstag (18.30 Uhr) anstehende Topspiel gegen Borussia Mönchengladbach vorbereitet.

Rote Linien sah Nagelsmann jedenfalls nicht überschritten: "Ralf muss mich nicht um Erlaubnis fragen, um mit einem seiner früheren Spieler zu sprechen. Er hat ja keine taktischen Anweisungen gegeben", sagte der aktuelle Coach. Grundsätzlich halte auch er die Idee, einen Friseur aus dem Ausland kommen zu lassen, für unglücklich. Andererseits: "Wenn das ein Skandal ist, geht's uns allen ziemlich gut."

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